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Der alte Plan: Nach den jüngsten Überlegungen - und Vorgaben des Landes-Umweltministeriums - soll auf den Überlaufkanal (links) verzichtet werden. - © Ingenieurbüro Klein
Der alte Plan: Nach den jüngsten Überlegungen - und Vorgaben des Landes-Umweltministeriums - soll auf den Überlaufkanal (links) verzichtet werden. | © Ingenieurbüro Klein

Bad Oeynhausen Werre-Umbau: Neuer Plan sieht keinen Überlauf-Kanal für Hochwasser vor

Nach einem Gespräch mit dem Umweltministerium soll möglichst auf den Hochwasserkanal im Siel verzichtet werden. Dazu aber muss der Fluss breiter werden.

Jörg Stuke
11.09.2019 | Stand 11.09.2019, 19:59 Uhr

Bad Oeynhausen/Löhne. Beim Umbau von Werre und Sielwehr sollte so wenig wie möglich auf technische Bauwerke gesetzt werden: Diesen deutlichen Wunsch des NRW-Umweltministeriums hörten die Planer aus Bad Oeynhausen und Löhne in der vergangenen Woche bei einem ausführlichen Abstimmungsgespräch mit den Gästen aus Düsseldorf. Die immerhin wesentliche Geldgeber für das Projekt sein sollen. Die Städte hoffen auf 80 Prozent Fördermittel vom Land. Der Wunsch hat Folgen: Ein bislang im Siel geplanter Entlastungskanal für Hochwasser soll entfallen. Stattdessen soll die Werre an dieser Stelle breiter und die neue geplante Sielbrücke länger werden. Die neuen Pläne wurden am Dienstag im Umweltausschuss der Stadt Bad Oeynhausen vorgestellt. "Ich hoffe, dass wir den Knoten nun durchgeschlagen haben", sagte Eckhard Nolting, Biologe und Gewässerfachmann der Stadt Bad Oeynhausen, mit Blick auf das Gespräch mit dem Ministerium. Aus den alten Planungen bleibt die Absenkung der Stauhöhe am Sielwehr um 80 Zentimeter. Das Wehr soll abgerissen werden. Hier soll eine "raue Gleite" angelegt werden, ein relativ steiler Flussabschnitt, der mit Steinen bestückt wird, um die das Wasser fließt. Gleichzeitig soll die Sohle der Werre angehoben werden, um ein zu starkes Absacken des Grundwasserpegels zu verhindern. Der Kanal war eigentlich für ein Wasserkraftwerk geplant Daneben, auf der Südseite der Gleite, war aber bislang noch eine Art Kanal geplant. Ursprünglich sollte der ein Wasserkraftwerk speisen, das aber Ende 2016 aus dem Projekt gestrichen wurde. Der Kanal blieb, wenn auch in verkürzter Form, den Planungen erhalten. 100 Meter lang und 30 Meter breit sollte dieses Bauwerk werden. Und dafür sorgen, dass auch bei einem Hochwasser, wie es statistisch alle 100 Jahre vorkommt, noch genug Wasser die Werre runter Richtung Weser fließen kann. 420 Kubikmeter Wasser müssen bei solch einem Jahrhunderthochwasser die Werre hinabfließen können - pro Sekunde. Grundsätzlich sei das auch ohne den Entlastungskanal möglich, erklärte Nolting den Ausschussmitgliedern. Unter anderem auch deswegen, weil durch veränderte Steuerungsmöglichkeiten am Sperrwerk in Löhne dort mehr Wasser zurückgehalten werden kann als bislang angenommen. In dem Rückhaltebecken finden 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser Platz. Geflutet wurde es bislang noch nicht. Auch über den Kokturkanal soll bei Hochwasser künftig mehr Wasser ablaufen als bisher. Neue Sielbrücke müsste verlängert werden Aufwendig und teuer wäre dieser "Überlauf". "Wir würden 1,6 Millionen Euro sparen, wenn wir auf das Bauwerk verzichten könnten", sagte Nolting. Dazu kämen nicht unerhebliche Unterhaltungskosten. Im Gegenzug aber wären andere Maßnahmen notwendig. So müsste die Werre im Sielbereich verbreitert werden, von jetzt 80 auf dann 100 Meter, erläuterte Nolting der NW. Dazu müsste zum Beispiel auf der Nordseite, gen Werste, Boden abgetragen werden, um der Werre hier mehr Spielraum bei Hochwasser einzuräumen. Und dadurch müsste dann auch der geplante Neubau der Sielbrücke etwa zehn Meter länger werden, wodurch mit zehn Prozent mehr Baukosten zu rechnen sei, schätzt Nolting. Auch an anderen Stellen müsste der Werre wohl mehr Platz verschafft werden. Auch auf der Flussstrecke zwischen Löhne und Bad Oeynhausen soll der Fluss deutlich in die Breite gehen, sich zum Teil sogar dort ausbreiten, wo jetzt Deiche stehen. "Deiche werden wir nicht mehr brauchen", kündigt Nolting an. Nur einige wenige Gebäude - darunter auch die Lauben am Werreufer in Werste, müssten dann womöglich durch Einzelmaßnahmen vor Hochwasser geschützt werden. "Wir sind da jetzt beim Feintuning", sagte der Biologe. Ein bis zwei Jahre Bauzeit für den ersten Abschnitt Er hoffe, dass 2021 das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen und die Aufträge vergeben werden können, so Nolting auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden Volker Brand (Grüne). "Dann könnten wir 2022 mit der Umsetzung beginnen." Nolting rechnet mit einer Bauzeit von ein bis zwei Jahren für den ersten Bauabschnitt. Der umfasst den Abbau des Sielwehrs und den Ausbau der Werre bis zum Weserknick, westlich des Sportplatzes Werste, sowie die Gestaltung der Auenlandschaft unterhalb des jetzigen Sielwehrs bis zur Einmündung des Kaarbachs. Erst danach werde der wesentliche Teil des Flussumbaus auf Löhner Gebiet folgen, kündigte Nolting an. „In Löhne muss noch Grund erworben werden. In Bad Oeynhausen sind alle notwendigen Flächen in öffentlicher Hand." Für Wolfgang Klein, der das Projekt im Auftrag der Städte plant, sieht in den neuen Plänen einen „Quantensprung". „Das klingt doch wenigstens nach Bewegung", sagte Volker Brand. Der Ausschuss nahm die neuen Pläne widerspruchslos zur Kenntnis.

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