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Der umstrittende Ex-Polizist und Buchautor Tim K. kritisiert die Sparkasse Paderborn-Detmold, weil diese sein Privatkonto gekündigt hat. - © Wolfgang Rudolf
Der umstrittende Ex-Polizist und Buchautor Tim K. kritisiert die Sparkasse Paderborn-Detmold, weil diese sein Privatkonto gekündigt hat. | © Wolfgang Rudolf

Paderborn Rassistische Videos: Sparkasse kündigt Konto von Rocker Tim K.

Der umstrittene Ex-Polizist und Buchautor hatte Spenden auf seinem Privatkonto gesammelt. Die Sparkasse reagierte. Bei der "Identitären Bewegung" war die Bank zuletzt mit einer Kündigung gescheitert.

30.07.2019 | Stand 30.07.2019, 11:55 Uhr

Paderborn (nw). Ein Video des Horn-Bad Meinberges Tim K. auf der Videoplattform Youtube sorgt derzeit für Aufregung in der rechten Szene. In dem Clip kritisiert der Chef des Rocker-Clubs „Brothers MC Salt City" die Sparkasse Paderborn-Detmold, weil diese sein Konto nach 45 Jahren gekündigt hat. In Zusammenhang soll das laut K. mit der Gründung seiner neuen Website "Prometheus Deutschland" stehen. Der ehemalige Polizist und Buchautor fällt immer wieder durch rassistische Äußerungen auf. Eine Spende an ein Mädchenhaus und die Stiftung Bethel lehnten diese Ende 2016 ab. Der Rocker-Club wird als ausländerfeindlich kritisiert. "Keine normale Inanspruchnahme des Privatkontos" Die Sparkasse Paderborn-Detmold teilt zum Fall schriftlich mit: "Wir haben die Diskussion in den sozialen Medien zur Kenntnis genommen. Gewerbliche Tätigkeiten sind – unabhängig von politischen Einstellungen des Kontoinhabers – nicht Gegenstand einer vertraglichen Vereinbarung zum Führen eines privaten Girokontos, welches jedermann offensteht. Eine vertragswidrige Nutzung berechtigt daher zu einer Kündigung durch die Sparkasse Paderborn-Detmold." Mit der gewerblichen Nutzung meint die Bank, dass Gelder zur Gründung eines Nachrichtenportals auf das Konto fließen. Weitere Auskünfte will die Sparkasse wegen des Bankgeheimnisses nicht geben. Der Horn-Bad Meinberger hält das für eine "Frechheit": "Ich weiß nicht, was daran schlimm sein soll", sagt er gegenüber der NW. Er habe zunächst über Crowdfunding versucht, Spenden für sein Nachrichtenportal zu sammeln. Das Unternehmen habe die Sammlung jedoch gestoppt, weil sie nicht mit den eigenen Richtlinien übereinstimmen würde, so K. Rechte weichen auf eigene Plattformen aus Auf seinem Youtube-Kanal ist K. bereits seit einigen Jahren aktiv. Hier veröffentlicht er Videos gegen den Islam, gegen Angela Merkel und pro Nationalstolz. Auch auf Facebook fällt der Rocker immer wieder durch rassistische Äußerungen auf. Zur Gewalttat gegen ein achtjähriges Kind in Frankfurt schrieb K. beispielsweise: "Wir werden uns dieses Land zurückholen!" Am 22. Juli hatte der Ex-Polizist und Buchautor den Startschuss seiner eigenen Nachrichtenplattform angekündigt. Viele rechte Videomacher gründen inzwischen eigene Websites auf russischen Servern, da sich Youtube immer restriktiver gegen fremdenfeindliche Inhalte zur Wehr setzt. In dem Video bedankt sich Tim K. bei seinen Unterstützern. Gleichzeitig wird seine private Kontoverbindung eingeblendet. Der Name "Prometheus" aus der griechischen Mythologie sei bewusst gewählt, als Jemand, "der sich gegen die Mächtigen" auflehne. Beschwerden bei der Sparkasse Paderborn-Detmold In seinem Video zeigt Tim K. auch Auszüge aus dem Brief der beauftragten Anwaltskanzlei. Darin heißt es: "Infolge der von Ihnen bezweckten und erfolgreich betriebenen erheblichen Verbeitung Ihrer Videobeiträge über soziale Medien, welche rassistische und sonstige verfassungswidrige Vorstellungs- und Wahnbilder nähren, sind verschiedentlich Kunden und sonstige Vertreter der Zivilgesellschaft an unsere Mandantin herangetreten und haben - auch öffentlich - ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass ein bei der Sparkasse Paderborn- Detmold unterhaltenes Privatgirokonto für den Aufbau einer entsprechenden Nachrichtenplattform genutzt wird." Aus Sicht der Sparkasse drohe folglich ein erheblicher Reputationsschaden bei der Fortführung des Girokontos, zudem sei die Kündigung von Geschäftsbeziehungen durch Kunden und Boykottaktivitäten zu besorgen. K. kann das nicht nachvollziehen: Für ihn sei der Fall ein Beispiel dafür, "wie mit Andersdenkenden umgegangen" werde. Seiner eigenen Nachrichtenplattform soll die Kündigung jedenfalls nicht im Wege stehen. Er will alle juristischen Instanzen durchlaufen, um gegen die Sparkasse Paderborn-Detmold vorzugehen. "Ich lasse mir das nicht gefallen." Konto der Identitären lässt sich nicht kündigen Die Sparkasse Paderborn-Detmold war schon vor einigen Jahren in die Schlagzeilen geraten, da die sogenannte "Identitäre Bewegung" ein Spendenkonto bei der Bank hat. Der Verfassungsschutz hatte die Gruppe kürzlich als eindeutig rechtsextremistisch eingestuft. Die Sparkasse hatte zuletzt immer wieder versucht, das Konto der Gruppe zu kündigen - jedoch ohne Erfolg. Ein Versuch der Bank landete zunächst vor dem Paderborner Amtsgericht, später auch vor dem Paderborner Landgericht. In beiden Fällen entschieden die Richter, dass die Konto-Kündigung nicht rechtens sei.

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