In Deutschland können gleichgeschlechtliche Paare noch immer nicht heiraten. In anderen europäischen Ländern ist das schon lange möglich. - © dpa
In Deutschland können gleichgeschlechtliche Paare noch immer nicht heiraten. In anderen europäischen Ländern ist das schon lange möglich. | © dpa

CSD Bielefeld Europakarte: Wo die "Ehe für alle" erlaubt ist, und wo nicht

Beim CSD in Bielefeld demonstrieren Schwule und Lesben für die Gleichstellung. In vielen Nachbarländern ist die "Ehe für Alle" längst erlaubt.

Matthias Schwarzer

Bielefeld. Der "Christopher Street Day" in Bielefeld steht 2017 unter dem Motto "Haltung zeigen - Gleichstellung jetzt". Schwulen und Lesben in Deutschland bleibt diese Gleichstellung jedoch bislang verwehrt - beispielsweise bei der Hochzeit. Denn auch im Jahr 2017 können homosexuelle Paare in Deutschland allenfalls ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen - aber nicht mit den gleichen Rechten heiraten. Immerhin: Während des Bundestagswahlkampfs kommt ein wenig Schwung in die Diskussion. Nach dem "Ja" von Finnland im März rückte die "Ehe für alle" auch in Deutschland wieder in den Fokus. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz machte die Gleichstellung von Schwulen und Lesben offensiv zum Wahlkampfthema - machte aber gleichzeitig klar, dass mit der Eheöffnung in dieser Legislaturperiode nicht mehr zu rechnen sei. "CDU und CSU lehnen die Ehe für alle ab, und in einer Koalition kann man keine Politik gegen den Koalitionspartner machen", sagte Schulz dem Berliner Stadtmagazin "Siegessäule". Schon länger spricht sich die SPD für die "Ehe für alle" aus, hatte das Thema in der großen Koalition aber nie offensiv verfolgt. Nach dem wegweisenden Referendum im erzkatholischen Irland, hatte das Thema 2015 in ganz Europa Fahrt aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich jedoch weiterhin dagegen ausgesprochen - und argumentierte unter anderem mit ihrem "Bauchgefühl". Doch wie sieht es im restlichen Europa aus? Die "Ehe für alle" in Europa In insgesamt 13 europäischen Ländern können gleichgeschlechtliche Paare inzwischen heiraten - mit allen Rechten, die auch Heterosexuelle genießen. Dazu gehören neben Irland und Finnland auch Island, Frankreich, Spanien, Schweden, Norwegen, Portugal, Luxemburg, Großbritannien und Dänemark. Die Niederlande und Belgien gehörten hier zu den Vorreitern: Schon 2001 gab sich in den Niederlanden zum ersten Mal ein lesbisches Paar das Ja-Wort. In Belgien ist die "Ehe für alle" seit 2003 erlaubt. Dem gegenüber stehen elf Staaten, in denen homosexuelle Paare zwar ihre Partnerschaft eintragen können, jedoch nicht die selben Rechte wie heterosexuelle Ehepartner haben. Das sind Italien, die Schweiz, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Griechenland, Malta, Slowenien und: Deutschland. Eine Sonderrolle nimmt Nordirland ein: Während im restlichen Teil Großbritanniens die "Ehe für alle" erlaubt ist, gibt es in Nordirland bislang nur die eingetragene Partnerschaft. Besonders interessant: Bis auf eine Ausnahme (Nordirland) wird die "Ehe für alle" in ganz West- und Nordeuropa von allen Ländern akzeptiert. In Mitteleuropa haben sich die meisten Länder zumindest auf die eingetragene Partnerschaft geeinigt. Osteuropa gefährliches Pflaster für Schwule und Lesben Besonders bitter sieht es für Schwule und Lesben in Osteuropa aus: In Polen, der Ukraine, Moldawien, Weißrussland, Albanien und Litauen ist nicht nur die "Ehe für alle" oder die eingetragene Partnerschaft verboten. Homosexualität wird auch in großen Teilen der Gesellschaft nicht akzeptiert, tabuisiert oder gar von der Regierung bekämpft. In vielen dieser Länder leben Homosexuelle aus Angst vor Übergriffen weiterhin versteckt. In Bosnien und Herzegowina, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Lettland und Kroatien ist die Lage zwar nicht ganz so schlimm - eine "Ehe für alle" oder eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle gibt es aber trotzdem nicht. Das Baltikum mit Lettland und Litauen steht Schwulen und Lesben auch ablehnend gegenüber, mit Ausnahme von Estland: Hier ist die eingetragene Partnerschaft erlaubt. Gleiches gilt seit 2015 für die Republik Zypern. Situation weltweit: Todesstrafe für Homosexuelle Weltweit ist die gleichgeschlechtliche Ehe inzwischen in 17 Staaten erlaubt. Dazu gehören neben den genannten europäischen Ländern Argentinien, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Südafrika, Uruguay und die Vereinigten Staaten. Das ist jedoch nur ein kleiner Fortschritt, wenn man bedenkt, dass Homosexuelle in den meisten Staaten der Erde weiterhin diskriminiert oder gar verfolgt werden. In ganz Afrika bildet Südafrika mit der Ehe-Öffnung die Ausnahme. Auf dem restlichen Kontinent ist Homosexualität oftmals illegal und wird mit Haft oder Prügelstrafe bestraft. Zu diesen Ländern zählt die gesamte afrikanische Mittelmeerküste mit Ländern wie Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten. Die Todesstrafe für Homosexualität wird in Mauretanien und Sudan verhängt. Dasselbe gilt für die arabische Halbinsel mit Jemen und Saudi-Arabien. In letzterem Land bedeutet Todesstrafe meist öffentliche Enthauptung.

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