Lydia Benecke, Psychologin, hat ihren Auftritt in Höxter abegsagt. - © picture alliance / Sven Simon
Lydia Benecke, Psychologin, hat ihren Auftritt in Höxter abegsagt. | © picture alliance / Sven Simon

Höxter Bosseborn: Psychologin Lydia Benecke sagt Auftritt in Höxter ab

Anwalt von Wilfried W. pocht auf Persönlichkeitsrechte seines Mandanten und 
droht mit Schmerzensgeldklage

Mathias Brüggemann

Höxter. Die bekannte Kriminalpsychologin Lydia Benecke hat ihren für Samstagabend in der Residenz-Stadthalle in Höxter geplanten Auftritt kurzfristig abgesagt. Unter dem Titel „Die Psychologie tödlicher Paare – Höxter spezial" wollte sie unter anderem auch auf die Morde in Bosseborn eingehen. Doch dagegen wehrt sich der Anwalt des Mitangeklagten Wilfried W., Detlef Binder, und drohte den Veranstaltern mit einer Klage. Er sieht bei der Veranstaltung Persönlichkeitsrechte seines Mandanten verletzt. „Lydia Benecke hat sich daraufhin entschlossen, ihren Auftritt zu verschieben, bis der Prozess abgeschlossen ist", sagte Sabine Grauel vom Hannoveraner Rechtsanwalt Binder droht in einem Schreiben an die Veranstalter mit rechtlichen Schritten, falls der Auftritt der Kriminalpsychologin doch stattfindet. „Darüber hinaus machen wir Sie bereits jetzt darauf aufmerksam, dass eine Durchführung der Veranstaltung infolge der zu befürchtenden Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts unseres Mandanten Schmerzensgeldansprüche auslösen kann." Bei der Veranstaltungsbewerbung auf der Homepage der Stadthalle werde mit der Überschrift „Lydia Benecke zu den Vorfällen in Bosseborn" ein unmittelbarer Zusammenhang zur Person Wilfried W.s hergestellt. Weiter beruft sich Binder auf ein Interview vom 1. Dezember, das Lydia Benecke der Neuen Westfälischen gegeben hatte. Wilfried W. werde von Lydia Benecke „ganz offenbar als Psychopath dargestellt und mit einem Sadisten gleichgestellt." Mittelpunkt der Veranstaltung sei offenbar eine Spekulation über die Psyche und sexuelle Fantasien von Wilfried W. „Diese Schauveranstaltung mit seiner herabwürdigenden Thematik ist für unsere Mandantschaft höchst ehrverletzend, vernichtend und verletzt daher in höchstem Maße seine Intimsphäre", schreibt der Bielefelder Jurist. „Offenbar zielt die Veranstaltung darauf ab, die Sensationsgier eines kleinen Teils der Bevölkerung zu befriedigen, findet jedoch in keinerlei Hinsicht seine Rechtfertigung im Informationsinteresse der Allgemeinheit." Gegenüber der NW betonte Binder, dass, solange kein rechtskräftiges Urteil vorliege, „in Deutschland immer noch die Unschuldsvermutung gilt." Der Prozess sei noch mitten in der Beweisaufnahme und könne „gerade von externer Stimmungsmache" empfindlich gestört werden. Lydia Benecke habe er ein einziges Mal während des Bosseborn-Prozesses im Gerichtssaal gesehen. „Woher will sie denn ihre Informationen bezogen haben?", fragt er, „die kann sie doch allenfalls aus den Medien haben." In dem Prozess seien die Gutachter noch nicht einmal gehört worden. „Und da will sie mehr wissen, als die Gutachter, die stundenlang mit den Angeklagten gesprochen haben? Das ist doch eine absolut unseriöse Veranstaltung."

realisiert durch evolver group