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Was tun mit dem Geld? Sparen war schon mal leichter, Geld verdienen für Banken aber auch. - © dpa
Was tun mit dem Geld? Sparen war schon mal leichter, Geld verdienen für Banken aber auch. | © dpa

Wirtschaft Zinswende adé: Sparer müssen mit Mehrkosten rechnen

Zinserhöhungen im Euroraum sind vorerst vom Tisch, die Europäische Zentralbank kann sich sogar Negativzinsen vorstellen. Das wird nach Einschätzung mancher über kurz oder lang die Bankkunden treffen

Björn Vahle
26.07.2019 | Stand 26.07.2019, 18:33 Uhr

Frankfurt am Main. Eine von Sparern erhoffte und von Kreditnehmern befürchtete Zinswende im Euroraum rückt in weite Ferne. Die Europäische Zentralbank (EZB) öffnet angesichts düsterer Wirtschaftsaussichten und schwacher Inflation die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Europas Währungshüter gehen davon aus, dass die Zinsen mindestens über die erste Hälfte des Jahres 2020 auf ihrem aktuellen Niveau oder „darunter" bleiben werden. Damit sind Zinssenkungen eine Möglichkeit. Was nach dem Dafürhalten mancher Strafzinsen für Sparer bald unausweichlich machen könnte. Der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider hatte das zuletzt ausdrücklich nicht mehr ausgeschlossen. „Wir wollen das nicht. Aber wenn dieses Zinsniveau auf einer langen Achse fortgeschrieben wird, dann wird der betriebswirtschaftliche Druck so groß, dass sich niemand mehr Negativzinsen entziehen kann." Ähnlich sieht es Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Banken, die aktuell ein kostenloses Konto anbieten, dies angesichts der Zinspolitik die nächsten Jahre oder Jahrzehnte durchhalten." "Große Sorge", aber noch keine flächendeckenden Negativzinsen Auch in OWL sieht man die Situation „mit großer Sorge", wie Christoph Kaleschke, Sprecher der Sparkasse Bielefeld, auf Anfrage mitteilte. Die Entscheidung der EZB behalte zwar vorerst den Status Quo bei, sei aber „diskussionswürdig". Man wolle dennoch nicht spekulieren, wie sich das auf Sparer auswirken wird – oder wann. Die Sparkasse Paderborn-Detmold erhebt allerdings bereits seit 2017 für Einlagen ab zwei Millionen Euro einen Negativzins von 0,4 Prozent. Dasselbe gilt für die Verbund-Volksbank OWL, die „Verwahrentgelte" auf Einlagen oberhalb von bereits einer Million Euro erhebt. Droht das irgendwann auch allen anderen Privatkunden? „Aktuell gibt es bei uns keine Planungen hinsichtlich der Einführung von Negativzinsen für Privatkunden", sagt zumindest Sylvia Hackel, Sprecherin der Verbund-Volksbank OWL. Die Kunden suchten sich bereits andere Anlageformen, „insbesondere im Wertpapierbereich, um dem Vermögensverzehr durch die Niedrigzinsphase entgegenzuwirken". Strafzins für Banken könnte trotzdem weiter steigen Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), warnt: „Wenn die Negativzinsphase weiter anhält oder gar noch weiter verschärft wird, wird das für die Wirtschaft und für jeden in diesem Land deutlich spürbar werden." Die Währungshüter beließen den Leitzins vorerst auf dem Rekordtief von null Prozent. Banken erhalten somit frisches Geld bei der Notenbank zum Nulltarif. Auch an den 0,4 Prozent Strafzinsen, die Kreditinstitute zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, rüttelte die Notenbank nicht. Es gilt aber als möglich, dass die EZB den Strafzins erhöht.

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