Leopoldshöhe. Noch vor wenigen Wochen hatte die Wählergemeinschaft „Parteilose Unabhängige Bürger“ (PUB) bei einem Pressegespräch angekündigt, zur bevorstehenden Kommunalwahl zwar mit Kandidaten in allen 17 Wahlkreisen anzutreten, aber keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellen zu wollen. Vorsitzender Ulrich Meier zu Evenhausen begründete dies mit einem fehlenden Netzwerk, das für eine aussichtsreiche Kandidatur notwendig wäre. Inzwischen hat sich die Lage geändert.
Der Leopoldshöher Frank Elbrächter bewirbt sich nun um das Amt des Bürgermeisters. Nach eigenen Angaben verfügt er derzeit noch nicht über die erforderliche Anzahl an Unterstützungsunterschriften. Um die Bürgerinnen und Bürger über seine Kandidatur zu informieren und Unterstützung zu gewinnen, verteilen Elbrächter und Mitglieder der PUB derzeit Flugblätter, in denen er sich persönlich vorstellt. Ziel sei es auch, die nötigen Unterschriften für seine offizielle Zulassung zur Wahl zu sammeln.
Die PUB benötigt 180 Unterschriften, damit Elbrächter offiziell als Bürgermeisterkandidat anerkannt wird. Laut Gemeindeverwaltung richte sich die erforderliche Anzahl an Unterschriften nach der Größe des Gemeinderats und sei in der Kommunalwahlverordnung festgelegt. In Leopoldshöhe entspricht sie, so Heike Sunkovsky, Leiterin des Fachbereichs Zentrale Dienste, dem Fünffachen der Anzahl der Ratsmitglieder – bei aktuell 36 also genau 180. „Wir möchten 200 Unterschriften sammeln“, erklärt Elbrächter im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Dieses Ziel hält er für durchaus realistisch. „Wir erhalten derzeit schon viel Zuspruch aus der Bürgerschaft“, berichtet er.
Bekommt Hoffmann einen Gegenkandidaten?
Gelingt ihm dies, wäre Elbrächter der zweite Bewerber um das Amt des Bürgermeisters. Bereits Mitte April hatten sich die im Gemeinderat vertretenen Parteien auf den amtierenden Bürgermeister Martin Hoffmann als gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Die PUB hatte diese parteiübergreifende Einigung damals abgelehnt und als eindimensional sowie undemokratisch kritisiert.
Elbrächter sieht sich gemeinsam mit der PUB in der Mitte der Bürgerschaft verankert. Der Dialog mit den Menschen vor Ort stehe für ihn an erster Stelle. Die bevorstehende Kommunalwahl bezeichnet er als eine Schicksalswahl für Leopoldshöhe. Viele Bürgerinnen und Bürger fühlten sich seiner Einschätzung nach nicht ausreichend gehört oder vertreten. Aus diesem Grund fordert Elbrächter eine grundlegende Kehrtwende im Gemeinderat – hin zu mehr Bürgernähe, Transparenz und echter Beteiligung.
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Der 57-Jährige lebt mit seiner Partnerin im Leopoldshöher Ortsteil Schuckenbaum – seiner Heimat in dritter Generation, wie er selbst betont. In der Gemeinde legte er sein Abitur ab und spielte über viele Jahre hinweg aktiv Fußball. Beruflich bringt Elbrächter Erfahrung als Volljurist und Wirtschaftsjurist mit, zudem verfügt er über einen Bachelorabschluss in Psychologie. In Leopoldshöhe betreibt er den Schmuckgroßhandel „Ehawa“.
Mit diesen Themen will Elbrächter überzeugen
In seinem Flyer plädiert Elbrächter für einen Mindestabstand von 1.000 Metern zwischen Windrädern und Wohnbebauung. Ein entsprechender Antrag der PUB soll in der nächsten Sitzung des Hochbau- und Planungsausschusses am 3. Juli beraten werden.
Kritisch äußert sich Elbrächter auch zum geplanten Bauvorhaben Brunsheide, das er als „überdimensioniert und realitätsfern“ bezeichnet. Der entsprechende Bebauungsplan wurde von der Gemeinde bereits verabschiedet.
Ein weiteres zentrales Anliegen ist für Elbrächter die finanzielle Situation der Gemeinde. Die aus seiner Sicht bestehende Schieflage möchte er aktiv angehen und ausgleichen. Um die Handlungsfähigkeit der Kommune zu sichern, müssen laut Kämmerin Karin Glöckner bis 2029 insgesamt 14 Millionen Euro eingespart werden. Erstmals wird hierfür mit externer Unterstützung ein Haushaltskonsolidierungskonzept erarbeitet.
Darüber hinaus will sich der 57-Jährige besonders für die Kinderbetreuung, die Jugendarbeit und das Wohl der Seniorinnen und Senioren einsetzen. Auch eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung in Leopoldshöhe zählt zu seinen erklärten Zielen. Für Elbrächter steht fest: Die kommenden fünf Jahre werden entscheidend sein, um die Weichen für die Zukunft der Gemeinde Leopoldshöhe neu zu stellen.