Ende November letzten Jahres war die Leiche des Mannes in Delbrück gefunden worden. - © (Archivbild) Regina Brucksch
Ende November letzten Jahres war die Leiche des Mannes in Delbrück gefunden worden. | © (Archivbild) Regina Brucksch

Delbrück/Paderborn Messerattacke in Delbrück: Todesumstände des Opfers weiter unklar

Der Mann, der seit fünf Prozesstagen schweigt, ist gehört anscheinend den Reichsbürgern an

Jutta Steinmetz
12.07.2019 | Stand 12.07.2019, 16:12 Uhr

Delbrück/Paderborn. Eigentlich kommen immer viele Leute zusammen, wenn etwas Ungewöhnliches passiert. Vor allem Sanitäter oder Polizeibeamte wissen zu berichten, dass oft kein Durchkommen ist, wenn schwere Unfälle passiert, wenn Menschen auf offener Straße zu Schaden gekommen sind. Als aber die Sanitäter aus der Delbrücker Rettungswache in der Nacht zum 30. November am Zielort ihres Einsatzes ankamen, war das ganz anders, wie jetzt vor dem Schwurgericht Paderborn offenbar wurde. Dort lag Justus X. (alle Namen geändert) ganz allein auf der Straße, während in einiger Entfernung vor einem Haus eine Menschengruppe stand. „Ich fand das sehr ungewöhnlich", erinnert sich die Sanitäterin, die in dieser Nacht Dienst tat. „Normalerweise stehen immer Leute drumherum." Für den 33-Jährigen kam jede Hilfe zu spät, auch wenn die Rettungskräfte sofort mit der Reanimation begannen. Ein Notarzt, der wenig später eintraf, vermutet, dass der Tod des Delbrückers zwischen 30 bis 60 Minuten vor seiner Ankunft eingetreten war. Angeklagter war der Polizei bekannt Wann dieser genau starb, weiß möglicherweise Andreas G. Der 28-Jährige, der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Paderborn für den Tod des Justus X. verantwortlich ist, schweigt aber seit vier Prozesstagen - obschon er kurz nach seiner Festnahme behauptet hatte, den Delbrücker aus Notwehr getötet zu haben. Und so ist bislang auch noch nicht viel über den Angeklagten bekannt. In dem Delbrücker Unternehmen, in dem er als Lagergehilfe arbeitete, ist er niemals aufgefallen. "Ich kann nichts Negatives über ihn sagen", so sein Vorgesetzter. Bei der Polizei sah man den jungen Mann etwas kritischer. Als die Ermittler ein paar Tage nach der Tat bei Andreas G. erschienen, um ihn zu vernehmen, gingen sie vorsichtig vor. "Er galt nicht als ganz einfache Person", erzählt ein Beamter und fügt hinzu: "Er hatte ja schon polizeilichen Kontakt." Tatsächlich aber verlief diese Kontaktaufnahme samt Befragung ohne Auffälligkeiten - abgesehen von der Tatsache, dass Andreas G. keinen Ausweis vorlegen konnte, sich stattdessen, wie bei Reichsbürgern üblich, auf das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 berief und von der "BRD-Verwaltung" sprach. Bei der Durchsuchung seines Zuhauses entdeckten die Fahnder einen Teleskopstock, Schlagringe, Elektroschocker und diverse Messer. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 17. Juli, fortgesetzt.

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