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Der Jüdischer Friedhof in Warburg zeugt mit seinen rund 300 Grabmalen davon, dass Menschen jüdischen Glaubens einmal fest zur Hansestadt gehörten. Foto: Simone Flörke - © Simone Flörke
Der Jüdischer Friedhof in Warburg zeugt mit seinen rund 300 Grabmalen davon, dass Menschen jüdischen Glaubens einmal fest zur Hansestadt gehörten. Foto: Simone Flörke | © Simone Flörke

Warburg Veranstaltungsreihe: Dem Antisemitismus in Warburg auf der Spur

Integrationsagentur und Diakonie laden zu mehreren Terminen ein. Neben der Vergangenheit sollen auch aktuelle Formen der Judenfeindlichkeit thematisiert werden.

10.03.2022 | Stand 10.03.2022, 11:40 Uhr

Warburg/Volkmarsen. Die Integrationsagentur und die Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit der Diakonie Paderborn-Höxter bieten im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus ein breites Angebot aus Vorträgen, Workshops und einen Podcast an. Das teilt die Diakonie jetzt mit.

In Warburg und Volkmarsen wird demzufolge eine mehrteilige Veranstaltungsreihe zur Geschichte des Antijudaismus und Antisemitismus durchgeführt. „Schwerpunkte werden dabei Bezüge zu regionalen Spuren in und um Warburg sowie aktuelle Formen des Antisemitismus sein“, wie es heißt. Die Teilnahme an mehr als einer dieser Veranstaltungen sei möglich. Allerdings könne es teilweise zu inhaltlichen Überschneidungen kommen. Die allerdings ermöglichten Perspektivwechsel.

Zudem werde ein Podcast veröffentlicht. In dem Audioformat werden die Aufgaben der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit vorgestellt. Wie genau sieht die Arbeit aus? Was ist die Zielsetzung? Um welche Probleme kümmert sie sich? Diese und weitere Fragen werden Thema des Podcasts sein und, so verspricht es die Diakonie, einen spannenden Einblick in die praktische Arbeit der Servicestelle gewähren.

Geschichte des Antisemitismus

Am Donnerstag, 17. März, wird um 17 Uhr ein Vortrag zur Geschichte von Antijudaismus und Antisemitismus im Gustav-Hüneberg-Haus am Steinweg 24 in Volkmarsen mit anschließendem Ausklang in der Mikwe angeboten. Referent ist Micha Neumann, Sozialpädagoge und bei "ADIRA", einer Beratungsstelle für Betroffene von Antisemitismus bei der Jüdischen Gemeinde Dortmund. Antisemitismus hat eine lange Geschichte. Seine Wurzeln finden sich vor allem in den religiösen Ablehnungen des Judentums durch das Christentum, sodass sich ab der Antike ein christlicher Antijudaismus entwickelte, der verschiedene Vorwürfe auf Menschen jüdischen Glaubens übertrug.

In den darauffolgenden Jahrhunderten kamen weitere neue Aspekte religiös motivierter Judenfeindschaft vor dem Hintergrund sozialer, wirtschaftlicher und religiös-kultureller Veränderungen der christlich-mittelalterlichen Gesellschaft hinzu. Doch als abgeschlossen kann dieses Kapitel nicht betrachtet werden: Denn auch im modernen Antisemitismus leben die Bilder des Antijudaismus in aktualisierter Form weiter. Ebenso ist das Erbe der christlichen Judenfeindschaft an vielen Stellen auch plastisch noch sichtbar. In dem Vortrag werden zentrale Motive des christlichen Antijudaismus vorgestellt und ihre Kontinuitäten bis in die Gegenwart dargestellt. Anschließend kann über den Umgang mit antijüdischen Darstellungen diskutiert werden.

Dirk Damm von der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit. - © Dieter Scholz
Dirk Damm von der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit. | © Dieter Scholz

Gastgeber ist der Arbeitskreis Rückblende – Gegen das Vergessen in Volkmarsen. Im Anschluss an den Vortrag ist ein Ausklang in der Mikwe geplant.

Spuren von Antisemitismus

Welche Spuren hat der Antisemitismus in und um Warburg herum hinterlassen? Antwort soll eine Veranstaltung geben: Los geht es am Freitag, 18. März, um 17 Uhr im Corvinus-Haus, Sternstraße 19 in Warburg.

