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Erste im Stadtgebiet: Der Gütersloher Postdamm wird Fahrradstraße. - © Andreas Frücht
Erste im Stadtgebiet: Der Gütersloher Postdamm wird Fahrradstraße. | © Andreas Frücht

Gütersloh Kommentar zur Fahrradstraße: "Beschilderung, die an Dummheit nicht zu übertreffen ist"

NW-Leser Hans Georg Baumeister aus Gütersloh reagiert mit seinem Leserbrief auf den Artikel "Freie Fahrt für freie Bürger". Für den Begriff der Fahrradstraße hat er kein Verständnis.

14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 15:28 Uhr

Gütersloh. Der Postdamm ist eine wunderschöne Verbindung zwischen Gütersloh und Isselhorst, die von vielen Radfahrern genutzt wird und eigentlich durch ein Stück fast unberührter Natur führt. Die Fahrbahndecke ist eben und die Fahrt ist im Gegensatz zu den meisten Fahrradwegen in Gütersloh und Umgebung nicht mit einem dem Rodeo-Ritt ähnlichen Erlebnis verbunden. Es ist erstaunlich, wie die Stadtverwaltung diese wunderbare Freizeitstrecke, die bisher ein reibungsloses Miteinander von Radfahrern und Automobilisten ermöglicht hat, im Laufe der Zeit mit hohem finanzielle Aufwand langsam aber sicher vollmüllt. Zunächst mit Aufpflasterungen, die dem Radfahrer seitlich einen Streifen von 20 Zentimetern belassen, den er alle paar Meter treffen muss, ohne Gefahr zu laufen, im hohen Bogen vom Gefährt zu fliegen oder zumindest einen Bandscheibenvorfall zu riskieren. Dann werden Schilder und Warnbaken aufgestellt, von gruseligen Betonklötzen eingerahmt, und zum Schluss wird die Straße mit großflächigen Piktogrammen bemalt. Von den geschätzten 20 völlig unnötigen Schildern, die zudem in ihrer Aussage an Dummheit nicht zu übertreffen sind, ganz zu schweigen. Hätten die Damen und Herren der Verwaltung nicht besser daran getan, statt an einem Freitagmorgen in der Gegend herum zu radeln und sich ob ihrer tollen Ideen ablichten zu lassen, an ihren Arbeitsplätzen Pläne zu entwickeln, wie man mit dem hier unsinnig verschleuderten Geld marode Fahrradwege wenigstens einigermaßen fahrradtauglich herrichten kann. Bedarf gibt es in Gütersloh reichlich. Für mich als Fahrradfahrer ist jede Straße eine Fahrradstraße. Ich habe nicht gehört, dass die Autofahrer diese bezahlt oder für sich gepachtet hätten? Ich fahre selbstverständlich auf der Fahrbahn, wenn die ausgewiesenen Radwege mir das Fahren dort unmöglich machen. Aber da hat inzwischen bei der Verwaltung schon ein Umdenken eingesetzt und man fordert den Autofahrer flehentlich auf, dem Radfahrer doch gnädigst 1,5 Meter auf der Fahrbahn zu gewähren. Auch hier Schilder, Straßenbemalung usw., ohne auch nur ansatzweise das eigentliche Problem, nämlich den unhaltbaren Zustand der Radwege, zu beseitigen. Wenn nicht grundlegend umgedacht und massiv investiert wird, bestehen kaum Chancen, den Autofahrer dazu zu bewegen, aufs Fahrrad umzusteigen.

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