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Borchen kämpft gegen mehr Anlagen: In Etteln und Dörenhagen müssen Investoren mit viel Gegenwind leben. - © Wilfried Hiegemann
Borchen kämpft gegen mehr Anlagen: In Etteln und Dörenhagen müssen Investoren mit viel Gegenwind leben. | © Wilfried Hiegemann

Borchen Windkraft: Der Kreis sagt für Borchen stürmische Zeiten vorher

Ursache ist der Streit um die Genehmigung einer Anlage in Etteln

Jens Reddeker
01.07.2019 | Stand 02.07.2019, 07:57 Uhr

Borchen. Am Montag erhielt Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen (SPD) einen Anruf von Landrat Manfred Müller (CDU). Der Chef der Kreisverwaltung gratulierte dem Rathauschef zum 60. Geburtstag. „Ein rein privates Gespräch", wie Allerdissen betont. Dabei hätten die Männer am Telefon auch genug Dienstliches bereden können – wie die Sache mit der umstrittenen Genehmigung für ein neues Windrad in Etteln. Die geht in eine neue Runde. Nachdem Allerdissen in der jüngsten Borchener Ratssitzung mitgeteilt hatte, dass er sich vom Kreis in einem Fax vom 17. Juni unter Druck gesetzt fühle, weil die Gemeinde ihr Einverständnis für einen gerichtlichen Vergleich erteilen solle, um die rechtliche Überprüfung des neuen Flächennutzungsplans (FNP) zu vermeiden, kam am Montag die Replik der Kreisverwaltung. Weil der neue FNP seit dem 25. Juni in Kraft ist, sei der Vergleichsvorschlag mittlerweile eh „vom Tisch", stellt der Kreis klar und bereitet die Gemeinde auf stürmische Zeiten vor. Es drohe nun, so heißt es in einer Presseerklärung, dass der erst am 11. Juni beschlossene und am 25. Juni in Kraft getretene Flächennutzungsplan durch ein Gerichtsurteil gekippt wird, falls das Verwaltungsgericht die Planung beanstandet. Dann wären Konzentrationsflächen für Windkraft hinfällig und es drohten weit mehr neue Anlagen. Das Gericht müsse nun, so heißt es aus dem Kreishaus, prüfen, ob der FNP dem Planungsvorhaben der Betreiber „entgegensteht". Kleines Übel oder Präzendenzfall? Ursprünglich wollte das Paderborner Unternehmen Westfalenwind vier Windräder in Etteln errichten. Diese hatte der Kreis im Januar 2018 mit Rücksicht auf den Rotmilan abgelehnt. Zwischenergebnis des Verfahrens war zuletzt der Vergleichsvorschlag. „Wir wollten der Gemeinde zu keiner Zeit drohen", widerspricht Kreis-Sprecherin Michaela Pitz gegenüber der NW der Wahrnehmung Allerdissens. „Uns ging es vor dem Inkrafttreten des Flächennutzungsplans darum, Borchen den Weg zum kleinsten Übel aufzuzeigen." Damit meint sie, dass nur unter Abschalt-Restriktionen ein Windrad gebaut worden wäre, der Investor die Klage für die anderen drei Anlagen aber fallengelassen hätte. Der Kompromiss kommt nicht in Frage Dieser Kompromiss kommt für Allerdissen und alle vier Ratsfraktionen (CDU, SPD, Grüne, Freie) nicht in Frage. Politik und Gemeinde stehen in Borchen geschlossen gegen eine Genehmigung, das soll auch die Sondersitzung des Bauausschusses am 10. Juli belegen. Der Bürgermeister sagt: „Wenn wir diese eine Anlage durchgehen lassen würden, käme bald der nächste Investor mit der gleichen Drohung." Den Wind-Investoren traut der Rathauschef nicht, auch die Aussicht auf Abschalt-Vorgaben können ihn nicht besänftigen: „Die Rotmilane werden doch schon durch den Lärm beim Bau einer Anlage verscheucht – und wenn die Tiere erstmal weg sind, werden neue Gutachten erstellt, die noch mehr Bauten möglich machen. Das erleben wir immer wieder."

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