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Am Tagebau Garzweiler fräst sich der Bagger durch die Landschaft. Ganze Dörfer müssen für den Kohleabbau weichen. - © Matthias Schwarzer (Archiv)
Am Tagebau Garzweiler fräst sich der Bagger durch die Landschaft. Ganze Dörfer müssen für den Kohleabbau weichen. | © Matthias Schwarzer (Archiv)

Erkelenz Der Hambacher Forst bleibt erst mal - doch RWE rodet schon das nächste Waldstück

Im Schatten der großen medialen Aufmerksamkeit hat der Energierkonzern wieder die Rodungsmaschinen angeworfen - 30 Kilometer nördlich des Hambacher Forsts. Die erste Bäume sind schon gefällt.

Matthias Schwarzer
04.02.2019 | Stand 05.02.2019, 11:39 Uhr

Erkelenz. Die geplante Rodung des Hambacher Forstes für den Kohleabbau hat im Herbst ein riesiges Echo erzeugt. Tausende Menschen hatten für den Erhalt des Waldes demonstriert. Mit einer spektakulären Entscheidung hatte das Oberverwaltungsgericht Münster die Rodungspläne des Energiekonzerns RWE zunächst gestoppt. Im Schatten der großen medialen Aufmerksamkeit hat der Energiekonzern nun aber wieder die Rodungsmaschinen angeworfen - und zwar etwa 30 Kilometer weiter nördlich, im Gebiet des Braunkohletagebaus Garzweiler. Hier wurden bereits die ersten Bäume eines kleinen Waldgebiets gefällt - die Dörfer nebenan werden bald dem Tagebau zum Opfer fallen. Das Waldstück muss offenbar weg, weil RWE hier eine Umgehungsstraße bauen will. Diese werde laut dem Bündnis "Alle Dörfer bleiben" jedoch frühestens ab 2027 benötigt, wenn für den Braunkohletagebau die Dörfer Kuckum, Keyenberg und Westrich umgesiedelt werden müssen. Ob das aber überhaupt noch passiert, ist angesichts großer Proteste aus der Bevölkerung jedoch fraglich. EILMELDUNG Jetzt fallen auch erste Bäume im Kuckumer Wald. RWE lässt sie roden um eine Umgehungsstraße zu bauen. Die Umgehungsstraße wird nur gebraucht wenn alle Dörfer zerstört würden. Der Auftrag kommt vom Straßenamt, ist 4(!) Jahre alt und wir in diesem Moment ausgeführt. pic.twitter.com/iQzqmHOkxb — Kuckum Bleibt (@KuckumBleibt) 30. Januar 2019 Mahnwache am Montagmorgen "Die Umsiedlungen sind nach den Ergebnissen der Kohlekommission nicht mehr nötig", schreibt das Bündnis zum Erhalt der Dörfer in einer Mitteilung. Die Aktivisten aus den betroffenen Orten werfen RWE vor, das Leben vor Ort "zur Hölle" zu machen, um die Menschen zur Umsiedlung zu treiben. Für Montag, 8 Uhr, haben die Bewohner zu einer Mahnwache im Bereich der Rodungen am Keyenberger und Kuckumer Wald aufgerufen. Ziel sei es, die Bauarbeiten zu stoppen. Lesen Sie auch: Die letzten Tage eines Geisterdorfs - wie der Kohletagebau ganze Orte verschlingt Guido Steffen, Pressesprecher von RWE Power relativiert die Darstellungen der Bewohner. "Es ist nicht richtig, dass wir begonnen hätten, einen Wald zu roden. Stattdessen handelt es sich um die Eingrünung von Spielbahnen des Golfplatzes Rittergut Wildenrath. Die Fällung der rund 200 kleinen und mittelgroßen Bäume und Sträucher war genehmigt und auch mit dem Eigentümer abgestimmt", so Steffen. Richtig sei aber, dass die Arbeiten für den Bau einer neuen Landstraße nötig seien. Die führe heute durch einen Bereich, "in dem der Tagebau Garzweiler bereits in wenigen Jahren gewinnen wird", so Steffen. Die rechtzeitige Verlegung der Landstraße sei darum notwendig. Ganze Dörfer verschwinden "Wir nehmen diese Schikanen durch RWE nicht länger hin", so Martina Himmelreich aus Keyenberg. "Diese Rodungen sollen uns doch bloß zeigen, dass RWE sich nicht an die Ergebnisse der Kohlekommission halten wird und unsere Dörfer verschwinden sollen. Die haben seit vier Jahren eine Genehmigung, bräuchten die Straße erst in neun Jahren, und fangen ausgerechnet jetzt an, hier Bäume zu fällen und unsere Natur zu asphaltieren?". Das Bündnis "Alle Dörfer bleiben" wolle sich mit der Mahnwache den Rodungen in den Weg stellen und "das Faktenschaffen durch RWE" verhindern. "RWE muss gestoppt werden!", so David Dresen aus Kuckum. "Und wenn die Landesregierung diese Zerstörung von Natur und Dörfern nicht verhindert, dann nehmen wir das selbst in die Hand." Für den Braunkohletagebau im Rheinland verschwinden seit Jahren ganze Ortschaften. Zuletzt hatte der Abriss des Immerather Doms Anfang 2018 Proteste ausgelöst. Gebracht haben sie jedoch nichts: Die historische Kirche fiel dem Bagger zum Opfer - das Dorf ist inzwischen gänzlich verschwunden.

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