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Unterhalb der Mauern am Paderborner Dom kamen einige frühmittelalterliche Gräber zu Tage, die sorgfältig freigelegt wurden. - © LWL/S. Coesfeld
Unterhalb der Mauern am Paderborner Dom kamen einige frühmittelalterliche Gräber zu Tage, die sorgfältig freigelegt wurden. | © LWL/S. Coesfeld

Paderborn Forscher entdecken Jahrhunderte alte Gräber am Paderborner Dom

Die Archäologen graben erstaunlich gut erhaltene Skelette aus

11.09.2019 | Stand 11.09.2019, 16:29 Uhr

Paderborn. Archäologen haben bei Ausgrabungen am Domvorplatz in Paderborn Bestattungen eines alten Friedhofs freigelegt, die sich bis zur Zeit Karls des Großen und der Ottonen im 9. und 10. Jahrhundert zurückführen lassen. Außerdem entdeckten sie die Überreste von gleich drei Mauern aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Die Forscher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) begleiteten die Ausgrabung einer Fachfirma auf dem Domvorplatz. Weil es sich dabei um einen historisch wertvollen Bereich des Stadtkerns handelt, wurde eine archäologische Untersuchung notwendig. "Obwohl der Bereich durch Wasserleitungen und Stromkabel zur Versorgung von Diözesanmuseum und Dom gestört wird, ist immer noch mit historischen Befunden zu rechnen", erklärt Sveva Gai, Stadtarchäologin Paderborns von der LWL-Archäologie für Westfalen. Ein vier mal vier Meter umfassender Schnitt wurde durch die Pflasterung und in die darunterliegenden Auffüllschichten gezogen. Und tatsächlich stießen die Archäologen hier auf einen zum Teil "ungestörten" Bereich. Enorm große Zeitspanne Spannend sind laut Grabungsleiter Ralf Mahytka die Schichten unterhalb der neuzeitlichen Bausituation, da hier mindestens drei Mauern aus unterschiedlichen Phasen übereinanderliegen. "Hieraus ergibt sich eine Zeitspanne, die vom 9. und 10. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert reicht." Unter dem untersten Mauerzug, der nur in Teilen freigelegt werden konnte, kam schließlich eine vollständige Bestattung zum Vorschein. Sie wird von der Ältesten der drei Mauern überlagert. Die Knochen sollen erstaunlich gut erhalten sein, was wohl auf die Zusammensetzung des Bodens zurück zu führen ist. "Die freigelegten Bestattungen gehören womöglich in die karolingisch-ottonische Phase und deuten auf eine Nutzung dieses Areals bereits ab dem 9. Jahrhundert hin", erläutert der zweite Grabungsleiter Robert Gündchen. Nach neuen Erkenntnissen erstreckte sich der Friedhof im Hoch- und Spätmittelalter jedoch nicht allzu weit nach Westen. Die zu Beginn des 11. Jahrhunderts durch Bischof Meinwerk erbaute Aula und der am Ende des 12. Jahrhunderts begonnene Neubau des Domes scheinen die Nutzung dieses Areals als Bestattungsplatz beendet zu haben. Immer wieder Funde vor dem Dom Schon archäologische Untersuchung der 1970er Jahre hatte in einem weiteren, nördlich liegenden Schnitt Bestattungen freigelegt, die anhand der Schichtenabfolge in die Zeit vor dem 11. Jahrhundert datiert wurde. Zeitlich ordnen sich die Bestattungen damit in eine Phase ein, die noch vor der Neugestaltung dieses Abschnittes der Domburg durch Bischof Meinwerk liegt. "Einmal mehr wird deutlich, wie sogar die kleinste Maßnahme zusätzliche Puzzleteile zur Rekonstruktion der Baugeschichte Paderborns und ihrer historischen Zusammenhänge beitragen kann", so Stadtarchäologin Gai. Zuletzt waren Archäologen im Februar am Dom auf Gräber aus dem Mittelalter gestoßen. Die drei Bestattungen gehören zu Personen, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammen.

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