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Vollgelaufen: Im Maschinenraum stand das Substrat bis zu zwei Meter hoch. - © Feuerwehr Borgentreich
Vollgelaufen: Im Maschinenraum stand das Substrat bis zu zwei Meter hoch. | © Feuerwehr Borgentreich

Borgenreich Havarie an Biogasanlage: Leck ist noch nicht gefunden

Die Suche nach dem offenen Stelle zieht sich hin, die Feuerwehr Borgentreich ist weiterhin vor Ort. Es ist nicht die erste Havarie in der Region

Simone Flörke
11.10.2019 | Stand 12.10.2019, 15:11 Uhr |
David Schellenberg

Borgentreich-Borgholz. Die Stelle, an der Gär-Substrat aus einer Biogasanlage austritt, ist weiterhin nocht nicht gefunden. Noch ist die Lage in Borgholz, nach Angaben der Feuerwehr, nicht im Griff. „Wir versuchen derzeit, über die Leitstelle einen Fachberater für Biogasanlagen zu bekommen – das hier ist schließlich nicht unser alltägliches Geschäft, sagt der stellvertretende Feuerwehrleiter und Sprecher der Feuerwehr Borgentreich, Elmar Nolte, am Abend im Gespräch mit nw.de UPDATE: Leck in Borgholzer Biogasanlage abgedichtet Diese Einsatzstelle sei nicht die sauberste. Das ausgetretene Substrat sei fermentierte Gülle. „Wir versuchen, den Leitungsbruch zu finden. Aber die Fermentierung geht weiter, der Druck im Behälter steigt – und der droht irgendwann zu bersten." Und das, obwohl der Energienetzbetreiber Eon die Anlage bereits stromlos geschaltet habe. Deshalb muss die Feuerwehr mit Einsetzen der Dunkelheit selbst für Beleuchtung sorgen. Zumindest konnte mit schwerem Gerät verhindert werden, dass die Masse in nahe Gewässer gelangt und so für Umweltschäden sorgt. Das Leck wird in einem etwa 1,5 Meter tiefen Schacht beziehungsweise Pumpensumpf vermutet. Vor drei Jahren: Gas-Alarm an der Anlage Generell gibt es für Havarien an Biogasanlagen Notfallpläne, die bereits vor Inbetriebnahme solcher komplexen Systeme erstellt werden, erklärt André Potthast, Biogasanlagenbetreiber aus Beverungen. In diesen Plänen ist genau festgelegt, wie in welchen Fall zu reagieren ist und wohin beispielsweise bei einem Leck das Substrat gepumpt werden muss. Um einen Austritt von Gülle möglichst frühzeitig zu bemerken, verfügen die Anlagen über sogenannte Füllstandsenoren. Nimmt der Füllstand nur wenige Zentimeter ab, bekommt der Betreiber sofort eine Nachricht auf sein Handy. Reagiert er nicht, werden weitere hinterlegte Telefonnummern alarmiert, um über den Notfall zu informieren, erläutert Potthast. Nicht verhindern lässt sich, dass die Fermentierung weiter läuft, so lange die Bakterien Nahrung haben und die Temperaturen ausreichend hoch sind. Bereits im November 2016 gab es einen Einsatz der Feuerwehr Borgentreich an der Biogasanlage in Borgholz. Damals war eine Fackel, an der überschüssiges Biogas verbrannt wurde, erloschen. Das Gas sei dann frei ausgeströmt. Wie die Feuerwehr seinerzeit schätzte, waren etwa zwei bis fünf Kubikmeter Gas ausgetreten, das sich aber schnell verflüchtigt hatte. Eine Gefahr für Mensch und Umwelt sei aber nicht gegeben gewesen. Ein Jahr zuvor, im Jahr 2015 ging die Betreiberfirma Biogas Borgholz GmbH insolvent, der Betreiber wechselte mehrmals. Erinnerungen an geborstenen Güllebehälter Die ausgelaufene Biogasanlage in Borgholz weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Unfall im Dezember 2006 im benachbarten Natzungen. Damals war die Betonwand eines gerade neu gebauten Güllebehälters gerissen – handtellergroß war das Loch, was für ein größeres Umweltdesaster sorgte. Damals wurde das Leck erst entdeckt, als die Gülle bereits in den Eselsbach und in die Bever lief. Dort verendeten seinerzeit fast alle Fische. Um den Schaden einzudämmen, hatten damals die Anlagenbetreiber und die Freiwillige Feuerwehr gemeinsam mit weiteren Helfern versucht, mit dem Umpumpen der Gülle in weitere Fermenter sowie den Bau von kleinen Sanddämmen auf dem Gelände den Schaden einzudämmen. Allerdings hatte sich das Substrat bereits über das gesamte Gelände sowie in die unterirdischen Pump- und Fütterungsanlagen verteilt und diese zerstört.

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