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Gut 150 Sennestädter nehmen am Bürgerdialog zur Stadtbahnlinie 1 teil. - © Susanne Lahr
Gut 150 Sennestädter nehmen am Bürgerdialog zur Stadtbahnlinie 1 teil. | © Susanne Lahr

Bielefeld "Lebensgefährlich": Bürger wettern gegen Stadtbahnpläne zur Linie 1

Es hagelt vielfältige Kritik beim ersten Bürgerdialog zur Verlängerung der Linie 1 nach Sennestadt. Wie die Radwege in Zukunft aussehen sollen, wird gar als eine Gefahr und "Kollateralschaden" bewertet.

Susanne Lahr
04.12.2019 | Stand 04.12.2019, 07:54 Uhr

Sennestadt/Senne. Der erste Bürgerdialog zur Weiterbau der Stadtbahnlinie 1 von Senne nach Sennestadt war ein Erfolg. Zumindest von den Zahlen her. Gut 150 Zuhörer waren der Einladung von MoBiel in die Aula der Hans-Ehrenberg-Schule gefolgt. Dort schlug den Planerinnen und Planern aber überwiegend Kritik entgegen, nachdem sie den Bürgern den Vorentwurf zur „Mobilitätslinie" vorgestellt hatten. 70 Grundstückseigentümer sind betroffen Die Linie 1 ist auf einer abwechselnd zwei- und vierspurigen L 756 zunächst bis zur Haltestelle Kreuzkirche am Sennestadtteich geplant. Nach den Vorgaben des Landesbetriebs Straßen NRW, der die Baulast hat, müssen die Knotenpunkte und der Bereich um die Auf- und Abfahrt auf die A 1 vierspurig bleiben. Das führt dazu, dass rund 70 Grundstückeigentümer von der Ausweitung der Trasse für die Stadtbahn betroffen sind, vier Häuser stehen im Weg und müssten abgerissen werden. Abgerissen werden soll auch die Ramsbrockring-Brücke über die L 756, sie soll durch einen großen Kreisverkehr ersetzt werden. Wie der Linienverlauf in der Nordstadt weitergeht, möchte MoBiel gemeinsam mit den Bürgern im Rahmen eines Nahverkehrskonzepts erarbeiten. Geschäftsbereichsleiterin Cornelia Christian betonte, dass es Fördergelder nur für eine Gesamtplanung gebe. Der Abschnitt bis zur Kreuzkirche sei nur der erste Schritt. „Aus wirtschaftlichen Gründen ist es notwendig, dass die Bahn weiterfährt." Kritik an Planung für Radfahrer Doch die Bürger haben schon mächtig Probleme mit diesem ersten Plan. Auch jene, die eigentlich für einen Weiterbau der Linie 1 sind. Die Ideen für den Radverkehr standen besonders im Fokus. Thorsten Böhm vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Bielefeld betonte, dass bei Tempo 70 auf der befahrenen Landesstraße Radfahrstreifen auf der Fahrbahn nicht zulässig seien. Thomas Kiper vom Sennestadtverein forderte, einen von der Fahrbahn abgetrennten Radweg. Eine Zuhörerin rief aufgebracht, dass es sich „um eine lebensgefährliche Variante für die Radfahrer" handele. Hannelore Junge sprach von einer Radplanung als "Kollateralschaden". Lea Gauthier, Technische Projektleitung bei MoBiel, hob ein ums andere Mal hervor, dass es sich um einen mit Amt für Verkehr, Straßen NRW und MoBiel abgestimmten Kompromiss handele, der regelkonform sei. Sie könne die Einwände verstehen, räumte Gauthier ein. Aber für andere Radwege müssten 2 bis 4 Meter mehr eingeplant werden. Und andere Querschnitte der Straße würden die Betroffenheit noch weiter erhöhen. "Ziemlich entsetzt über die Planung" Zuhörerin Lioba Landwehr zeigte sich „ziemlich entsetzt über die Planung", sei doch vor einigen Jahren davon gesprochen worden, die Linie 1 komplett auf der L 756 zu planen. „Ich finde es unfassbar, dass angesichts von Verkehrswende und Klimawandel eine Planung für die Autofahrer gemacht wird." Cornelia Christian räumte das Scheitern dieser Idee ein. Aber mit gesetzten Rahmen sei man zu keinen anderen Ergebnis gekommen. Frank Homann vom Amt für Verkehr nannte beispielsweise die bei einer Verkehrszählung ermittelten 28.000 Fahrzeuge pro Tag auf dem L 756-Abschnitt zwischen Eikelmann- und Buschkamp-Kreuzung. Somit funktioniere dort nur die Vierspurigkeit. Die Leistungsfähigkeit einer zweispurigen Straße liege bei rund 20.000 Kfz in Spitzenzeiten. Über die Thematik „Tempo 70 oder 50" sei man aber noch im Gespräch, so Christian. Kritik gab es auch für die Fußwegführung rund um die Eikelmann-Kreuzung. Von der neuen Haltestelle Industriestraße führt kein direkter Weg hinüber ins Einkaufszentrum. Insgesamt 17 Fahrspuren auf drei Kreuzungsästen muss queren, wer auf der dann ausgebauten Kreuzung von hüben nach drüben will – und umgekehrt. Der neue Busverknüpfungspunkt an der Haltestelle Kreuzkirche, die Parkplatzsituation rund um den Combi-Markt, der Verschwenk des Sennestadtrings, die geplante Anliegerstraße Jadeweg – viele Punkte eckten an. Der jetzige Vamos kann nicht in die Sennestadt fahren Ebenso die Tatsache, dass der jetzige Vamos-Zug nicht auf einer verlängerten Linie 1 fahren könnte: Das hängt mit der Breite und Statik der Autobahnüberführung zusammen. Daher muss, so Christian, die Planungs- und Bauzeit parallel auch zur Konzeption eines Vamos 2.0 genutzt werden. Die Senner beschäftigen sich heute im 2. Bürgerdialog mit der Planung (18 Uhr, Realschule). Deren Bezirksvertreter hatten bereits Kritik geübt: an abgebundenen Wegebeziehungen; Verkehr, der in Wohngebiete gelenkt wird, an Grundschule und Kita vorbei; und an zwei Einkaufsmärkten, die von ihren Kunden abgeschnitten werden.

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