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Babys mit Geburtsort Höxter könnten noch größerem Hebammenmangel bald selten werden (Symbolbild). - © picture alliance / imageBROKER
Babys mit Geburtsort Höxter könnten noch größerem Hebammenmangel bald selten werden (Symbolbild). | © picture alliance / imageBROKER

Höxter Hebammen-Mangel sorgt für Unruhe im Kreis Höxter

Personalnot in der Geburtshilfe: Hospitalvereinigung kündigt für Mittwoch Stellungnahme an. Wie sieht die Situation in den Krankenhäusern der Umgebung aus? Die NW hat sich umgehört.

Mathias Brüggemann
07.11.2018 | Stand 07.11.2018, 07:56 Uhr

Höxter. Der Bericht der Neuen Westfälischen über die massive Personalnot in der Geburtshilfe-Abteilung des St.-Ansgar-Krankenhauses in Höxter und die Schließungs-Gerüchte hat viele Menschen beunruhigt. Auch in den sozialen Netzwerken ist das Thema ausgiebig diskutiert worden. „Es wäre sehr schade. Ich hab mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt", „Das darf doch wohl nicht wahr sein", „Unglaublich" oder „Hoffentlich kann der Personalengpass bald behoben werden": So lauteten einige Kommentare auf Facebook. Wie berichtet, fallen zurzeit vier Hebammen längerfristig wegen Krankheit oder Schwangerschaft aus. Lediglich eine Hebammen-Stelle konnte wiederbesetzt werden. Denn es gibt kaum verfügbare Hebammen auf dem Arbeitsmarkt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geburtshilfe müssen zurzeit viele Überstunden leisten, um die Versorgung der Schwangeren gewährleisten zu können. Geschäftsführer Reinhard Spieß wies zwar Gerüchte zurück, wonach auch eine Schließung der Abteilung in Erwägung gezogen werde, vehement zurück. Dennoch wird im St.-Ansgar-Krankenhaus schwangeren Frauen, die sich für eine Geburt anmelden, geraten, sich sicherheitshalber auch nach einer anderen Klinik umzuschauen. Krisensitzung im St. Ansgar Am Dienstag fand im St.-Ansgar-Krankenhaus eine Krisensitzung statt, bei der nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden sollte. Über ein Ergebnis konnte Christiane Bernert, Sprecherin der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge, gestern noch nichts berichten. Sie kündigte aber für diesen Mittwoch eine Stellungnahme an. Der Hebammen-Mangel ist kein Höxteraner Phänomen, sondern besteht bundesweit. Wie sieht es in Kliniken der Umgebung, auf die Frauen eventuell ausweichen müssten, aus? Die NW hat sich dort umgehört. „Wir kommen zurecht", sagt Dr. Henning Grastorf, Chefarzt der Frauenklinik am Evangelischen Krankenhaus in Holzminden. Zurzeit sei die personelle Situation problemlos. „Wir konnten in den vergangenen Jahren unser Personal relativ konstant halten", teilt der Gynäkologe mit. „Wir haben noch ein bisschen Luft nach oben" Zurzeit kümmern sich zwölf Hebammen, die meisten davon in Teilzeit, um die werdenden Mütter. Im Holzmindener Krankenhaus kommen jährlich rund 450 Kinder zur Welt. Einem möglichen Anstieg, wenn zum Beispiel Frauen aus Höxter und Umgebung auf die Holzmindener Klinik ausweichen, sieht der Chefarzt relativ gelassen entgegen: „Wir haben noch ein bisschen Luft nach oben." Zwei bis drei Geburten pro Tag seien zu schaffen. „Wenn wir aber mehrere Ausfälle, beispielsweise durch eine Grippewelle, hätten, dann würde es auch bei uns eng werden", schränkt der Mediziner ein. Rund 1.000 Geburten gibt es im Paderborner St. Johannisstift jährlich. Mit 38 Pflegekräften und Hebammen sowie zehn Ärzten sei die Geburtshilfe-Abteilung zurzeit gut besetzt, berichtet Insa Vogt, Pressesprecherin der Klinik. „Aber personelle Engpässe kennen wir auch, in allen Abteilungen", sagt sie. Der Bedarf an medizinischen Fachkräften sei auch im Johannisstift groß. „Wir würden uns über Bewerbungen sehr freuen", so die Kliniksprecherin. Hebammen-Schule verringert Druck im Kreis Paderborn Keine Probleme gibt es nach Aussagen von Christine Schmücker, Oberärztin der Geburtshilfe im St.-Vincenz-Krankenhaus in Paderborn, die in diesem Jahr von insgesamt rund 2.200 Geburten in der Paderborner Klinik ausgeht. „Falls sich in den Geburtshilfen benachbarter Kliniken kurzfristige Engpässe ergeben sollten, können diese von uns aufgefangen werden", betont die Ärztin. Alle Stellen in der Geburtshilfe seien besetzt, es gebe keine offenen Planstellen. Und auch um die Zukunft macht sich Christine Schmücker keine Sorgen: „Da eine eigene Hebammenschule angegliedert ist, können Schülerinnen neben der Ausbildung auch Arbeit in den Stationen und im Kreißsaal leisten. Ende September schlossen wieder 24 Hebammen die Ausbildung erfolgreich ab – die St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH kann somit auf ihren eigenen Nachwuchs zurückgreifen." Vom Klinikum Lippe in Detmold war am Dienstag keine Stellungnahme zu bekommen.  

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