Wer will, findet schnell Spuren von Antijudaismus und Antisemitismus aus verschiedenen Epochen. Das gilt auch für Warburg und die Region um Warburg herum. Mindestens zwei Beispiele sind fußläufig in wenigen Minuten vom Corvinus-Haus zu erreichen, versichern die Veranstalter. Es geht darum diese Spuren zu betrachten und gemeinsam in ein Gespräch zu kommen, wie heute damit umzugehen ist. Diese Veranstaltung sei für Menschen mit Schwierigkeiten beim Gehen aufgrund des relativ steilen Weges zwischen der Unter- und der Oberstadt möglicherweise nicht oder nur eingeschränkt geeignet, heißt es von der Diakonie.

Jüdisches Leben im ländlichen Raum

Eine Ausstellung beleuchtet das jüdische Leben im ländlichen Raum. Und zwar am Beispiel des Gustav-Hünerberg-Hauses, Steinweg 24, in Volkmarsen, das auch Veranstaltungsort sein wird. Beginn ist am Freitag, 18. März, um 19 Uhr.

Die Ausstellung über jüdisches Leben im ländlichen Raum des Arbeitskreises Rückblende – Gegen das Vergessen in Volkmarsen biete einen guten Einblick in die Geschichte jüdischen Lebens im ländlichen Raum. Bei der Führung durch die Ausstellung können die Teilnehmer auch miteinander ins Gespräch kommen.

Gedenkgang entlang der Stolpersteine

Interessierte sind eingeladen, an einem Gedenkgang am Samstag, 19. März, um 17 Uhr teilzunehmen. Treffpunkt ist der Jüdische Friedhof in Warburg. Die Veranstaltung wird rund zwei Stunden dauern.

Heute gehört der jüdische Friedhof Warburg mit seinen knapp 300 Grabsteinen zu den bedeutendsten Anlagen seiner Art in Westfalen. Trotz der Verwüstungen hat sich eine große Anzahl historischer Grabmale erhalten, die eine nachhaltige Erinnerung an die jahrhundertelange Teilhabe jüdischer Familien in der Geschichte Warburgs bieten. „Von dort aus wollen wir gemeinsam mit Ruth Kröger-Bierhoff von der Stolperstein-Initiative Warburg die hier verlegten Stolpersteine abgehen und dabei an jene Menschen erinnern, für die diese Steine verlegt wurden“, heißt es von den Veranstaltern.

Wanderausstellung in der Kirche

Die Wanderausstellung „Heimat ist Vielfalt“ lockt Interessierte ab Sonntag, 13. März, in die Evangelische Kirche Maria im Weinberg in Warburg.

Zusätzlich zu der beschriebenen Angebotsreihe lädt die Diakonie Paderborn-Höxter gemeinsam mit der Evangelischen Gemeinde Altkreis Warburg dazu ein, die Wanderausstellung „Heimat ist Vielfalt“ zu besuchen. Oftmals wird mit dem Begriff Heimat eine Sehnsucht oder ein Gefühl assoziiert, das ganz individuell sein kann. Heimat ist kein bestimmter Ort, sondern wird vielmehr mit persönlichen und individuellen Werten und Gefühlen verbunden. Gemeinsam mit den Vereinen Cheezze und Labori hatte die Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit der Caritas in Paderborn die Ausstellung erstmalig in Paderborn gezeigt. Die gezeigten Fotografien eigneten sich, um sich mit dem eigenen Heimatbegriff neu auseinanderzusetzen und darüber ins Gespräch zu kommen. „Vielleicht inspiriert diese Ausstellung auch Menschen in Warburg, sich selbst fotografisch mit ihrem eigenen Heimatbild zu befassen“, hoffen die Veranstalter.

Anmeldung und weitere Informationen

Alle Veranstaltungen werden, so heißt es, gemäß der aktuellen Coronaschutzverordnung durchgeführt. Deshalb sei eine Anmeldung notwendig. Diese kann bei Dirk Damm von der Diakonie unter Tel. (0 56 41) 78 88 17, oder per E-Mail an damm@diakonie-pbhx.de durchgeführt werden.

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