0
Die Barker-Kaserne von oben: Auch die Bundeswehr könnte sich diesen Standort grundsätzlich wieder vorstellen. - © Gerd Vieler, Mallinckrodtstraße 29, 33098 Paderborn
Die Barker-Kaserne von oben: Auch die Bundeswehr könnte sich diesen Standort grundsätzlich wieder vorstellen. | © Gerd Vieler, Mallinckrodtstraße 29, 33098 Paderborn

Paderborn Barker-Kaserne: Bundeswehr will "zeitnah" über Standortfrage entscheiden

Der Stadtrat setzt voll auf den eingeschlagen Kurs der Stadtentwicklung

Hans-Hermann Igges
11.07.2019 | Stand 12.07.2019, 11:38 Uhr

Paderborn. Ein Start-up-Center mit Leuchtturmgebäude, genannt "Akzelerator" am Berliner Ring als Fingerzeig, dass dahinter, auf dem 54 Hektar großen Gelände der im November frei werdenden Barker-Kaserne der Briten, Paderborns Zukunft als "smart city" Gestalt annimmt: Der Stadtrat stellte sich am Abend in einer Erklärung einmütig hinter diese Vision vom "zukunftsweisenden Stadtquartier" der Stadtentwickler aus dem Technischen Rathaus und der Strategen aus der Universität. Er positionierte sich damit demonstrativ gegen das in der letzten Woche erst kommunizierte Ansinnen der Bundeswehr, die trotz gegenteiliger Bekunden noch Ende Mai nun überraschend eine eigene Verwendung der Kasernen Barker und Dempsey prüfen will. Doch es gab auch Bedenken. So zweifelte Hartmut Hüttemann (FBI) an der Wirkung solcher Resolutionen, stimmte jedoch dafür. Der Standort Barker, umgeben von Wohngebieten, komme aber wohl sowieso nicht in Frage für die Truppe. Die beiden FDP-Vertreter enthielten sich, weil ihnen die Erklärung zu scharf schien und sie der Bundeswehr ihren grundsätzlichen Vorrang beim Zugriff auf die Kasernen nicht streitig machen wollten. Da half auch inständiges Werben der Technischen Beigeordneten Claudia Warnecke nicht: "Um diese Fläche beneiden uns alle in OWL. Da ist es legitim, wenn eine Kommune sich so positioniert." "Für strukturschwache Gegenden ein Lottogewinn" Die allermeisten im Rat zeigten sich jedoch voll überzeugt. Franz-Josef Henze, Sprecher der SPD, argumentierte: "Wenn wir jetzt schweigen, dann kann das auch als Zustimmung ausgelegt werden." Und CDU-Fraktionschef Markus Mertens meinte: "Für strukturschwache Gemeinde wäre so etwas wie ein Lottogewinn. Aber hier passt die Bundeswehr eben nicht hin. Und im Zweifel haben wir auch noch andere Kasernen." Ausdrücklich erwähnt werden denn auch in der Erklärung die Kasernen Normandy und Athlone mit ihren 250 Hektar am Rand der Stadt. Reinhard Borgmeir (Linksfraktion) hätte es lieber gesehen, wenn in der Erklärung der Hinweis auf die beiden verbleibenden Kasernen unterblieben wäre, stimmte aber ebenfalls zu. Petra Tebbe (Grüne) befürchtete, dass nun eine Hängepartie droht und Förderfristen für das Akzelerator-Projekt in Gefahr geraten. Bürgermeister Michael Dreier versuchte, zu beruhigen: Er habe inzwischen mehrfach mit Berliner Stellen telefoniert und durchaus den Eindruck, dass die Paderborner Bedenken ernst genommen würden. Man habe ihm eine "zeitnahe" Entscheidung "in den nächsten Wochen" angekündigt. Die Erklärung des Rates nimmt Bezug auf "fortgeschrittene Planungen". Im Interesse der Paderborner Stadtentwicklung sei eine "zügige zivile Nachnutzung der beiden Kasernen zwingend erforderlich und prioritäres Ziel". Auch unterstütze der Rat die Strategie, für die Uni Paderborn "sehr zeitnah nach dem Abzug der Britischen Streitkräfte eine Grundstücksfläche auf dem Barker Areal nutzbar zu machen". Auch künftig sei ein reibungsloses Vorgehen aller Beteiligten anzustreben, um weiter "Vorbild für einen positiven Entwicklungsprozess der Konversionsflächen sein zu können".

realisiert durch evolver group