Lichtenau will den Insekten- und Naturschutz verstärken. - © Pixabay
Lichtenau will den Insekten- und Naturschutz verstärken. | © Pixabay

Lichtenau Wie eine Stadt im Kreis Paderborn die Insekten schützen will

In Lichtenau startet bald ein erstes Pilotprojekt

Lichtenau. „Problem erkannt, Problem gebannt - aber wie?" so könnte man den Informationsabend im Lichtenauer Technologiezentrum überschreiben. Zum Thema „Bienen, Büsche, Hecken und Co – Wie steht es um den Naturschutz in Lichtenau" hatte der Heimatverein Atteln eingeladen und etwa 120 Gäste waren gekommen. „Durch die Renaturierung der Altenau und andere Naturschutzmaßnahmen, wie das Anpflanzen von Hecken, sind wir in Atteln schon lange mit dem Thema beschäftigt. Wir sehen die Probleme und wollen sie anpacken" so Manfred Reuter, erster Vorsitzender des Heimatvereins. Er stellte auch eine Folgeveranstaltung für 2020 in Aussicht, um Ergebnisse zu überprüfen. "Es muss jetzt etwas passieren" „Es muss jetzt etwas passieren und nicht alles kann im Ehrenamt stattfinden", stellte Wolfgang Scholle, Ortsvorsteher von Lichtenau fest. „Das Thema Insektenschutz kocht nicht nur seit dem Volksbegehren in Bayern hoch", sagte Lichtenaus Bürgermeister Josef Hartmann. Schon 2018 habe die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag im Rat der Stadt Lichtenau gestellt, Stadtflächen für die Nutzung von Blühstreifen zu identifizieren. Geplant sei, dass die Stadt eine Fläche beim Tiefbrunnen in Herbram nicht wieder an die Landwirtschaft verpachte, sondern dass die Stadtwerke Lichtenau die Fläche übernehmen. "Derzeit wird geprüft, was wir dort anlegen können", so Hartmann. Neben großen Flächen standen auch Wegraine im Fokus der Aufmerksamkeit. Hier wurde gefordert, dass Grenzen überprüft werden, um diese stadteigenen Flächen für Blühstreifen nutzen zu können. Häufig würden Wegrainen, die die Grenze zwischen Feld und Weg markieren, mit umgepflügt und so ihrer eigentlichen Bestimmung eine Grenze zu sein, entfremdet. Wie wichtig auch solche kleinen Biotope für den heimischen Tierbestand seien, zeigte Christian Finke, Gebietsbetreuer für Lichtenau der Biologischen Station, auf. Der Wiesenpieper ist fast vollständig verschwunden „Die Feldlerche befindet sich derzeit stark im Rückgang, da sie ihren Lebensraum Feldbrachen und Randstreifen nicht mehr oder nur ungeeignet vorfindet. Der Wiesenpieper ist in der Fläche fast vollständig verschwunden. Landesweite Ausnahme sind hier Kleinenberg und Hakenberg, wo sich gute Vorkommen finden lassen", so Finke. Imke Harbers vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Paderborn machte deutlich, dass sich die Landwirte ihrer Verantwortung gegenüber der Natur bewusst seien, gleichzeitig fühlten sie sich häufig an den Pranger gestellt. „Dass der Bauer als Hauptverursacher hingestellt wird, nervt viele. Pflanzenschutzmittel werden auch in privater Hand gebraucht und häufig missbraucht", so Habers. Pilotprojekt zwischen Lichtenau und Willebadessen Sie verwies auf einen 2017 einstimmig gefassten Beschluss, worin sich die Landwirtschaft verpflichtet, „offensive Nachhaltigkeit" in OWL zu realisieren. Dass es nicht nur allein an der Bereitschaft etwas zu tun liegt, sondern auch Menschen braucht, die diese Aktionen leben und nachhaltig begleiten, machte Landrat Manfred Müller deutlich. Mit der geplanten Kampagne „Der Kreis Paderborn blüht und summt" sollen viele Akteure zusammengebracht werde, um etwas zu bewirken. In Sachen Mulchen wird der Kreis ein erstes Pilotprojekt auf der Straße zwischen Lichtenau und Willbadessen starten. Hier wird auf 500 Meter der Grünabschnitt nach dem Mähen abgetragen. Weiter sponsert die Bürger- und Energiestiftung Lichtenau Saatgut für Blühwiesen. Landwirte können sich diese in der Genossenschaft in Lichtenau abholen.

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