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Sansar ist der einzig wahre Hermann

Vierter Sieg in Folge für den 29-Jährigen

VON JÖRG FRITZ
27.04.2009 | Stand 27.04.2009, 01:04 Uhr

Bielefeld. Elias Sansar will erst einmal alleine sein – für einige Augenblicke zumindest. Soeben hat der 29-Jährige einen historischen Sieg errungen. Zum vierten Mal in Folge gewinnt Sansar den Volkslauf-Klassiker vom Hermannsdenkmal in Detmold-Hiddesen zur Bielefelder Sparrenburg über 31,1 Kilometer, was in der 38-jährigen Geschichte noch niemandem zuvor gelungen ist.

Sansar stellt den Siegerkranz an die Bande und vergräbt den Kopf in seine ausgestreckten Arme. Im Vergleich zu seinen drei vorangegangenen Triumphen wirkt der Athlet der LG Lage-Detmold ausgepumpt. Wie viele andere auch musste Ostwestfalens erfolgreichster Läufer den hohen Temperaturen Tribut zollen, erzielte unter diesen erschwerten Bedingungen in 1:48:31 Stunde aber eine bemerkenswerte Zeit.

Nachdem Sansar sich physisch wieder gefangen hatte, ist seine Redeschwall kaum zu bändigen. Er wirkt aufgekratzt, freut sich und findet lobende Worte für den Zweitplatzierten, Helmut Schießl vom TSV Buchenberg. "Einen solch starken Gegner hatte ich noch nie", sagte Sansar. "Er hat Platz zwei voll verdient." Dritter bei den Männern wurde mit Marcus Biehl ein Vereinskollege Sansars. Auf Rang vier lief Michael Brand (NSU Brakel) ins Ziel. Dahinter folgten Robert Schulz (Die Unbestechlichen) und Jürgen Wieser (Gildemeister AG).

Wie so häufig in den vergangenen Jahren fiel die Entscheidung an den Treppen in Lämershagen. "Dort habe ich Schießl abgehängt", beschrieb Sansar den Moment, der das Rennen entscheiden sollte. Sansar hatte schon zuvor auf eine Schwächeperiode des Berglauf-Weltmeisters von 2005 gehofft. Vergeblich. "Bergauf und bergab war er topfit", sagte Sansar.

Schießl, der zum dritten Mal am Hermannslauf teilnahm, wirkte nach seinem Zieleinlauf ein wenig frischer als Sansar. "Ich wollte lieber mit einem Lächeln ins Ziel kommen als mit einem gequälten Gesicht", begründete der 37-jährige Allgäuer seine Taktik, auf den letzten Kilometern nicht noch mehr zugelegt zu haben. "Elias wäre ohnehin nicht zu schlagen gewesen", so seine Einschätzung. "Und ich wäre stattdessen nur 20 Sekunden früher angekommen." So blieb die Uhr für ihn bei 1:50:08 Stunde stehen, was er als "durchaus respektabel" bezeichnete. Wie versprochen erschien Schießl zur Siegerehrung standesgemäß in einer Lederhose. Sie ist sein Glücksbringer – auch beim Hermannslauf.

Wesentlich mehr zu kämpfen hatte Marcus Biehl. Seinen inneren Schweinehund musste der Drittplatzierte (1:52:13) bereits nach acht Kilometern auf der Panzerbrücke in Augustdorf überwinden. "Ich hatte dicke Beine und wollte schon aufgeben", verriet der Gewinner der Jahre 2000 und 2004. Ein Blickkontakt zu seiner Frau Birgit, die ihm dort die Daumen drückte, stimmte ihn aber um. Im weiteren Verlauf des Rennens fiel Biehl sogar noch auf den vierten Platz hinter Michael Brand zurück. "Am Eisernen Anton habe ich Michael wieder gepackt", sagte der 39-Jährige, dem die Wärme arg zu schaffen machte. "Das war mein härtester Hermann in den vergangenen zehn Jahren", lautete sein Fazit. "Und ich bin verdammt stolz." Das darf er auch sein, da er mit nun sieben Podest-Platzierungen seinen eigenen Rekord verbesserte.


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Michael Brand war über seinen vierten Platz nach zwei dritten Plätzen in den Jahren zuvor keinesfalls unglücklich. Noch am Donnerstagabend wollte er seinen Start wegen einer Erkältung absagen. Sein Trainerfreund Michael Amstutz stimmte ihn um.
Elias Sansar sorgte vor dem Startschuss bei TSVE-Chef Günter Entgelmeier noch für ein wenig Aufregung. Sansar und Marcus Biehl erreichten erst kurz vor 11 Uhr die Startzone am Hermannsdenkmal. Im Rennen selbst fand dann Sansar zu seiner Schnelligkeit zurück.

Als letzter Läufer des 38. Hermannslaufes erreichte die Startnummer 6.573 in 6:01:30 Stunden das Ziel. Wie Sansar durfte sich auch Kurt Witte als echter Hermann fühlen.

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