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Symbolfoto: Schild "Waldbrandgefahr" an einem Baum. - © picture alliance / imageBROKER
Symbolfoto: Schild "Waldbrandgefahr" an einem Baum. | © picture alliance / imageBROKER

Pr. Oldendorf Waldbrandgefahr im Wiehengebirge: Konzert in Pr. Oldendorf wird verlegt

Das Börnighauser „Bergfest" fand dieses Mal im Tal statt. Die Bands und ein Blasorchester gaben unter freiem Himmel aber alles.

Michael Grundmeier
02.07.2019 | Stand 02.07.2019, 14:52 Uhr

Pr. Oldendorf-Börninghausen. Dass das Konzert nicht am Limberg-Turm gespielt werden konnte, hatte einen einfachen Grund. Die Gefahr eines Waldbrands ist viel zu hoch. Schon eine weggeworfene Kippe hätte eine Katastrophe auslösen können. Da war „Wir im Eggetal" als Veranstalter lieber auf Nummer sicher gegangen. Dabei war der Ortswechsel gar nicht weiter dramatisch, wie sich schnell herausstellte. Auch wenn der Wald natürlich eine besondere Magie hat – Husemeyers „Bansen" konnte durchaus mithalten. Ein Open-Air-Konzert auf einem Gehöft gibt es schließlich auch nicht alle Tage. „Mir gefällt es hier wirklich gut", meint beispielsweise Stefan Wahlmann, der auch beim Bergfest vor zwei Jahren gewesen ist. Dass er heute wieder dabei ist, liege an seiner Freundin. „Die hat mich hierher mitgenommen. Aber ich finde solche kleinen selbst organisierten Draußen-Konzerte ohnehin besser als die großen. Hier ist alles viel persönlicher und man unterstützt auch kleinere Bands." Der Bansen von Husemeyer gefällt ihm jedenfalls sehr gut. „Das Grundstück hier ist ideal für solche Konzerte. Auch wenn es oben am Berg heute sicher etwas kühler ist – hier kann man unbesorgt feiern." »Kleine Open-Air-Konzerte besser als große« Noch wichtiger als die Location ist an diesem Abend – die Mucke. Drei Bands und ein Blasorchester sorgten für die entsprechende Geräuschkulisse, den Anfang machte dabei in schönster Wacken-Tradition das Blasorchester Holzhausen. Pop trifft Posaune: So könnte man den Auftritt der Bläser wohl am besten umschreiben. Ein toller Einstand. Die Zuhörer sind begeistert. Danach legen „Travelin’ Waters", die Sieger des Börninghauser Bandwettbewerbs, den Schalter um in Richtung Rock. Angesiedelt irgendwo zwischen „Black Sabbath" und „Graveyard" hat diese Band einen ganz eigenen Stil kreiert. Ein wuchtiger Bass, herrlich rockige Drums, und fast schon psychedelisch verzerrte Riffs geben ihrer Musik eine ganz eigene Note. Die vier segeln zwar unter der Flagge des Bluesrocks, erweitern das Schema aber kräftig. Songs wie „The Fear" oder „Down on the Ground" geben der Gitarre viel Raum für Experimente – sogar Jimi Hendrix scheint ab und an Pate zu stehen. Ein wirklich innovativer Sound, der altem „Shoegaze" ein ganz neues und frisches Gesicht gibt. Richtig gut auch die Zugabe „Paranoid" von „Black Sabbath". Mit viel Bass und einem rumpelnden Schlagzeug. Herrlich. Apropos Bass: Ein großes Lob hatte sich an diesem Abend vor allem Philipp Eberhard verdient, der trotz eines lädierten Beines ordentlich Druck machte. Mit Petticoat Schlaghosen und Brillantine im Haar Aber auch die beiden Hauptacts des Börninghauser Open-Air-Konzertes ließen nichts anbrennen. Zunächst die „Cone Brothers" mit einem soliden 50er-Jahre-Rock-und-Rockabilly, der sofort ins Blut ging. Die Band legte sich richtig ins Zeug, spielte Songs von Elvis Presley, Eddie Cochran, Buddy Holly und den Everly Brothers. Diesmal waren nur drei Brüder an Bord, der vierte war bei einer Feier, weshalb die Band ein Selfie mit Publikum aufnahm, „damit er sieht, wie geil es hier ist". Und tatsächlich: Bei den „Cones" ging so richtig die Post ab. Die Gäste strömten auf die Tanzfläche, manche im Petticoat, andere mit Schlaghosen und Brillantine im Haar. „Wir sind extra aus Bielefeld hierhergekommen, weil wir die Band kennen und ihre Musik toll finden", erklärte Jennifer Kruse, die zusammen mit ihrem Mann nach Börninghausen gekommen war. Die beiden lieben den 50er-Jahre- Rock, „wir mögen die ganze Zeitepoche, haben danach sogar unsere Wohnung eingerichtet", sagen sie. Was ihnen daran gefällt? „Zum einen natürlich die Musik, aber auch die ganze Kultur. Die 50er-Jahre waren eine Aufbruchszeit, in der die Jugend aufbegehrt hat. Ich ziehe mich aber auch einfach gerne so an, ich mag die Kleider, die es damals gab." Der wahre Star war in diesem Jahr das Publikum Noch eine Schippe drauf legten die Jungs von „Teaser", die ein bisschen an „Mötley Crue" erinnern. Richtig harter Hardrock, der einem die Faust in den Bauch schlägt. Dabei aber durchaus auch melodisch, mit mehrstimmigen Gesang und tollen Arrangements. Den Fans gefiel’s – und allen anderen auch. „Teaser" heizte seinem Publikum richtig gut ein. Fazit: Ein tolles Freiluftkonzert mit richtig guten Bands. Hoffentlich geht es 2021 mit der vierten Auflage weiter. Der wahre Star war in diesem Jahr aber das Publikum. So eine geniale Stimmung gibt es nicht überall.

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