Bei der Verbreitung kinderpornografischen Materials sind die Täter im Netz meist schwer ausfindig zu machen. - © picture alliance / imageBROKER
Bei der Verbreitung kinderpornografischen Materials sind die Täter im Netz meist schwer ausfindig zu machen. | © picture alliance / imageBROKER

Kriminalität Kinderpornografie im Netz: Warum die Suche nach Tätern schwierig ist

Die Suche nach Tätern im Netz ist für die Ermittlungsbehörden eine Herausforderung

Lügde. Immer wieder tauchen im Internet Bilder und Videos von Kindesmissbrauch auf, nutzen Täter Online-Foren, um Kontakte zu knüpfen. Im Missbrauchsfall in Lügde soll der Hauptverdächtige einen weiteren Verdächtigen aus Stade in einem Forum kennengelernt haben. Letzterer soll gar in zwei Videokonferenzen Anweisungen für den gewünschten Missbrauch gegeben haben. "Für Täter ist es erheblich leichter geworden" Die Suche nach Tätern, die kinderpornografisches Material erstellen und dann im Netz verbreiten, stellt die Ermittler vor Herausforderungen. Anders als in Zeiten ohne das Internet, als Pädophile noch vor die Tür gehen und sich Material irgendwo besorgen mussten – und entdeckt werden konnten –, kann heute alles online ablaufen. „Mit dem Internet ist für die Täter alles erheblich leichter geworden, und zwar aufgrund flächendeckender Nutzung des Internets, immer schnelleren Datenverbindungen und der Speicherung erheblich größerer Datenmengen", erklärt Sven Schneider, Dezernatsleiter im Cybercrime-Kompetenzzentrum NRW. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer Laut Schneider gab es 2017 in Deutschland 6.512 gemeldete Fälle im Bereich der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie, in NRW waren es 1.250. Die Aufklärungsquote lag bei 86 Prozent. Für 2018 liegen die Zahlen noch nicht vor. Schneider geht aber von einer Steigerung aus. Und das gilt nur für die gemeldeten Fälle. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer, weil viele Taten nicht entdeckt und Täter nicht ermittelt werden können. Ermittler: Fehlende Mindestspeicherfristen sind ein Problem Beim Bundeskriminalamt (BKA) sichten Mitarbeiter einschlägiges Material, prüfen mögliche Bezüge zu Deutschland oder ob neue Bilder zu bereits bekannten Bilderserien passen und sich Hinweise auf den Täter ergeben. Ein großer Teil der Hinweise kommt vom National Center for Missing and Exploited Children, kurz NCMEC. Längst nicht allen könne das BKA nachgehen. „Das große Hindernis für unsere Arbeit sind die nach wie vor fehlenden Mindestspeicherfristen", sagt Matthias Wenz, stellvertretender Leiter des Referats zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen beim BKA. Das bedeutet: Wenn der Hinweis auf einen Verdachtsfall aus den USA eingeht, kann das BKA im Zweifel nicht mehr auf Daten, die zeigen, mit welcher IP-Adresse sich ein Verdächtiger wie bewegt hat, zurückgreifen, weil das Telekommunikationsunternehmen sie längst gelöscht hat. „2017 konnten wir ein Viertel der vom NCMEC an uns weitergeleiteten Verdachtsfälle deshalb nicht weiterverfolgen, weil die notwendigen Daten bereits gelöscht waren. Das waren etwa 8.400 Fälle", sagt Wenz. Die sogenannte Vorratsdatenspeicherung ist in Deutschland derzeit ausgesetzt und wird von Datenschützern heftig kritisiert. Material möglicherweise im Darknet verbreitet Im Fall Lügde hätte sie womöglich keine zusätzlichen Erkenntnisse gebracht. Die Ermittler haben eine große Menge digitaler Daten sichergestellt, ein Großteil ist noch nicht gesichtet worden. Fachleute etwa des Cybercrime-Kompetenzzentrums könnten dabei helfen. Eine Vermutung der Ermittler erstreckt sich schon jetzt auf noch tiefere Teile des Internets: Die Verdächtigen könnten kinderpornografisches Material im Darknet verbreitet haben. In vielen großen Fällen von Kindesmissbrauch finden sich Bezüge zu diesem anonymen Teil des Internets. Eigentlich für Oppositionelle in autoritären Regimen, Journalisten und Whistleblower geschaffen, wird das Darknet auch von Kriminellen missbraucht. „Was wir feststellen, ist, dass der Härtegrad der Kinderpornografie in den Darknet-Foren größer ist, etwa bei der Gewaltanwendung an Kindern und dem Ausleben von Fetischen", sagt Wenz. Die Nutzer im Darknet bewegen sich komplett unerkannt, Kriminelle fühlen sich dort sicherer, sagt Schneider. „Das ist eine geschlossene Szene, ein subkulturelles Täternetzwerk, das weltweit aktiv ist."

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