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Defizitär: Der Flughafen Paderborn-Lippstadt kann die Investitionskosten in Millionenhöhe nicht aus eigener Kraft stemmen. - © Jens Reddeker
Defizitär: Der Flughafen Paderborn-Lippstadt kann die Investitionskosten in Millionenhöhe nicht aus eigener Kraft stemmen. | © Jens Reddeker

Büren Geldsorgen: Turbulente Zeiten für OWL-Airport Paderborn-Lippstadt

Einige Politiker tun sich schwer mit der Verdoppelung der Verlustabdeckung für den Flughafen. Experten sehen in ihm eine wichtige Infrastruktureinrichtung einer starken Wirtschaftsregion.

Matthias Bungeroth
09.07.2019 | Stand 10.07.2019, 15:12 Uhr

Büren. Die zivile Luftfahrt zeigt sich als stabiler Wirtschaftsfaktor in weltpolitisch turbulenten Zeiten. Von Januar bis Mai wurden an den deutschen Flughäfen 93,65 Millionen Passagiere gezählt. Das entspricht einem Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das sind Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), in dem auch der Flughafen Paderborn-Lippstadt Mitglied ist. Doch während ein Großteil des positiven Effekts auf die großen Drehkreuze wie Frankfurt, München, Düsseldorf oder Berlin entfallen, müssen Regionalflughäfen wie der OWL-Airport mit einigen Turbulenzen zurecht kommen. Es geht um einen jährlichen Fehlbetrag für Investitionen von bis zu fünf Millionen Euro bis zum Jahr 2022, mit dem Airport-Chef Marc Cézanne rechnet. Dies bedeutet, dass die Gebietskörperschaften als Anteilseigner die Verlustabdeckung verdoppeln müssten. IHK will kein stärkeres Engagement Ein Votum, das die Kreise Paderborn (Anteil am Airport: 56,38 Prozent), Höxter (3,92) sowie Hochsauerland (3,92) bereits abgegeben haben. Donnerstag steht die Entscheidung im Kreis Soest (12,26) an. Da der Fachausschuss positiv votiert hat, ist auch hier von einer Zustimmung auszugehen. In der Stadt Bielefeld (5,88) steht eine Zustimmung noch aus. Der Kreis Gütersloh (7,84) hat seine Abstimmung vertagt, in Lippe will der Ältestenrat des Kreistages am Mittwoch über den jährlichen Mehrbedarf von 250.000 Euro entscheiden. Dennoch mehren sich die Stimmen, die ein langfristiges Betriebskonzept für den Flughafen einfordern und auch jene, die ein stärkeres Engagement der heimischen Wirtschaft sehen möchten. Doch dies weist Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, zurück. „Infrastruktur wie Schiene, Straße oder Flughäfen sind eine staatliche Aufgabe", sagt Grefe. Zwar sei der Nutzen des OWL-Airports „für die Wirtschaft nicht zu unterschätzen". Doch: „Die Touristik hat eine noch höhere Bedeutung." Deshalb bezeichnet Grefe Fragen nach einer Beteiligung der Wirtschaft an Verlusten des Airports als „nicht angemessen". Die Wirtschaft beteilige sich bereits über die Gewerbesteuer an der Finanzierung der Infrastruktur. Und: „Es fordert auch niemand, dass sich jemand an den Verlusten der A 33 beteiligt." Der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer setzt indessen auf eine „vernünftige Luftverkehrskonzeption in NRW". Von den sechs internationalen Airports schreibe nur Düsseldorf schwarze Zahlen. Nachbar-Airports wie Münster/Osnabrück oder Dortmund hätten deutlich höhere Verluste zu verkraften als Paderborn-Lippstadt. Regionalflughafen sei wichtiger Faktor „Eine Region, die wirtschaftlich kräftig ist, braucht auch einen wirtschaftlich geführten Flughafen", sagt Luftfahrtexperte Cord Schellenberg auf Anfrage. Die Existenz eines Regionalflughafens sei ein Faktor für die Attraktivität des Wohnens in der jeweiligen Region, so der Hamburger. Die Verbindungen, die dort angeboten würden, seien in erster Linie solche „für die Menschen da, die dort leben und arbeiten". Der Paderborner Flughafen habe „einen guten Heimatmarkt" und darüber hinaus seriös gewirtschaftet. Deshalb müsse man sehen, wie man zu einer sinnvollen Lösung hinsichtlich der Kosten für die Feuerwehr oder die Flugsicherung kommen könne. Allein der letztgenannte Posten verursacht für den Flughafen Paderborn-Lippstadt pro Jahr nach Cézannes Aussage rund 1,5 Millionen Euro Kosten. Diese Leistung könne auch über eine Tochter der Deutschen Flugsicherung erbracht und über eine Gebühr refinanziert werden, die an allen Flughäfen gleich sei, wie Cézanne erläuterte. Cézanne erläuterte zudem, dass der angestrebte Ausbau im Linienangebot für kleinere Flughäfen aktuell oft am Mangel von Flugzeugen auf dem Luftfahrtmarkt scheitere. Allein durch die Krise beim gesperrten Boeing-Flieger 737 Max habe der Airport dieses Jahr 170 Abflüge verloren. Flugpläne würden zusammengestrichen, was die kleineren Flughäfen besonders hart treffe.

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