Jahrelang sollen auf dem Campingplatz in Lügde Kinder missbraucht worden sein. Hinweise gab es schon früh. - © picture alliance/dpa
Jahrelang sollen auf dem Campingplatz in Lügde Kinder missbraucht worden sein. Hinweise gab es schon früh. | © picture alliance/dpa

Zahl der Opfer steigt Missbrauchsskandal Lügde: Anzeige gegen einen Ex-Ermittlungsleiter

Der Skandal in dem Fall weiter sich aus. Die Zahl der Opfer steigt weiter an

Düsseldorf/Detmold. Die skandalösen Vorgänge rund um den schwersten Fall von Kindesmissbrauch in der NRW-Geschichte scheinen ein Fass ohne Boden zu sein. Inzwischen hat der neue vom Land eingesetzte Kripo-Chef in Detmold, Matthias Brand, Strafanzeige gegen den zeitweiligen Leiter der Ermittlungskommission „Camping" der Polizei Lippe, die zunächst die Ermittlungen im Fall Lügde führte, erstattet. Vorwurf: Strafvereitelung in einem anderen Sexualstrafverfahren und Siegelbruch in zwei weiteren Ermittlungsverfahren. Verschwundene Beweise Alle drei Strafverfahren wurden von dem Beamten geführt, in allen drei Verfahren sind Beweismittel verschwunden. In dem Sexualstrafverfahren – Opfer ist eine erwachsene Frau – sind die verschwundenen Beweismittel so wichtig, dass unter Umständen ein Tatnachweis nicht mehr zu führen sei, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul jetzt im Landtag. Der Vorgang ist umso schwerwiegender, als der Beamte auch den Kommissariatsanwärter betreut hat, der die 155 Datenträger im Kindesmissbrauchsfall von Lügde gesichtet hat und die nun ebenfalls verschwunden sind. In diesem Fall hat die Detmolder Staatsanwaltschaft inzwischen Ermittlungen wegen Diebstahlsverdacht gegen Unbekannt eingeleitet. Offenbar glaubt nun auch in Detmold niemand mehr, dass die CDs nur „verlegt" worden sind. Die Zahl der Opfer steigt weiter Die Zahl der Opfer vom Campingplatz in Lügde steigt weiter. Inzwischen wird nicht mehr ausgeschlossen, dass es 50 oder noch mehr sind. Nach Angaben von Innenminister Reul gelten 34 Opfer als sicher. Bei weiteren 14 Kindern besteht ein Verdacht – „Tendenz weiter steigend", wie Reul anmerkte. Insgesamt handele es sich um 34 weibliche und 14 männliche Personen. Alle würden im Rahmen des Opferschutzes betreut. 60 Polizeibeamte arbeiten fieberhaft an den Ermittlungen. Fast 3,3 Millionen Bilddateien und mehr als 86.000 Videodateien müssen ausgewertet werden. Damit seien zurzeit 24 IT-Spezialisten der Polizei beschäftigt, so Reul. Inzwischen gerät auch Innenminister Herbert Reul selbst immer mehr in die Kritik. Vor allem die Grünen werfen ihm vor, das wahre Ausmaß des Falls zu lange ignoriert zu haben. Obwohl spätestens seit dem 11. Januar bekannt gewesen sei, dass es mindestens 30 Opfer gegeben habe, habe das Innenministerium den Fall erst fast drei Wochen später an die Kriminalhauptstelle nach Bielefeld gegeben, sagte Verena Schäffer (Grüne). Bis dahin haben lediglich vier, später acht Beamte in Lippe an den Ermittlungen gearbeitet.

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