0
Zurück am Tatort: Ungefähr an dieser Stelle befand sich vor gut 27 Jahren das Loch im Zaun, das den Autor zur Arminia führte. - © Sarah Jonek
Zurück am Tatort: Ungefähr an dieser Stelle befand sich vor gut 27 Jahren das Loch im Zaun, das den Autor zur Arminia führte. | © Sarah Jonek

Bielefeld Redakteur Ansgar Mönter schlüpfte einst durch ein Loch im Zaun auf die Alm

Arminia-Fan-Geschichten: Illegale Machenschaften wirken bis heute nach

Ansgar Mönter
03.05.2016 | Stand 04.05.2016, 13:00 Uhr

Bielefeld. Keine Ahnung, ob ich noch strafrechtlich belangt werden kann oder ob meine Taten verjährt sind, aber jetzt ist es eben Zeit, reinen Tisch zu machen. Ich gestehe: Mein Arminia-Fan-Dasein begann mit illegalen Machenschaften.

Alles begann im Jahr 1987. Als junger Mann zog ich aus dem nordwestdeutschen Niemandsland mit Zwischenstationen Cloppenburg und Osnabrück in diese seltsame Stadt.

Fußballerisch sozialisiert hatte mich mein älterer Bruder, der unser gemeinsames Kinderzimmer mit HSV-Devotionalien bestückte, ohne mir ein Mitsprache- oder gar Widerspruchsrecht zuzugestehen. Ich fügte mich als braver kleiner Bruder seinem Diktat, was mir leicht fiel, da der geliebte HSV im entscheidenden Fanprägungsjahr 1976 – ich war zehn Jahre alt – Pokalsieger wurde.

Noch heute hänge ich an der Raute; doch Ende der 1980er Jahre verdrängte ausgerechnet ein zu der Zeit notorisch erfolgloser Club mit ebenfalls schwarz-weiß-blauen Vereinsfarben den HSV von Platz eins meiner persönlichen Fan-Tabelle. Die Epoche Arminias mit Abgang in die Oberliga Westfalen wird übrigens beim Wikipedia-Eintrag von Arminia als „Tiefer Fall und triste Jahre" bezeichnet.

Für mich waren es herrliche Arminia-Jahre. Denn ich erlebte seinerzeit nach durchfeierten Wochenendnächten „triste" Sonntage, die dringend mit einer intellektuell und körperlich niedrigschwelligen Betätigung aufgefüllt werden wollten. Da ich schon immer in der Nähe der Alm wohnte, entdeckte ich eines frühsommerlichen Spieltagssonntags beim eigentlich absichtslosen Betrachten des Zauns hinter der damaligen Haupttribüne ein formidables Loch, verdeckt von Buschwerk. Wie von einem Geist gelenkt bückte ich mich dadurch und steuerte zielstrebig Richtung Geräuschkulisse im Stadion.

Ich weiß nicht mehr, wie der Gegner von Arminia damals hieß, ich weiß nur, es ging Remis aus und war ein weitgehend ereignisloser Kick. Ich aber habe es genossen, auf der alten Holztribüne zu hocken und dem Treiben zuzuschauen. Ziemlich schnell wurde ich Stammbesucher, bald wechselte ich – mit regulärem Ticket – auf die Stehtribüne in Block 3, sehr bald fieberte ich richtig mit. Ich wollte die Blauen siegen sehen.

Sogar auf Auswärtsfahrten wagte ich mich mit Freunden, die ebenfalls den Wert dieser Freizeitbeschäftigung für sich (wieder) entdeckten. Gemeinsam beschimpften wir, unbeeindruckt von der eigenen bäuerlichen Milieuprägung, leidenschaftlich die SC-Verl-Anhänger als Gummistiefelbauern, lachten über Dorfvereine wie den SV Edenkoben und hofften jedes Mal aufs Neue, der DSC möge den unaussprechlichen Verein aus der Stadt westlich von Telgte demütigen. Meistens leider vergeblich. Zumindest gefühlt.

Ohne Loch im Zaun wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Wahrscheinlich lautet der Straftatbestand „Heimtückische Erschleichung von drittklassigem Gekicke". Ich bekenne mich dazu vollumfänglich schuldig und nehme das längst in Kraft getretene Urteil demütig (und freudvoll) an. Es lautet: Lebenslänglich Arminia!

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken