Das Team: Claire Kaiser (vorn, r. mit Hund Barky) und ihr Team wollen mit ihrer Arbeit Menschen glücklich machen. - © Saskia Jochheim
Das Team: Claire Kaiser (vorn, r. mit Hund Barky) und ihr Team wollen mit ihrer Arbeit Menschen glücklich machen. | © Saskia Jochheim

Warburg Wie die Warburger Perückenmacherin Claire Kaiser ihre Kundinnen glücklich macht

Aber die gebürtige Amerikanerin mit den indianischen Wurzeln, dem quirligen Charakter und den widerspenstigen Locken ist noch viel mehr und sagt: "Ich möchte Menschen glücklich machen“

Saskia Jochheim
20.06.2019 | Stand 20.06.2019, 15:28 Uhr

Warburg. In Haus Nummer 2 am Stapelberg lebt und wirkt Claire Kaiser. Mit einem fröhlich-energischen „Hello" rollt sie aus der Tür, an ihr vorbei stürmt ihr junger Assistenzhund Barky. Ein durchdringender Geruch hängt in der Luft. „Ach, das ist Sascha, der den Gestank hier macht", erklärt sie augenzwinkernd und zeigt auf den Stylisten, der eine traumhafte, blonde Mähne mittels Hitze zu Extensions bündelt. Claire Kaiser und ihr Team: Friseurmeisterin Anna Hein und Stylist Sascha Keßler machen Menschen glücklich – und zwar mit Haaren. Claire Kaiser selbst ist Perückenmacherin, „Anna schneidet die Haare der Spender ab, schneidet und färbt sie. Sascha hilft mir beim Anfertigen der Kopfabdrücke für die Perücken, bündelt die Extensions und kümmert sich um den Versand", erklärt Claire Kaiser. „Und ich sitze hier und erteile Befehle", sagt die sympathisch-quirlige Frau, lacht und rollt mit ihrem Rollstuhl in ihrem kleinen Salon hin und her. Dass sie diejenige ist, die durch tagelange Handarbeit das Leben vieler Menschen ein Stück lebenswerter macht, lässt sie dabei fast unter den Tisch fallen. An dem sitzt Claire Kaiser Stunde um Stunde und knüpft aus den aufgearbeiteten Haaren Perücken. "Das erfordert schon Geduld" In einen Rahmen ist ein Netz eingespannt, durch dessen winzig kleine Löcher Claire Kaiser mit einer kleinen, von ihr modifizierten Häkelnadel je 3 bis 4 Haare zieht und diese verknüpft. „Das erfordert schon Geduld", sagt sie. Geduld braucht die gebürtige Amerikanerin bei dieser „Friemelarbeit" auch, und zwar ganze 6 bis 8 Wochen, rund 200 Stunden lang. Dann ist eine Perücke fertig. „Die meisten meiner Kundinnen sind Krebspatientinnen, die durch die Chemotherapie ihre eigenen Haare verloren habe", erklärt Claire Kaiser und stützt ihren rechten Arm auf eine Armstütze, die am Tisch befestigt ist. Die Stütze und den Rollstuhl habe sie vom Integrationsamt für Arbeit bekommen, denn, „der Lupus" zwinge sie seit 2016 in den Rollstuhl, sagt sie und erwähnt dabei wie nebensächlich die Autoimmunerkrankung SLE, mit der sie täglich zu kämpfen hat. Aber Claire Kaiser jammert nicht. Das ist nicht ihr Ding. Stattdessen zeigt sie, was ihr Rolli so draufhat und pumpt den Sitz behände in luftige Höhe. „So kann ich auf die Köpfe meiner Kundinnen sehen und gemeinsam mit Sascha Maß für die Kopfabdrücke nehmen", sagt sie. Auch aus Eigenhaar der Kundinnen Perücken fertigt sie auch aus dem Eigenhaar ihrer Kundinnen. Dafür werden vor Beginn einer Chemotherapie die Haare abgeschnitten. „Meine Kundinnen haben so die Möglichkeit, diesen einen so wichtigen Teil von sich selbst behalten zu können, ihn nicht wegwerfen zu müssen", betont sie. Ist eine Perücke dann fertig für den Einsatz, wird sie mit einem speziellen Klebeband auf der Kopfhaut befestigt. Im Abstand von zwei Wochen benötigt sie dann eine Wäsche. „Die Perücke wird nicht fettig, sondern durch normale Umwelteinflüsse verunreinigt", erklärt die Perückenmacherin, die weiß, wie wichtig es ist „auf dem Kopf gut auszusehen". 3.000 bis 4.000 Euro kostet eine Vollhaarperücke. „Zwischen 400 und 600 Euro zahlen Krebspatienten zur Kassenleistung hinzu", weiß sie. Bei erkrankten Menschen, die dazu noch bedürftig sind, berechne sie aber lediglich die Materialkosten und nehme einen kleinen Stundenlohn. Ein paar Perücken pro Jahr spendet Claire Kaiser. Einfach, weil sie es sich durch den Verkauf der Extension leisten kann – und sie gerne Menschen glücklich macht. Täuschend echt wirkende Perücken „Zuletzt habe ich der Mutter einer Kindheitsfreundin aus den USA eine Perücke geschenkt, die an Brustkrebs erkrankt war", sagt sie. Und wenn eine Perücke „Haare gelassen" hat, dann arbeitet Claire Kaiser sie wieder auf. „Diese Perücke hier ist von einem 15-jährigen Mädchen", erklärt Claire Kaiser und zeigt auf ein paar kahle Stellen am Haaransatz. „Zimperlich umgegangen ist sie mit ihr nicht, aber die Perücken können so einiges ab, und für den Rest bin ich ja da." Die Haarspenden für ihre täuschend echt wirkenden Perücken bezieht sie neben den Spender-Haaren aus Indien, Thailand, Vietnam oder Myanmar. „Alles in Kooperation mit Fair Trade Firmen", betont sie. Im Grunde sei alles was sie verkaufe, verknüpft mit Wohltätigkeit. Sogar der Verkauf ihres Buches „A Piece of my History" gehe zu 80 Prozent an Frauenhäuser in den USA. Dadurch fühle sie sich gebraucht, sagt sie. Denn „auf Rumliegen und mich mit meiner Krankheit beschäftigen, dazu habe ich keinen Bock".

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