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Schwierig: Weil der Niedrigzins auch die Banken belastet, kündigen einige Banken ihren Kunden deren lukrative Verträge. - © picture alliance
Schwierig: Weil der Niedrigzins auch die Banken belastet, kündigen einige Banken ihren Kunden deren lukrative Verträge. | © picture alliance

Zinsen Sparkasse kündigt Prämien-Sparverträge

Mit Verweis auf die Niedrigzinsphase hat die Sparkasse Nürnberg 21.000 Verträge gekündigt. Die Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica will das für die Zukunft zumindest nicht ausschließen

Stefan Schelp
30.07.2019 | Stand 30.07.2019, 22:38 Uhr
Christian Burmester

Bielefeld. Als wären die Sparer nicht schon genug gebeutelt in der nicht enden wollenden Phase der Niedrigzinsen: Jetzt hat die Sparkasse Nürnberg 21.000 für Kunden lukrative Prämiensparverträge aus den Jahren 1993 bis 2005 gekündigt. Ganz lapidar verweist das Geldhaus auf die Niedrigzinsphase und sieht darin einen ausreichenden Kündigungsgrund. Im Klartext: Die Sparkasse erzielt wegen der niedrigen Markt-Zinsen mit den Spareinlagen ihrer Kunden nicht genug Rendite, um die versprochenen Zinsen auszuzahlen. Ob die Sparkasse Nürnberg damit durchkommt, ist noch nicht erwiesen. Allerdings hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Sparkasse Stendal in einem ähnlichen Fall nach dem Erreichen der höchsten Prämienstufe ein ordentliches Kündigungsrecht ausüben dürfe. Verbraucherschützer argumentieren dagegen, dass jeder Fall und jedes Prämiensparmodell einzeln betrachtet werden müsse. Verbraucher können auch nicht einfach kündigen Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, warnte die Sparkassen zudem vor einem Glaubwürdigkeitsverlust. Verbraucher könnten auch nicht Kreditverträge einfach kündigen, weil sie die Zinsen als zu hoch empfänden. Die Verbraucherzentralen empfehlen, Kündigungen schriftlich zu widersprechen. Auch bei Alternativangeboten der Banken zu gut laufenden Bau- und Prämiensparverträgen sollten Betroffene skeptisch bleiben. Bei der Prüfung der Widerspruchsmöglichkeiten sollten Verbraucherzentralen oder Fachanwälte herangezogen werden, so die Empfehlung. Für Verständnis wirbt dagegen Daniel Bauer, Chef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Für betroffene Kunden ist das zwar bitter, aber generell aus Sicht der Banken auch nachvollziehbar. Würden sämtliche nicht profitablen Verträge beibehalten, würde das mittel- bis langfristig wohl zu schweren wirtschaftlichen Folgen bis zur Insolvenz für die Institute führen." "Können Kündigungen für die Zukunft nicht ausschließen" Entscheidungen wie die der Sparkasse Nürnberg sind auch in OWL nicht auszuschließen - zumindest bei der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica. Sie biete den Kunden seit Jahrzehnten Prämiensparverträge an, daher beständen unterschiedliche Vertragsgestaltungen, erklärt Sprecher Christof Kuczera. Der Zins- und Prämienaufwand sei für die Sparkasse eine bedeutsame Größe. "Wir haben die BGH-Entscheidung zur Kenntnis genommen. Wir planen derzeitkeine Kündigung von Prämiensparverträgen, können diese bei einer weiteren Verschärfung der EZB-Zinspolitik für die Zukunft aber leider nicht ausschließen", sagt Kuczera. Zwar haben auch die Vorstandschefs der Sparkasse Bielefeld in der Vergangenheit vernehmlich über die Last geklagt, die Mario Draghi ihnen auferlegt. Aber zu solch drastischen Schritten wie ihre Kollegen in Nürnberg sind sie nicht zu haben. Bei der Sparkasse gebe es „keinerlei Überlegungen in diese Richtung", sagt Sprecherin Rabea Schulze. Zwar gebe es auch bei der Sparkasse Bielefeld eine Vielzahl von Prämiensparverträgen. Allerdings sollen die unangetastet bleiben, versichert sie. So klingt das auch bei der Verbundvolksbank OWL. „Die Prämiensparverträge unserer Kunden – bei uns „Ratensparen Plus" – sind nicht in Gefahr", sagt Bank-Sprecherin Sylvia Hackel. „Wir halten die Verträge, die wir mit unseren Kunden vereinbart haben, ein." Die Verbundvolksbank habe aktuell rund 18.000 Verträge mit einem Volumen von 124 Millionen Euro im Bestand. Der Grundzins liegt aktuell bei 0,025 Prozent. Commerzbank ist nicht betroffen Bei der Volksbank Bielefeld-Gütersloh habe sich noch niemand mit dem Thema beschäftigt, sagt Monika Llewelyn. „Da sind die Nürnberger wohl die einzigen", vermutet sie. Die Commerzbank Bielefeld, zuständig für weite Teile von Ostwestfalen, ist ohnehin aus dem Schneider. Prämien-Sparverträge wie die der Sparkasse Nürnberg habe die Bank nicht im Angebot. Unterdessen könnten die Strafzinsen für Banken, die ihr Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, bald steigen. Derzeit liegen sie bei 0,4 Prozent. Sie könnten auf 0,5 Prozent steigen – der Druck auf die Banken – und in der Konsequenz für die Kunden würde damit nochmals steigen.

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