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Durch die Steuerung per Handy-App kann der Turf-Rob auch mitten in der Nacht selbstständig seine Reinigungsbahnen über Kunstrasen-Plätze ziehen. Die jeweiligen Platz-Koordinaten können bequem in der Clout hinterlegt werden. - © Jens Dünhölter
Durch die Steuerung per Handy-App kann der Turf-Rob auch mitten in der Nacht selbstständig seine Reinigungsbahnen über Kunstrasen-Plätze ziehen. Die jeweiligen Platz-Koordinaten können bequem in der Clout hinterlegt werden. | © Jens Dünhölter

Gütersloh Weltweit erster Kunstrasen-Pflegeroboter in Gütersloh getestet

Das Gerät bürstet die Fasern des Kunstrasens wieder auf - leise und automatisch. Auch andere Städte wollen den Roboter ausprobieren. Warum sie im Gegensatz zu Gütersloh wohl aber noch warten müssen.

Jens Dünhölter
18.07.2019 | Stand 17.07.2019, 13:45 Uhr

Gütersloh. Kunstrasenplätze sind derzeit schwer in der Diskussion. Unabhängig von der seitens der EU-Kommission angestoßenen Mikroplastik-Debatte (die NW berichtete) müssen die bestehenden Anlagen aufgrund des durch normale Benutzung entstehenden Gummi-Granulat-Abriebes regelmäßig gepflegt und wieder aufbereitet werden. Bislang lässt das Sportamt der Stadt Gütersloh die vorwiegend an den Seiten angehäuften Ablagerungen auf den elf Kunstrasen-Plätzen in seinem Verantwortungsbereich einmal pro Woche maschinell von mit speziellen Apparaturen ausgerüsteten Fahrzeugen wieder einbürsten. Möglicherweise könnte der dem Platzerhalt sowie der besseren Bespielbarkeit dienenden Prozess aber schon demnächst automatisch ablaufen - und zwar nachts. Fünf Monate vor der Markteinführung im November nahmen der Fachbereichsleiter Sport Wilhelm Kottmann und Ulrich Wittenbrink vom Fachbereich Grünflächenunterhaltung einen von nur fünf Prototypen des weltweit ersten Kunstrasen-Pflegeroboters in Gütersloh in Augenschein. Auf dem Kunstrasenplatz Süd wurde ein Testlauf arrangiert. Kontakte über den langjährigen Hauptsponsor der FC Gütersloh Entwickelt wurden die 150 Kilogramm schweren Geräte mit dem Namen "Turf-Rob" von den Experten für Sondermaschinenbau der Firma Kon Pro aus Bohmte (Niedersachsen) im Auftrag der Firma Melos (Hersteller von Kunststoffen für Sport- und Freizeitbelägen aus Melle. Die Verbindung zur Stadt Gütersloh kam über den hier lebenden Melos-Geschäftsführer Jörg Siekmann zustande. Fußball-Freunden wird er noch als langjähriger Hauptsponsor des FC Gütersloh bekannt sein. Das eigentliche Prinzip hinter dem Pflege-Roboter ist einfach. Uli Wittenbrink: "Was Rasen-Roboter für die Naturrasenflächen sind, sind die Turf-Robs für Kunstrasenplätze. Sie übernehmen die automatische Pflege und bürsten Fasern wieder auf". Ein paar gravierende technische Unterschiede gibt es jedoch schon. Während Rasen-Roboter überwiegend mähen, ist der Turf-Rob mit seinen vier abrufbaren Programmen (Standart, Intensiv, Granulat Puls, Schnellkurs) ein Spezialist für Bürsten und Striegeln. Im Gegensatz zu den kreuz und quer mähenden Rasen-Kollegen fährt das Kunstrasen-Pendant nach vorheriger Programmierung der GPS-Daten Bahn um Bahn ab. Die Spurtreue ist laut der Experten bis auf zwei Zentimeter genau. Automatische Steuerung per Handy-App Während der Turf-Rob langsam seine Bahnen über den 2007 gebauten hinteren von zwei Plätzen zog, liessen sich die beiden Vertreter der Kommune von Kon Pro Inhaber Stefan Mosel, dem technischen Entwickler Marcel Junker (Kon Pro) und Melos Chef Jörg Siekmann ausführlich über die automatische Steuerung per Handy-App, Stromverbrauch oder Pflegezeit unterrichten. Laut Stefan Mosel beträgt die Bearbeitung des ganzes Platzes bei normaler Geschwindigkeit rund fünf bis fünfeinhalb Stunden. Durch den eingebauten Timer und die auf Wunsch in einer Cloud ablegbaren Platz-Koordinaten können die Fasern-Aufbereiter auch nach Beendigung des Trainingsbetriebes mitten in der Nacht leise, ohne Störung der Nachbarn selbstständig ihre Bahnen ziehen. Mit dem augenscheinlichen Ergebnis des Testlaufes zeigten sich die Vertreter der Stadt sehr zufrieden. Willi Kottmann : "Das sieht gut aus. Grundsätzlich sind wir auch immer für Innovationen offen. Wir können die Gespräche gerne vertiefen". Uli Wittenbrink ergänzt: "Ohne Platzpflege geht es nun mal nicht. Wir wollen schließlich regelmäßige Nutzung haben". Ob und in welcher Form beide Seiten zusammen kommen, wird sich vermutlich erst beim Aushandeln der finanziellen Konditionen zeigen. Selbstfahrer sind nicht gerade ein Schnäppchen Für Jörg Siekmann sind neben der Kauf-Option auch "Leasing-Verträge oder ein für die Stadt völlig finanziell risikoloses Service-Paket" denkbar. Mit Anschaffungskosten von rund 25.000 Euro aufwärts sind die mit enorm viel teurem technischen Know-How ausgestatteten Selbstfahrer nicht gerade ein Schnäppchen. Im Sinne der Kooperation soll weiteren Entscheidungen eine Langzeit-Testphase vorausgehen. Willi Kottmann will deshalb nichts überstürzen: "Wir werden in Ruhe rechnen, was Sinn macht". Auch Uli Wittenbrink plant zunächst "drei, vier Nächte darüber zu schlafen". Immerhin ist die Stadt Gütersloh mit dem erfolgten Praxistest weiter als der schwedische Fußball-Verband. "Die hätten lieber heute als morgen ein Gerät zum Ausprobieren. Vor der offiziellen Markteinführung wird es damit aber vermutlich nichts", so Marcel Junker

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