Marlon Simon (Mitte), Leiter der örtlichen Verkehrsbehörde, kennt die Problemzonen der Stadt für Radler - © Christian Geisler
Marlon Simon (Mitte), Leiter der örtlichen Verkehrsbehörde, kennt die Problemzonen der Stadt für Radler | © Christian Geisler

Lübbecke Wie gefährlich ist die Blase-Kreuzung in Lübbecke für Fahrradfahrer?

Der ADFC Minden-Lübbecke kritisiert, dass die Radler von der B 239 auf die Gehwege geschickt werden. Jetzt wehrt sich die Stadt gegen die Vorwürfe.

Frank Hartmann
12.07.2019 | Stand 12.07.2019, 14:42 Uhr

Lübbecke. Wenn Burkhard Witte, Kreisvorsitzender Minden-Lübbecke des Allgemeiner Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), über die Blase-Kreuzung in Lübbecke spricht, kommt er schnell in Fahrt. Wittes Ärger, die Erfahrungen seines Lübbecker Tourenführers Bernd Wiegmann sowie des früheren Lübbecker Polizisten Jürgen Rohleder sind in die aktuelle Ausgabe der ADFC-Halbjahresbroschüre eingeflossen. In der widmen die Radfahrexperten der Blase-Kreuzung ganze drei Seiten und fragen: „Warum schickt die Stadt die Radfahrenden an der Kreuzung Berliner Straße (B 239)/Niederwall/Gehlenbecker Straße neuerdings auf bisherige Gehwege?" Ob das nicht eine „Verschlimmbesserung" sei: „Was hat sich Lübbecke dabei gedacht?" Antworten darauf hat der Leiter der örtlichen Verkehrsbehörde, Marlon Simon: Die aktuelle Situation im Bereich der Blase-Kreuzung beziehungsweise der Kreuzung B 239/Hardenbergstraße sei das Ergebnis einer Radverkehrsschau im Oktober letzten Jahres. Vertreter der örtlichen Verkehrsbehörde und des Tiefbauamts der Stadt Lübbecke, der Polizei, des Kreis-Straßenverkehrs- sowie des Kreis-Straßenbauamts, des Landesbetriebs Straßenbau NRW und der Bezirksregierung hätten die Kreuzungsbereiche gemeinsam mit Fahrrädern befahren und sich auf Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit verständigt. So gut wie keine Radfahrer nutzen die Fahrbahn der B 239 Anders als von Witte dargestellt, hätten die beteiligten Fachleute durchaus eine „besondere Gefahrenlage" gesehen, die die Trennung von Kraft- und Radverkehr erforderlich mache. Simon: „Wegen des allgemein hohen Verkehrsaufkommens auf der B 239 und des hohen Schwerlastanteils haben nach unserer Erfahrung so gut wie keine Radfahrer die Fahrbahn der B 239 genutzt. Insofern setzt die aktuelle Beschilderung nur um, was ohnehin Praxis war." Das bestätigt Bernd Wiegmann: „Ich fahre die B 239 auch nicht runter." Besser wäre aus seiner Sicht, Radfahrern „Umleitungsstrecken" anzubieten. Aber dann bitte solche, die nicht holprig sind und nicht in Sackgassen enden, damit Radfahrer sich schnell eine geeignete Nebenstrecke aussuchen könnten. Ein positives Zeichen sei schon mal, dass Einbahnstraßen für Radfahrer „geöffnet" worden seien. Verwirrende Kennzeichnung, verdeckte Hinweisschilder Angesichts zahlreicher Mängel an der Blase-Kreuzung für Radfahrer wie fehlende oder verwirrende Kennzeichnung und durch Blätter verdeckte Hinweisschilder besteht auch Witte nicht darauf, Radler auf der Berliner Straße zu lassen: „Aber wenn ich sie auf die Bürgersteige hole, muss ich das gut vorbereiten." Das ist offenbar geplant. So räumt Marlon Simon ein, „dass die beschlossenen Maßnahmen noch nicht vollständig umgesetzt sind." Es fehle etwa an der Kreuzung B 239/Har-denbergstraße tatsächlich noch die Markierung einer Radfahrerfurt. Die soll erfolgen, wenn die Arbeiten an den derzeit im Bau befindlichen Gewerbeansiedlungen neben der Jet-Tankstelle abgeschlossen sind. So werde die Anlage „optimal auf die dort neu entstehenden Zufahrtsverkehre abgestimmt, um den größtmöglichen Zugewinn an Sicherheit für den Radverkehr zu erzielen". Alle Beteiligten der Radverkehrsschau seien im Übrigen davon überzeugt, dass nach vollständiger Umsetzung der Beschlüsse die Verkehrssituation für Radfahrer „eindeutiger und sicherer sein wird als zuvor". Stadt ist auf Mitwirkung von Straßen NRW angewiesen Zur personellen Besetzung der Radverkehrsschau hat der ADFC-Vorsitzende eine eigene Meinung: „In Minden und Porta Westfalica werden wir eingeladen, in Lübbecke nicht." Das sei zwar kein Muss, aber man würde sich gern einbringen. So wie in Pr. Oldendorf, als es um das Schottern von Feldwegen gegangen sei. Witte: „Wir reden ja nicht alles kaputt, sondern machen konstruktive Vorschläge." Ob beim nächsten Mal eine Einladung erfolgt, ist offen. Eine optimale Lösung im Sinne des Radverkehrs, ist Marlon Simon sicher, werde ohne umfassende bauliche Maßnahmen ohnehin nicht zu erreichen sein: „Das betrifft sämtliche zentrale Ortsdurchfahrten im Stadtgebiet." Weil es sich um Bundesstraßen handele, könne die Stadt jedoch nicht in alleiniger Verantwortung tätig werden: „Sie ist auf die Mitwirkung und Investitionsbereitschaft von Straßen NRW angewiesen."

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