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Reinhard Maas und Projektmanagerin
Inka Otto präsentieren die Maas-Kleidung, die ohne Plastikverpackung
in den Laden kommt. - © Andreas Frücht
Reinhard Maas und Projektmanagerin
Inka Otto präsentieren die Maas-Kleidung, die ohne Plastikverpackung
in den Laden kommt. | © Andreas Frücht

Gütersloh Warum Maas Natur aus Gütersloh den "Grünen Knopf" nicht haben will

Ausgerechnet einer der führenden Anbieter von ökologisch produzierter Kleidung lehnt das neue Nachhaltigkeitssiegel ab. Ein richtiges Gesetz wäre aus Sicht des Inhabers konsequenter.

Nicole Hille-Priebe
11.09.2019 | Stand 12.09.2019, 08:58 Uhr

Gütersloh. "Ökologische und soziale Verantwortung - das sind die Grundlagen für all unsere Entscheidungen", beschreibt Reinhard Maas den Kern seines unternehmerischen Selbstverständnisses. Da müsste ihm die Einführung eines staatlichen Siegels für nachhaltige Textilproduktion, die die Bundesregierung am Montag mit dem "Grünen Knopf" vorgestellt hat, doch eigentlich recht kommen - aber der Name Maas Natur fehlt in der Reihe der Hersteller, die bei dem neuen Label mitmachen. Nw.de hat den Gütersloher Unternehmer nach den Gründen für seine ablehnende Haltung gefragt. "Das geht mir einfach nicht weit genug. Denn wenn man zu viele unter das Dach holen will, kann man die Regeln nicht wirklich eng machen und das ist beim Grünen Knopf geschehen. Außerdem beruht es auf Freiwilligkeit. Ein echtes Gesetz wäre aber besser, damit würde man viel mehr erreichen", sagt Maas, der seine hohen Ansprüche an Rohstoffe, Produktion und Arbeitsbedingungen nicht erfüllt sieht. "Es muss zum Beispiel keine Öko-Baumwolle verarbeitet werden. Außerdem verpflichten sich die beteiligten Unternehmen nicht zum Mindestlohn - das muss ich nicht haben." "Wir produzieren nicht in Billiglohnländern" Die Folge der niedrigen Standards: Während die Discounterklamotten von Lidl, Aldi oder Tchibo künftig das Label tragen, machen echte Öko-Unternehmen nicht mit. "Wenn der Grüne Knopf an meinen Produkten hängt und im Discounter, sieht der Kunde den Unterschied nicht mehr", erklärt Maas, der in diesem Frühjahr gemeinsam mit Studierenden der Fachhochschule Bielefeld eine erste Gemeinwohl-Bilanz vorgelegt hat. "Wir stellen an Produktion und Verarbeitung sehr hohe Ansprüche, von der ersten Faser bis zum Vertrieb. So produzieren wir nicht in Billiglohnländern und sind regelmäßig vor Ort, um zu wissen, wie die Bedingungen sind." Der Ansatz der Gemeinwohl-Bilanz unterscheidet sich von gewöhnlichen Zertifizierungssystemen für Unternehmen – etwa Fairtrade, dem EU-Biosiegel oder jetzt dem Grünen Knopf. „Das Ganze stützt sich auf vier Säulen: Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung", sagte Maas bei der Vorstellung des Projekts im April. In diese Richtung zielt auch seine aktuelle Kritik: "Während bei Lebensmitteln viel kontrolliert wird, lässt man in der Textilindustrie alles über die Grenze." Umso wichtiger werde die Selbstverpflichtung. Es begann mit der Windelsuche für die eigenen Kinder Ein Konzept, das laut eigener Aussage mit der Windelsuche für seine eigenen Kinder begann und auch noch Jahrzehnte später trägt. 1985 gründete er gemeinsam mit seiner Frau die Maas Naturwaren GmbH. Und während sich andere Unternehmen der Textilbranche in OWL in wirtschaftlichen Turbulenzen befinden, meldet das Familienunternehmen Umsatzzuwächse von 40 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Reinhard Maas gab den aktuellen Umsatz im April mit 18 Millionen Euro an. Das Unternehmen hat 190 Mitarbeiter und eröffnete mit einer Filiale in Freiburg in diesem Jahr das zwölfte Ladengeschäft. Statt dem Grünen Knopf unterstützt das Unternehmen lieber Projekte wie "Entrepreneurs For Future", einer Wirtschaftsinitiative von mehr als 2.500 Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen, die sich für den Klimaschutz einsetzen und die Fridays For Future-Bewegung aktiv unterstützen. Zum globalen Klimastreik am 20. September hat der Unternehmer seine Mitarbeiter freigestellt, damit sie sich an den Demonstrationen beteiligen können: "Wir machen die Firma komplett zu. Es gibt viele Leute, die uns das als PR-Masche vorwerfen - das wäre aber eine ziemlich teure PR." Wer selbst einmal einen Blick in das heimische Unternehmen werfen will, hat im Rahmen der "Fairen Woche" der Stadt Gütersloh am Donnerstag, 26. September, die Gelegenheit zu einer Betriebsbesichtigung. Anmeldung bis zum 12. September beim Evangelischen Kirchenkreis, carina.voelker@kk-ekvw.de, Tel. (05241) 23485127.

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