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Der "Grüne Knopf" soll als Siegel eine staatliche Garantie für fair hergestellte Textilien geben. - © picture alliance/dpa
Der "Grüne Knopf" soll als Siegel eine staatliche Garantie für fair hergestellte Textilien geben. | © picture alliance/dpa

Startschuss Was Verbraucher über das neue Textilsiegel "Grüner Knopf" wissen müssen

Bevor das Siegel am Dienstag in den Handel kommt, die wichtigsten Fragen und Antworten vorab.

Tim Szent-Ivanyi
09.09.2019 | Stand 11.09.2019, 12:50 Uhr

Berlin. Ab Dienstag sind sie im Handel – online und vor Ort in den Geschäften: Textilien mit dem neuen Siegel „Grüner Knopf". Es soll nach dem Willen von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) den Verbrauchern auf den ersten Blick zeigen, welche Kleidung sozial und ökologisch hergestellt wurde. Kann das funktionieren? Was ist der Grüne Knopf? Er ist das erste staatliche Siegel für Textilien. Rechtlich gesehen handelt es sich um eine sogenannte Gewährleistungsmarke, die beim Deutschen Patentamt eingetragen wurde. Bei einer derartigen Marke übernimmt der Inhaber – in diesem Fall das Entwicklungsministerium – die Gewähr für bestimmte Eigenschaften der Waren. Beim "Grünen Knopf" geht es um die Einhaltung von ökologischen und sozialen Standards bei der Produktion. Das Siegel können alle Textilien erhalten: Von Kleidung über Taschen, Gardinen, Bettwäsche bis zu Stoffwindeln oder Rucksäcken. Welche Kriterien müssen erfüllt werden? Damit ein Produkt den "Grünen Knopf" erhält, muss zunächst der Hersteller anhand von 20 Kriterien nachweisen, dass er seine sogenannten Sorgfaltspflichten erfüllt. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob das Unternehmen als Ganzes transparent agiert, seine Vorlieferanten kontrolliert, Beschwerden der Näherinnen aufnimmt und Missstände abstellt. Das Produkt selbst muss 26 soziale und ökologische Anforderungen erfüllen. Es dürfen zum Beispiel weder gefährliche Chemikalien noch Weichmacher zum Einsatz kommen, das Abwasser muss bestimmte Grenzwerte einhalten. Die sozialen Kriterien fordern unter anderem das Verbot von Kinder- sowie Zwangsarbeit. Wer kontrolliert die Einhaltung der Kriterien? Die Überwachung übernehmen unabhängige Prüforganisationen wie der TÜV. Als „Prüfer der Prüfer" agiert die staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle. Die Unternehmen können als Nachweis allerdings auch bereits verwendete Siegel vorlegen. Akzeptiert werden anspruchsvolle Textilsiegel, etwa GOTS (Global Organic Textile Standard) oder Fairwear Foundation. Deshalb wird der "Grüne Knopf" auch als Metasiegel bezeichnet. Welche Unternehmen machen mit? Bisher sind 27 Unternehmen geprüft. Dabei sind zum Beispiel die großen Einzelhandelsketten Aldi, Lidl, Rewe und Tchibo sowie diverse Hersteller wie Hessnatur, Trigema oder VAUDE. Was taugt das Siegel? Nach den Vorstellungen von Entwicklungsminister Müller soll der "Grüne Knopf" mehr Klarheit für die Verbraucher im bisherigen Siegeldschungel bringen. Es gibt allerdings eine Reihe von problematischen Punkten: In der Einführungsphase werden die Kriterien nur bei zwei Produktionsschritten angewendet, beim Färben und Bleichen sowie beim Zuschneiden und Nähen. Die Arbeitsbedingungen und der Einsatz von Pestiziden auf den Baumwollfeldern bleiben also zunächst unberücksichtigt. Das GOTS-Siegel ist hier weitergehender. Bei den Arbeitsrechten sind alle Referenzsiegel relativ schwach. Das wird durch den "Grünen Knopf" nicht viel besser: Gefordert wird nur, dass Mindestlöhne gezahlt werden. Doch diese reichen fast nie zum Leben. Was bringt das neue Siegel den Verbrauchern? Der "Grüne Knopf" schafft auf alle Fälle mehr Orientierung im gegenwärtigen Dschungel aus unzähligen NGO- und Unternehmenssiegeln, dessen Kriterien kaum jemand kennt. Trägt ein Kleidungsstück zu Recht den "Grünen Knopf", kann sich der Käufer darauf verlassen, dass zumindest grundlegende ökologische und soziale Standards eingehalten werden. Anspruchsvolle Verbraucher, die vor allem Wert auf den Umweltschutz legen, sollten aber auf weitere Siegel an den Textilien achten. Klar ist: Der "Grüne Knopf" steht und fällt mit der Einhaltung der zugesagten Öko- und Sozialstandards. Es wird also ganz entschieden darauf ankommen, ob die Kontrolle richtig funktioniert. Das werden erst die nächsten Monate zeigen. Die Verbraucher sollten dem Siegel aber eine Chance geben.

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