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Eine Rotbeinige Furchenbiene mit Pollen. - © picture alliance / blickwinkel/R. Guenter
Eine Rotbeinige Furchenbiene mit Pollen. | © picture alliance / blickwinkel/R. Guenter

Bielefeld Dramatisches Bienensterben trifft auch NRW

Weltbienentag: Umweltorganisationen fordern stärkere Maßnahmen gegen den Schwund. Sie warnen vor einem ökologischen Desaster

Stefan Boes
19.05.2018 | Stand 19.05.2018, 10:41 Uhr

Bielefeld. Zuerst stirbt die Biene, dann der Mensch: Weil ohne die kleinen Summer weltweit die Bestäubung von Pflanzen nicht mehr funktioniert, schlagen Experten Alarm. Der Schwund der Wildbiene hat dramatische Züge angenommen. Zum Weltbienentag der Vereinten Nationen am Sonntag fordern Umweltschützer die Bundesregierung zum Handeln auf. 180.000 Unterschriften hat allein der BUND dafür gesammelt. Hauptursachen für den Insektenrückgang seien die intensive Landwirtschaft und die EU-Agrarpolitik. „Unsere Insekten werden schleichend ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Wenn es so weiter geht, rast die Weltgemeinschaft auf ein ökologisches Desaster zu", mahnt Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes NABU. „Wir können Insekten und ihre Leistungen als Bestäuber nur retten, wenn die Agrarpolitik grundsätzlich anders wird." Das Beispiel einiger Anbaugebiete in China verdeutlicht bereits heute, was es bedeutet, wenn die Bienen verschwunden sind: Dort bestäuben inzwischen Menschen Obstblüten mit Pinseln. Sympathieträger Honigbiene In Deutschland gilt jede dritte Wildbienenart als gefährdet. Allein in NRW sind schon 45 Arten ausgestorben, sagt ein Sprecher des NRW-Umweltministeriums. Wildbienen gehören zu den am meisten gefährdeten Insektengruppen in NRW, sagt er. Besser steht es um die Honigbienen, auch weil das Imkern zurzeit im Trend liegt. Sie seien „Sympathieträger", sagt Albert Bauer, Vorsitzender des Kreisimkervereins Bielefeld. Wildbienen-Arten aber seien in Deutschland wegen des Einsatzes von Insektiziden und einer hochintensivierten Landwirtschaft besonders bedroht. Der Imker hält eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft für dringend notwendig, die nicht nur auf Blühstreifen setze, sondern auf große Flächen. „Ein Blühstreifen neben einer hoch bewirtschafteten Fläche kann zur Todesfalle werden", sagt NABU-Bienenexperte Till-David Schade. Die Streifen ziehen viele Insekten an – und wenn der Bauer das Feld nebenan spritze, gingen diese zugrunde, sagt Schade. Laut NABU bieten enge Fruchtfolgen und intensive Ackerbausysteme Insekten zu wenige Nahrungs- und Nistangebote. Pestizide vergifteten die Tiere, Düngemittel zerstörten die Nahrungsgrundlage der Insekten. Umweltschützer kritisieren die Auswirkungen des Pestizideinsatzes seit Jahren. Nicht nur die Arten würden weniger, auch die Populationen schrumpfen, heißt es beim BUND. Dabei seien Bienen die Grundlage der Ernährung und unverzichtbar für die Ökosysteme. Zwei Drittel der Nahrungspflanzen seien auf Bestäubung angewiesen.

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