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Der grüne Würfel am Kesselbrink mit Familie, Wasserspiel und Trinkerszene. - © Stefan Becker
Der grüne Würfel am Kesselbrink mit Familie, Wasserspiel und Trinkerszene. | © Stefan Becker

Bielefeld Jetzt soll Bielefelds Jugend den "Grünen Würfel" am Kesselbrink retten

Sozialdezernent hofft, mit neuem Leben im Gebäude die ungeliebte Drogen- und Alkoholszene verdrängen zu können. Die Polizei verstärkt unterdessen Kontrollen

Joachim Uthmann
12.09.2019 | Stand 12.09.2019, 07:19 Uhr

Bielefeld. Junge Leute sollen den Kesselbrink beleben. Das erhofft sich nicht nur Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD). Doch aktuell stört viele dabei die Alkohol- und Drogenszene, die sich hier breit macht. Sind Spielplatz-Schilder und Alkoholverbot, die Hartmut Meichsner (CDU) vorschlägt, eine Lösung? Eher skeptisch reagiert Sozialdezernent Ingo Nürnberger (SPD) darauf, der mit Kulturdezernent Udo Witthaus (SPD) nach einem neuen Konzept für den leerstehenden "Grünen Würfel" sucht. Der Handel mit Drogen sei eh verboten und Alkoholiker, die sich daneben benehmen, könnten heute schon belangt werden. "Die Polizei muss helfen" Nürnberger hält es für klüger, Alternativen zu bieten wie die neue Spiel- und Calisthenics-Anlage und mehr Menschen auf den neu gestalteten Platz zu holen, "die Öffentlichkeit schaffen: Je mehr Leute da sind, die nichts mit Alkohol und Drogen zu tun haben, desto uninteressanter wird er für Dealer und Fixer." Dem Dezernenten ist aber auch klar, dass "uns die Polizei helfen muss: Ich erwarte ein konsequenteres Vorgehen." Denn die Drogenproblematik belaste die Lösungssuche für den Kesselbrink und den "Grünen Würfel". Kontrollen und Razzien Die Polizei reagiert auf die Situation. Im Sommer 2018 seien die Fälle der Gewalt- und Betäubungsmittelkriminalität gestiegen, teilte Sprecherin Sonja Rehmert mit. Mit Maßnahmen und bei kühlerem Wetter habe sich die Situation zum Jahresende aber entspannt. Für 2019 verstärkte die Polizei die Präsenz und spreche Platzverweise und Bereichsbetretungsverbote aus, teilte Sprecherin Sonja Rehmert mit. Die Polizei führe "lageabhängig" regelmäßig Kontrollen und Razzien auf dem Kesselbrink durch, teils mit verstärkten uniformierten Kräften, teils auch verdeckt mit zivilen. Sushi-Gastronomie gescheitert Im Würfel ist das Sushi-Konzept des Restaurants Noori gescheitert, das Gebäude steht leer. Die 75-Prozent-Stadttochter BGW, die es 2014 gebaut hat, weil die Stadt dafür kein Fördergeld bei der Platzneugestaltung erhielt, hat den Vertrag mit dem Gastronom im Sommer vorzeitig beendet, um nicht mehr Zeit zu verlieren. Geschäftsführerin Sabine Kubitza: "Wir wollen, dass schnell etwas passiert." Doch ehe der Würfel umgebaut oder neu ausgestattet wird, sollen Nürnberger und Witthaus eine Nutzung finden, die eine neue Attraktion schafft. Der Ansatz: Ein Treffpunkt für Jugend, Jugendkultur und Kultur. Nürnberger: "Wir sammeln Ideen, führen Gespräche." Wünsche junger Leute Und ihm sei wichtig, "dass die jungen Leute mitreden, was sie sich wünschen in dem Würfel, aber auch Akteure aus dem Umfeld, die Konzepte auch finanziell unterstützen können." Immerhin sind mit der Volksbank in ihrem sanierten Banksitz und die Firma Goldbeck-Bau nach Kauf des früheren Telekom-Hochhauses gewichtige Akteure im nahen Umfeld, die auch den Platz im Auge haben und eine Aufwertung begrüßen würden. Nürnberger strebt an, ein junges und soziales Angebot in den Würfel zu bringen, in dem auch Themen wie Klimaschutz und Projekte eine Rolle spielen: "Wir sind noch sehr offen." Testphase denkbar Der Dezernent sagt, er wolle kein "komplett festes Konzept starten, sondern Angebote ausprobieren und sehen, was zieht Menschen dort hin." Er kann sich durchaus erst einmal eine zweijährige Testphase vorstellen. Die Stadt müsse zudem schauen, wie viel Geld sie zur Verfügung hat. Die Hoffnung, dass mehr soziale Kontrolle dem Kesselbrink hilft, äußern viele Politiker. Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD): "Der Platz muss mehr bespielt werden." Als positives Beispiel wird stets die BMX- und Skateranlage genannt, die viel genutzt wird und ein junges Publikum hat.

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