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Einer der Väter des jüngsten Erfolges: Sport-Geschäftsführer Markus Krösche erklärte in seinem Bericht, dass der SC Paderborn auch bei der Suche nach Neuzugängen kreativer sein müsse als andere Vereine. Foto: Ulrich Petzold - © Ulrich Petzold Rotheweg 97 33102 Paderborn
Einer der Väter des jüngsten Erfolges: Sport-Geschäftsführer Markus Krösche erklärte in seinem Bericht, dass der SC Paderborn auch bei der Suche nach Neuzugängen kreativer sein müsse als andere Vereine. Foto: Ulrich Petzold | © Ulrich Petzold Rotheweg 97 33102 Paderborn

SC Paderborn Trotz Ausgliederung der Profis bleibt der Weg des SC Paderborn schwierig

SC Paderborn: Die Saison 2017/18 endet mit einem Rekordverlust, der Schuldenberg wächst auf 7,66 Millionen Euro an. Die neuen Strukturen sollen den Verein nach der Ära Wilfried Finke fit für die Zukunft machen

Frank Beineke
20.01.2019 | Stand 21.01.2019, 12:19 Uhr

Paderborn. „In unserer Brust schlagen heute zwei Herzen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Rees gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung des SC Paderborn. Zum einen blickte der 5.467 Mitglieder zählende Klub am Sonntag auf eines der sportlich erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte zurück. Zum anderen herrschte bei der Versammlung im Schützenhof tiefe Trauer über den Tod des langjährigen Vereinschefs Wilfried Finke. So blickte SCP-Präsident Elmar Volkmann noch einmal ausgiebig auf die „einzigartige Lebensleistung" (O-Ton Volkmann) seines Vorgängers zurück. Eben jene Lebensleistung wurde von den 321 anwesenden Mitgliedern mit stehenden Ovationen gewürdigt. Auf eine offizielle Ehrung des Verstorbenen wurde aber verzichtet. Eine solche wird es nach Absprache mit der Familie Finke wohl bei der nächsten Mitgliederversammlung geben. Dann könnte Wilfried Finke posthum zum Ehrenpräsidenten ernannt werden. Verein ging bei Finanzen bewusst ein hohes Risiko Fortan muss der SC Paderborn jedenfalls ohne den langjährigen Vereinsboss auskommen. Dies soll mit einer neuen Vereinsstruktur funktionieren, denn die Ausgliederung der Profiabteilung steht bevor. Voraussichtlich noch in dieser Woche soll die „SC Paderborn 07 GmbH & Co. KGaA" rückwirkend zum 1. Juli 2018 ins Handelsregister eingetragen werden. Die neue Kapitalgesellschaft übernimmt vom Verein einen beträchtlichen Schuldenberg in Höhe von mehr als 7,66 Millionen Euro. Allein die Drittliga-Spielzeit 2017/2018 schloss mit einem Rekordverlust in Höhe von 4,36 Millionen Euro. „Das ist natürlich eine Zahl, die uns alle nicht zufrieden stellt. Aber sie war vorhersehbar und traf uns deshalb nicht unvorbereitet", betonte SCP-Präsident Volkmann. Denn nach dem Drittliga-Klassenerhalt am Grünen Tisch sei der Verein vor der Spielzeit 2017/2018 ein sehr hohes Risiko eingegangen. „Es ging um Alles oder Nichts. Wir wollten eine Mannschaft zusammenstellen, die den Aufstieg in die 2. Liga schafft. Und diese Mission hat das Team mehr als erfüllt", so Volkmann. Der besagte Fehlbetrag sei so das Ergebnis einer bewussten Entscheidung. 7,66 Millionen Euro Verbindlichkeiten stehen Die Kapitalgesellschaft startet zum Stichtag 1. Juli 2018 nun dennoch mit einem positiven Eigenkapital in Höhe von 2,98 Millionen Euro. Denn die Verbindlichkeiten wurden mit den Vermögenswerten der Profiabteilung aufgerechnet. Der größte Posten ist hierbei der Marktwert des Zweitliga-Kaders – und dieser ist seit dem 1. Juli 2018 sogar beträchtlich gestiegen. Noch nicht berücksichtigt sind zudem rund 2,2 Millionen Euro, die die Gesellschafter an „frischem Geld" in die KGaA mit einbringen. Dennoch bleiben natürlich die Verbindlichkeiten. Allein die Darlehen schlagen mit knapp 5,67 Millionen Euro zu Buche. Diese sollen innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre abgebaut werden. „Eine Millionen pro Jahr. So lautet unsere Zielsetzung", erklärte Elmar Volkmann und fügte an: „Um die Zukunft des SCP muss man sich zumindest in der 2. Liga keine großen Sorgen machen." Spätestens die Entwicklung in den beiden Drittliga-Spielzeiten 2016/17 und 2017/18 habe aber gezeigt, dass eine Ausgliederung der Profiabteilung unumgänglich sei, um künftige Krisen überhaupt meistern zu können. Bei Transferpolitik schnell sein Große Sprünge kann sich der SCP jedoch auch fortan nicht leisten. „Wir müssen andere Wege gehen. Wir müssen vor allem schneller sein als andere", bekräftigte Sport-Geschäftsführer Markus Krösche und hat dabei vor allem die Transferpolitik im Blick. So müsse der SCP im Scoutingbereich im Vergleich zu anderen Klubs noch mehr über den Tellerrand schauen. „Das zeigen ja unsere jüngsten internationalen Transfers", so Krösche, der bei der Mitgliederversammlung ein ganz dickes Dankeschön an die Mannschaft und den gesamten Mitarbeiter-Stab richtete. „Mit der Art und Weise, wie der SCP 2018 agiert hat, wurde eine neue Ära eingeleitet. Aber es ist nur der Anfang. Zufriedenheit bedeutet Stillstand. Und Stillstand bedeutet Rückschritt. Wir müssen daher diesen Weg beibehalten. Und es wird ein schwieriger Weg", sagte der Sport-Geschäftsführer. Und eben jener Weg muss nun ohne Wilfried Finke gemeistert werden.

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