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Bad Oeynhausen

"Wir sahen, wie die Bomben fielen"

Zeitzeugen: Hannelore Glahn (81) war Holz sammeln, als am 23. März 1945 die Weserbrücke bombardiert wurde

Nicole Sielermann
23.03.2015 | Stand 05.05.2015, 17:04 Uhr
Erinnerungen: Hannelore Glahn war mit der Mutter Holz sammeln, als ihr Heimatort Rehme bombardiert wurde. - © Foto: Peter Steinert
Erinnerungen: Hannelore Glahn war mit der Mutter Holz sammeln, als ihr Heimatort Rehme bombardiert wurde. | © Foto: Peter Steinert

Bad Oeynhausen. Mit dem Bollerwagen war die damals elfjährige Hannelore im Wiehengebirge Holz sammeln, als Ende März 1945 die Bomben auf Rehme fielen. "Die vielen Bombenkrater waren noch Jahre später bis zum Automuseum zu sehen", erinnert sich Hannelore Glahn.

"Mein Vater, der in Russland ein Bein verloren hatte und auf dem Wittekindshof im Lazarett war, kam sehr oft nach Hause in die Rehmer Siedlung", erinnert sich Hannelore Glahn. Die heute 83-Jährige erinnert sich noch, dass ihr Vater noch 1944 mit ihren beiden jüngeren Brüdern im Garten einen tiefer Bunker ausgehoben hatte. "Weil es ja laufend Bombenalarm gab."

Zerstört: Auch die Weserbrücke in Rehme wurde durch Bomben getroffen. - © Foto: Stadtarchiv
Zerstört: Auch die Weserbrücke in Rehme wurde durch Bomben getroffen. | © Foto: Stadtarchiv

Alles sei damals rationiert gewesen: Lebensmittel, Kohlen oder Holz. Es habe Bezugsscheine gegeben, mit denen man zum Beispiel im Wiehengebirge Holz sammeln durfte. So auch am 23. März 1945. "Meine Mutter und unsere Nachbarin hatten sich zum Holzsammeln verabredet. Morgens in aller Herrgottsfrühe ging es mit einem Bollerwagen durch Dehme ins Wiehengebirge."

Bombenalarm beim Holzsammeln

Mit dabei auch Hannelore und der Nachbarsjunge. "Auf meine drei jüngeren Geschwister und die fünf anderen Kinder der Nachbarin passte in der Zeit meine Tante auf", erinnert sich Hannelore Glahn. Im Berg wurden die Bollerwagen voll mit Ästen geladen. "Das war nicht einfach. Erst mussten zu beiden Seiten dickere Äste gesteckt, dazwischen Äste längs gelegt und mit Stricken gesichert werden."

Eigentlich waren die Vier nahezu fertig - als es Bombenalarm gab. "Wir haben vom Berg aus gesehen, wie die feindlichen Flugzeuge ihre Klappen öffneten, die Bomben über Rehme abwarfen und die Weserbrücke bombardierten."

Die beiden Mütter seien losgelaufen, den Berg hinunter, heim nach Rehme. "Der Nachbarsjunge und ich mussten bei den Bollerwagen bleiben, damit keiner das gesammelte Holz klaute." Erst am späten Nachmittag seien die Mütter zurückgekehrt. Mit einer guten Nachricht. "Unsere Häuser wurden nicht getroffen."

Blindgänger an der Weserbrücke

Lediglich die Tante sei einem Nervenzusammenbruch nahe gewesen. Sie hatte während des Angriffs mit acht Kindern im Bunker gesessen. "Sie hat nie wieder auf die Kinder aufgepasst", sagt Hannelore Glahn mit einem kleinen Schmunzeln.

Unter Mühen haben die vier Holzsammler die Bollerwagen durch Hohl- und Waldwege geschoben und gerissen. "Wir konnten von Glück sagen, dass dabei nicht noch eine Achse oder Deichsel brach."

Einen Tag später sei der Vater vom Wittekindshof nach Rehme gekommen. "Er fand immer einen Bauern, der ihn ein Stück mitnahm." Mit seinen Krücken sei er zur Weserbrücke gehüpft und habe sich angesehen, was dort alles zerstört worden sei. "Wir bekamen Verbot dort hinzugehen. Zum einen wegen der vielen toten jungen Flakhelfer, zum anderen wegen der nicht explodierten Bomben, den sogenannten Blindgängern."

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