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Horst Freisinger (v. l.), Claudia Hering, Sylvia Bonefeld, Helmut Wiesner und Marie-Theres Sprick setzen sich für Gehörlose und Schwerhörige ein. - © Kristina Grube
Horst Freisinger (v. l.), Claudia Hering, Sylvia Bonefeld, Helmut Wiesner und Marie-Theres Sprick setzen sich für Gehörlose und Schwerhörige ein. | © Kristina Grube

Paderborn Hier werden Gehörlose in Paderborn unterstützt

Seit mehr als 30 Jahren ist die Beratungsstelle für Hörgeschädigte ein wertvoller Anlaufpunkt

Kristina Grube
08.07.2019 | Stand 07.07.2019, 16:42 Uhr

Paderborn. Bei Rollstuhlfahrern und blinden Menschen kann sich jeder vorstellen, wo Barrieren im Alltag auftreten könnten. Doch wie sieht das bei Gehörlosen aus? „Da vergisst man oft, dass auch sie Schwierigkeiten haben", sagt Claudia Hering, Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Hörgeschädigte in Paderborn. Seit 34 Jahren haben Schwerhörige und Gehörlose dort in der Bleichstraße 70 eine Anlaufstelle bei Problemen und Fragen. Wenn ein Arzttermin anstehe, sei es notwendig, dass ein Hörender mitkommt und dolmetscht, erklärt Hering. Nur so könne dem Arzt präzise erklärt werden, was der Patient hat und auf der anderen Seite über Gebärdensprache genau erklärt werden, was der Arzt dazu sagt. Das übernehmen die Mitarbeiter der Beratungsstelle – dafür gibt es drei halbe Stellen in der Beratung sowie zwei volle Stellen, die sich um den Bereich „Betreutes Wohnen" und die sozialpädagogische Familienhilfe kümmern. „Wenn eine gehörlose Mutter eine Tagesmutter sucht, helfen wir dabei. Wir stellen den Kontakt her, begleiten das erste Kennenlernen und sind hier behilflich, die Abstimmungen zu dolmetschen", erklärt Mitarbeiterin Sylvia Bonefeld. "Im Vergleich zu anderen Städten gut ausgestattet" „Im Vergleich zu anderen Städten sind wir in Paderborn da schon gut ausgestattet", sagt Claudia Hering. Das Angebot sei zudem kostenfrei und könne bei Bedarf auch anonym oder in einem Einzelgespräch behandelt werden – kein Schwerhöriger oder Gehörlose, der Hilfe bei der Beratungsstelle suchte, müsse einen Ausweis zeigen oder andere Angaben machen. „Die Hürde, sich hier zu melden, haben wir so bewusst ganz gering gehalten", sagt Bonefeld. Alle Bereiche – außer diejenigen, die den Arbeitsplatz beträfen -würden sie abdecken. Häufige Fragen gebe es bei behördlichen Schreiben oder der Steuererklärung. „Wir können und dürfen hier zwar nichts ausfüllen, aber wir erklären Dinge, die unklar sind. Oder wir wissen durch die langjährige Praxiserfahrung, wo wir fehlende Informationen herbekommen", erklärt Bonefeld. Denn lesen, das könnten Gehörlose je nach dem Zeitpunkt des Eintretens und anderer Faktoren mal besser oder schlechter. „Leider sind Alphabetisierungs-Angebote für Gehörlose selten und weiter weg als für Hörende", erklärt Hering. Neben den ernsten Themen darf aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Renate Nowatzki gehe mit den hörgeschädigten Jugendlichen ins Kino oder koche regelmäßig mit ihnen. Als nächstes sei ein Ausflug zum 3D-Schwarzlicht-Golf geplant. Die Erwachsenen unternehmen in ihren Gruppen wie die „lustigen Mäuse" oder dem „Frauencafé" unterhaltsame Aktionen und tauschen sich bei spezifischen Problemen untereinander aus. „Welches Mikrofon am besten funktioniert oder ob ein Implantat sinnvoll ist, da können Betroffene viel besser weiterhelfen", erklärt Vereinsvorsitzender Helmut Wiesner, der schwerhörig ist. Erste gute Ansätze Fragt man den stellvertretenden Vorsitzenden Horst Freisinger, wie der Name „lustige Mäuse" zu Erwachsenen passt, muss er schmunzeln. Seine Tochter Marie-Theres Sprick übersetzt seine Antwort: „Das kommt daher, weil die Gruppe gegründet wurde, als die ersten Mitglieder noch Kinder waren. Und nun sind wir eben erwachsen, aber der Name ist derselbe geblieben." Es gebe zwar noch einige Bereiche, in der die Stadt und die Allgemeinheit das Leben von Gehörlosen erleichtern könnten, doch erste gute Ansätze gebe es durchaus auch schon: von Dolmetschern geführte Museums-Touren, geeignete Beschilderungen am Padersee oder erste Groß-Veranstaltungen mit einem Gebärden-Dolmetscher. "Wichtig ist, dass die Allgemeinheit ein Bewusstsein für die Schwierigkeiten von Gehörlosen und Schwerhörigen bekommt", sagt Hering.

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