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Große Augen der Siegerin: Franziska Schmidt hebt die Arme und kann ihren Triumph beim Hermannslauf noch gar nicht fassen. - © FOTO: REIMAR OTT
Große Augen der Siegerin: Franziska Schmidt hebt die Arme und kann ihren Triumph beim Hermannslauf noch gar nicht fassen. | © FOTO: REIMAR OTT

Hermanns next Topmodel

Franziska Schmidt jüngste Siegerin aller Zeiten

VON CLAUS-WERNER KREFT
27.04.2009 | Stand 27.04.2009, 01:04 Uhr

Bielefeld. Für die Zuschauer war es ein packendes Duell, wie man es im Hermannslauf-Frauenrennen kaum je gesehen hat. Wenige hundert Meter vor dem Ziel schloss die erst 21-jährige Bielefelderin Franziska Schmidt zur Siegerin des Jahres 2006, Dr. Kirsten Heckmann (SV Brackwede), auf und überspurtete sie. Doch die knappe Ziel-Differenz von ein paar Sekunden täuschte – tatsächlich hatte Schmidt den Kurs in tollen 2:07:26 Stunden und rund fünf Minuten schneller als Heckmann absolviert.

Aufgrund ihrer Vorjahreszeit ("nur" 2:34:43!) war der erst seit zwei Wochen zur Teilnahme entschlossenen Nachmelderin ein Startplatz in der B-Gruppe zugewiesen worden. Und die setzte sich fünf Minuten nach der "Elite" in Bewegung.

"Deshalb und auch wegen meiner Wadenprobleme im Vorfeld hatte ich mir nichts ausgerechnet", gab die jüngste Hermannslaufsiegerin aller Zeiten – und wohl auch eine der hübschesten – später zu Protokoll. Unterwegs sei ihr zugerufen worden, sie liege an fünfter, dann an vierter, schließlich an zweiter Stelle. "Und da habe ich mir gesagt: Jetzt versuchst du’s und gibst noch mal richtig Gas."

Ex-Sieger Andreas Ewert, gestern als Hobbyläufer unterwegs, wurde am Eisernen Anton von Heckmann überholt und erst ein Weilchen später von Schmidt. "Sie lief völlig locker", fiel Ewert auf, "aber ich glaubte nicht, dass sie es noch schafft." Sie hätte es sich ja sogar leisten können, viereinhalb Minuten nach Heckmann ins Ziel zu kommen – eine kuriose Situation. Wie gut, dass ihr der Triumph nicht nur per Zeitverschiebung, sondern auch optisch nachvollziehbar gelang.

Franziska Schmidt, die an der Uni Bielefeld Sportwissenschaften studiert, lief für keinen Verein, brachte als Empfehlung aber ein 3:14-er Debüt vom Münster-Marathon mit. Ihr wöchentlicher Trainingsumfang vor dem "Hermann" lag zwischen 140 und, bedingt durch die lädierte Wade, 80 Kilometern. Sie hat als Mittelstrecklerin (1.500 m in 4:47,11 Minuten/2006) auch eine kurze sportliche Vergangenheit bei der SV Brackwede. Dem Verein also, für den Kirsten Heckmann läuft und auch die drittplatzierte Nina Schüler lief, bis sie aus Studiengründen zum ESV Münster wechselte.

Spätestens ab dem Tönsberg durfte sich Kirsten Heckmann, von Ehemann Sascha begleitet, ihres zweiten Siegs ziemlich sicher sein: "Ich habe nicht mitbekommen, dass sich eine Konkurrentin näherte." Und so war die erste Enttäuschung nur zu verständlich. Doch bei der Siegerehrung konnte sie sich schon wieder über ihre trotz der Hitze erzielte persönliche Bestzeit freuen.


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Nina Schüler, die 2002 mit 2:35:24 Stunden debütiert hatte und inzwischen zur Top-Bahnläuferin avancierte, wollte eigentlich zur DM über 10.000, zog sich aber vor genau vier Wochen als Zweite des "Strongman" in Weeze einen Bänderriss zu. Der heilte so schnell, dass der Weg für einen Hermannslaufstart frei wurde. "Ich bin heute nicht bis zum Anschlag gelaufen", so die 28-Jährige. Es reichte dennoch, die Steinfurt-Marathonsiegerin Christin Kulgemeyer und die Vorjahrsdritte Marion Eschweiler in Schach zu halten.

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