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Schüler demonstrieren in Basel für besseren Klimaschutz. - © picture alliance/KEYSTONE
Schüler demonstrieren in Basel für besseren Klimaschutz. | © picture alliance/KEYSTONE

Kommentar Laschets Kritik am Klimastreik beweist, dass die Schüler richtig liegen

Glaubwürdiger wäre es, wenn sie in ihrer Freizeit demonstrieren, also ein persönliches Opfer bringen würden, findet der NRW-Ministerpräsident. Das tun sie aber bereits. Ein Kommentar

Björn Vahle
06.02.2019 | Stand 06.02.2019, 19:54 Uhr

Armin Laschet findet, es wäre ein stärkeres Signal, wenn die Schüler, die für das Klima die Schule schwänzen, ihren Protest in die Freizeit verlegen würden. Ein "persönliches Opfer" sei glaubwürdiger, sagte der NRW-Ministerpräsident. Damit beweist er zwei Dinge: Er hat nicht verstanden, worum es geht. Und: Die Schüler liegen richtig. Wenn Politiker über (das heißt: nicht mit) jungen Menschen sprechen, kommt ja in der Regel nichts Gutes dabei heraus. In diesem Fall sind es zwei Dinge, die für die Ohren der tausenden von Schülern in Deutschland, die sich gerade beispiellos für ihre Zukunft engagieren, wie eine Beleidigung klingen müssen. Erstens: Laschet hat öffentlich seine Ignoranz entblößt. Dass die Schüler in ihrer Schulzeit streiken, soll die Dringlichkeit des Klimaschutzes klar machen. Dieser Grund hat kein Glaubwürdigkeitsproblem, im Gegenteil. Er ist glaubwürdiger als das meiste, was die deutsche Politik bisher gegen den Klimawandel unternimmt. Die Klimaziele für 2020 verfehlt Deutschland einmal mehr deutlich. Ein Glaubwürdigkeitsproblem hat eher jemand, der angesichts immer offensichtlicherer Auswirkungen der Erderwärmung nicht mehr zugestehen kann als: "Ich verstehe das, dass man besorgt sein kann um den Klimawandel." Besorgnis reicht längst nicht mehr aus. "Ich will, dass Ihr in Panik geratet", hat Greta Thunberg gesagt. Armin Laschet hat das offenbar nicht gehört. Oder noch schlimmer: überhört. Beides wäre eines politischen Entscheidungsträgers nicht würdig. Liebe Schüler, lasst euch nicht von Armin Laschet bremsen Zweitens begeht Laschet den schlimmsten Fehler, mit dem man junge Menschen beleidigen kann: Er unterschätzt sie. Ihr Protest ist bereits ein persönliches Opfer. Sie verzichten auf einen Teil ihrer Bildung, um die bräsigen Alten aufzurütteln. Damit sie zu einer Reaktion gezwungen sind. Damit sie nicht milde lächelnd aus dem parlamentarischen Ohrensessel applaudieren und sich dann vermeintlich Wichtigerem zuwenden können. Und man muss sagen: Wie sie bisher reagiert haben, gibt den Schülern in jedem Punkt recht. Hass, persönliche Diffarmierung, Kleinreden, Verleumdung. Das sind Reaktionen von Machthabern, die um den Status Quo fürchten. Insofern also alles richtig gemacht, liebe Schüler. Man kann nur hoffen, dass Laschets Klaps von einer Erziehungsmaßnahme ihnen nicht den Wind aus den Segeln nimmt. Nein, ich möchte das klarer formulieren: Lasst euch davon nicht bremsen! Man darf sich aber eigentlich nicht über Laschets Aussagen wundern. Er hat zwar durchaus Zeiten erlebt, in denen seine Generation aufstand, für Frieden und gegen Atomkraft demonstrierte. Das war aber samstags, sagt Laschet. Selbst hat er nicht mit demonstriert. Er sei anderer Meinung gewesen, vermutlich nur bei letzterem. Das ist völlig legitim. Aber nun zu versuchen, den Protest der Schüler zu diskreditieren, weil sie - so klingt Laschet - lieber zur Schule gehen sollen, als sich um "sowas" zu kümmern, ist ein merkwürdiges Manöver. Immerhin haben sie offensichtlich verstanden, wie wichtig das Thema ist. Dass das auch für Armin Laschet gilt, hat er mit seinen Aussagen erfolgreich in Zweifel gezogen. Kontakt zum Autor

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