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Zur Zeit ist die Gefahr für Rehe auf den Straßen im Kreis besonders hoch. - © Pixabay
Zur Zeit ist die Gefahr für Rehe auf den Straßen im Kreis besonders hoch. | © Pixabay

Spenge Vorsicht Autofahrer: Rehe im Liebesrausch

Der Naturbeauftragte Werner Schmidt von der IG Katzenholz erklärte Teilnehmern des "Grünen Klassenszimmers für Erwachsene" Spannendes rund um den Wald und seine tierischen Bewohner. Aus aktuellem Anlass ging er auf das Rehwild ein.

Carina Cremer
14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 12:48 Uhr

Spenge. Viele Fragen zu natürlichen Kreisläufen in der heimischen Region musste Werner Schmid beim jüngsten Treffen „Grünes Klassenzimmer für Erwachsene" beantworten – und das tat er gern. Dabei gab es nicht nur sachliche Informationen. Schmid berichtete den Teilnehmern, wie ausgesprochen faszinierend die Natur sein kann. Der Naturbeauftragte der IG Katzenholz hielt keinen Vortrag, vielmehr gab es ein Gespräch mit dem Teilnehmern. Schmid berichtete dabei von seinen frühesten Kindheitserfahrungen und teilte sein Wissen als Jäger im Hegering. Aus aktuellem Anlass wurde über Rehwild gesprochen. Momentan sei eine gefährliche Zeit für Autofahrer, betonte Schmid. Die Rehe feierten gerade „Hochzeit", das heiße, dass der Rehbock die Ricke vor sich her jage, um sich zu paaren. Dabei seien die Tiere oft unaufmerksam und es komme häufiger zu Wildunfällen. „Im Kreis Herford werden jährlich etwa 500 bis 600 Rehe totgefahren", wusste Schmid. Wie man sich verhalten sollte, falls es mal zu einem solchen Unfall kommt, erklärte er ebenfalls: Zunächst müsse die Polizei verständigt werden. Es sei zudem wichtig, sich eine Bescheinigung für die Versicherung geben zu lassen. Natürliche Kreisläufe sind in Gefahr geraten Die Tragzeit beim Reh beträgt etwa zehn Monate. Das Kitz benötigt aber nicht die gesamte Zeitspanne zur Entwicklung. Es gebe in der Natur ein faszinierendes System: Die befruchtete Eizelle in der Ricke höre über den Winter auf sich zu entwickeln, es komme zur sogenannten Eiruhe. Erst im zeitigen Frühjahr beginne die Entwicklung erneut, so dass im Mai das Kitz auf die Welt kommen könne, erläuterte Schmid. Dadurch, so Schmid, würde eine Winteraufzucht vermieden, um die Überlebenschancen für das Jungtier zu erhöhen und sich, durch solche Mechanismen, in der Natur ein perfekt funktionierendes System ergebe. „Es ist doch Wahnsinn, was die Natur so kann", staunte Andreas Kuscher, einer der Zuhörer, beeindruckt. Doch die natürlichen Kreisläufe seien in Gefahr, mahnte Schmid. Das Reh sei ein Kulturfolger, könne sich dem Menschen und seinen Lebensraumveränderungen anpassen. Es gebe jedoch zahlreiche sogenannte Kulturflüchter, die vom Menschen immer mehr verdrängt werden und irgendwann nicht mehr existieren können – dazu gehörten Rebhuhn und Goldammer. „Das ist mein Lieblingsvogel, und den gibt es hier leider nicht mehr", bedauerte Schmid. Natur leidet unter der rasanten technischen Entwicklung Durch die rasante Entwicklung in Industrie und Technik habe die Natur sehr gelitten: „Was wir mit der Umwelt gemacht haben, ist grauenhaft", sagte Schmid sichtlich bestürzt. Der Klimawandel zeige die Ausmaße von jahrelangem Arbeiten gegen die Natur. „Ich sehe die größte Gefahr, wenn wir einen Mangel an Wasser bekommen", betonte Schmid. Zwischendurch kam die Frage, was der einzelne tun könne, um der Natur zu helfen. Jeder könne etwa Vogeltränken oder einfache Wasserschalen aufstellen, um den Tieren in den trockenen Sommermonaten das Überleben zu sichern, so Schmid. Außerdem könne man den Insekten einen Lebensraum schaffen, indem man im Garten oder auf dem Balkon Blumen und Sträucher pflanze. „Ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen ist ebenfalls wichtig." Man müsse mit der Natur pfleglich umgehen – nicht nur nehmen, sondern auch geben. Wahnsinniger Energieverbrauch Zu diesem Thema fiel Schmid ein für ihn prägnantes Beispiel ein: Als er einmal im Supermarkt auf seine Frau wartete, zählte er 500 Neonröhren an der Decke. Zusammen mit den jeweiligen Kühlanlagen sei das ein wahnsinniger Energieverbrauch. „Doch wie machen wir es besser? Das ist die große Frage und die große Schwierigkeit", sagte Schmid. „Der Mensch hat heute die Erkenntnis, dass er ein sehr kleiner Teil des Universums ist. Aus dieser Erkenntnis heraus sollte man Dinge verändern, vernünftiger werden und für alle Menschen auf der Welt etwas Gutes tun", so seine Forderung. Obwohl Schmid kaum Hoffnung auf baldige große Veränderungen bei den Problemen in der gesamten Welt sieht, könne doch jeder ein Stück dazu beitragen, sich für die Natur einzusetzen und ihr zu helfen, so sein Appell. Er selbst tut das seit vielen Jahren, indem er Grundschul- und Kita-Kindern im Hühnerhaus die Natur näher bringt. „Wir müssen schon bei den Kindern ansetzen", erklärt er. Viele Mädchen und Jungen kämen heute kaum noch mit der Natur und Tieren in Berührung. „Das sind alles Dinge, die den Kindern gezeigt werden müssen", sagte er und fügte hinzu: „Man kann nur das lieben, was man auch kennt."

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