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Die Ärzte Gerhard Sandmann (v.l.), Simone Warnecke, Christiane Schütte, Christian Kirsch und Dieter Welling verlassen das Salzkottener Krankenhaus. - © Svenja Ludwig
Die Ärzte Gerhard Sandmann (v.l.), Simone Warnecke, Christiane Schütte, Christian Kirsch und Dieter Welling verlassen das Salzkottener Krankenhaus. | © Svenja Ludwig

Salzkotten Darum verlassen Ärzte und Schwestern das Krankenhaus in Salzkotten

Nach 17 Jahren geht der beliebte Chefarzt Gerhard Sandmann

Svenja Ludwig
02.07.2019 | Stand 02.07.2019, 15:38 Uhr

Salzkotten. Wenn insgesamt sechs Ärzte und noch mehr Schwestern ein Krankenhaus quasi zeitgleich verlassen, wirft das Fragen auf. Wenn dann klar wird, dass an eben jenem Krankenhaus tiefgreifende Veränderungen geplant sind, lassen sich durchaus Rückschlüsse ziehen. Aber nein, betont Gerhard Sandmann, der nun Ex-Chefarzt des St.-Josefs-Krankenhaus Salzkotten, in seiner Abschiedsrede gleich mehrmals: "Ich bin nicht gegen die Geriatrie." Im Gegenteil. Die Planungen nährten seine Hoffnung auf Weiterentwicklung. Die kleine Sälzer Klinik, ein Standort des Paderborner St.-Vincenz-Krankenhauses, gilt als besonders beliebt. Bei einem Ranking in Sachen Patientenzufriedenheit der Krankenkassen schafft es das Haus sogar auf Platz eins. Für die rund 350 Gäste der inoffiziellen Abschiedsfeier der Mediziner in Salzkotten-Thüle ist klar, dass der Hauptverdienst dafür bei Chefarzt Gerhard Sandmann liegt. Es sei bekannt, dass das "Wohl der Patienten stets an erster Stelle stand", resümierte zum Beispiel Salzkottens Rathauschef Ulrich Berger. "Sandmann lebt nicht, um zu arbeiten, sondern lebt seine Arbeit mit Herz und Seele", beschreibt Kollege und Freund Ali Canbay von der Uniklinik Magdeburg. "Gerd ist mit Leib und Seele Krankenhausarzt", konstatiert Uli Polenz, Allgemeinmediziner aus Paderborn-Wewer. "Es hätte eine Erfolgsgeschichte bleiben können" Warum verlässt so jemand dann die Klinik - und das, obwohl der Ruhestand absehbar war? Die Entscheidung der Klinik-Geschäftsführung, eine Geriatrie-Abteilung einzurichten war es offenbar nicht. Trotzdem scheint das Verhältnis zur Geschäftsleitung belastet. Häufig sei das Krankenhaus überbelegt gewesen, so Chefarztkollege Lutz Mahlke, ein Zeichen für die Unzufriedenheit. "Aus heutiger prozessorientierter Sicht aber sind zu viele Betten nicht gut", meint er. Ging es also immer mehr um den finanziellen Gewinn? Wurde das Sandmann zu viel? Möglich. "Was ich niemals geändert hätte, ist meine Philosophie", so Sandmann. Rückblick: 2002 wird Sandmann Chefarzt in Salzkotten. Damals sei die Situation nicht leicht gewesen, erinnern sich einige Redner der Abschiedsfeier. Mit Sandmann jedoch habe die Entwicklung "richtig Fahrt aufgenommen", rekapitulieren die ehemaligen Sälzer Oberärzte Christian Kirsch und Dieter Welling, "eigentlich hätte es eine Erfolgsgeschichte bleiben können". 2014 jedoch sei es - auch wenn es bereits zuvor "nicht immer leicht mit der Geschäftsführung" gewesen sei - zum Bruch gekommen. Ein Assistenzarzt sei kurz vor einer Prüfung entlassen worden, werfen die Oberärzte vor: "Um Geld zu sparen." Eine Oberarztstelle sei "per Dekret von oben nicht wiederbesetzt" worden. Die Bedingungen seien immer schlechter geworden und die Wertschätzung habe gefehlt. "Wir gehen nicht im Zorn" Auch Sandmann selbst empfindet 2014 als Wendepunkt. Innovationen seien, obgleich wichtig für das Haus, ausgeblieben. Seine Familie habe seitdem immer wieder gefragt, warum er sich die Arbeit noch antue. "Und irgendwann wusste ich nicht mehr warum." Mit Sandmann gehen viele weitere. Wieso? "Ich finde es nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen, die so eng zusammen gearbeitet haben, auch gemeinsam verändern möchten", erklärte Geschäftsführer Josef Düllings bereits vor wenigen Monaten, als das Thema zum ersten Mal öffentlich diskutiert wurde. Bei der privat organisierten Abschiedsfeier klingt das anders. Sandmanns "Prachtjungs", die Oberärzte Kirsch und Welling, hätten bleiben wollen, wie Sandmann betonte. Die Geschäftsführung habe aber monatelang nicht reagiert. Das bestätigen die Oberärzte. "Wir gehen nicht in Zorn, aber in Wehmut."

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