0
Austausch im Wald: Wibke Brems und Matthi Bolte-Richter (NRW-Landtagsmitglieder der Grünen, v.l.) diskutieren mit den Förstern Anna Rosenland und Claus Gröger. - © Niklas Krämer
Austausch im Wald: Wibke Brems und Matthi Bolte-Richter (NRW-Landtagsmitglieder der Grünen, v.l.) diskutieren mit den Förstern Anna Rosenland und Claus Gröger. | © Niklas Krämer

Rödinghausen So schlimm steht es um die Bäume im Rödinghauser Wald

Zwei Landtagsmitglieder von den Grünen machen sich in Rödinghausen ein Bild davon, wie der Klimawandel auch hier dem Wald zusetzt.

Niklas Krämer
25.09.2019 | Stand 24.09.2019, 19:56 Uhr

Rödinghausen. Es ist ein lauwarmer Herbstmorgen, hier oben im Wiehengebirge. Eine kleine Gruppe macht sich oberhalb von Schwenningdorf auf zu einer Stippvisite im Wald. Die acht Personen wollen sich vor Ort ein Bild machen, wie die Bäume unter der lang anhaltenden Hitze, dem ausbleibenden Niederschlag und dem Schädlingsbefall leiden. Darunter sind mit Wibke Brems und Matthi Bolte-Richter zwei NRW-Landtagsmitglieder von Bündnis 90/Die Grünen. Sie wollen sich auch über die täglichen Herausforderungen der Förster und Waldbesitzer informieren. Treffpunkt ist der sogenannte Lauftreff in Rödinghausen. Überwiegend Fichten stehen hier, auch einige Buchen. Försterin Anna Rosenland verdeutlicht gleich zu Beginn den Ernst der Lage: "Wie sehr der Wald in seiner ganzen Komplexität leidet, ist vielen nicht bewusst." Dem stimmt Bolte-Richter zu. Allein an der Borkenkäfer-Problematik sehe man, wie massiv der Wald leide. Die Abstände der Hitzerekorde seien immer kürzer, die Wälder hätten weniger Zeit zum Regenerieren. "Deshalb brauchen wir politische Maßnahmen", sagt Bolte-Richter. Der Klimawandel mache auch vor den Wäldern nicht halt. "Und im neuen Klimapaket der Bundesregierung kommt der Wald gar nicht vor. Deshalb müssen wir mehr Druck machen", kritisiert das Landtagsmitglied der Grünen. Waldbesitzer fühlen sich im Stich gelassen Claus Gröger, stellvertretender Landesvorsitzender der Bund deutscher Forstleute NRW, zeigte Möglichkeiten auf, um auf das veränderte Klima reagieren zu können: Die Wälder müssten auch mit Baumarten aufgeforstet werden, die das Klima, das in dieser Region zukünftig erwartet würde, verkraften könnten. Ein Problem: In der Landwirtschaft könne sich alle paar Jahre auf klimatische Veränderungen eingestellt werden, Bäume müssten aber 120 bis 140 Jahre lang gut wachsen können. "Die Buche hat sehr unter der andauernden Trockenheit gelitten", erklärt Rosenland. Ein weiterer Kritikpunkt: Waldbesitzer fühlen sich im Stich gelassen. Allein in NRW befinden sich etwa 65 Prozent der Waldflächen in Privatbesitz. Ralf Maron gehört ein Waldstück in Rödinghausen, auch er sucht das Gespräch mit den Politikern. Es werde erwartet, dass der Wald für die Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werde, so Maron. "Das machen wir gerne. Aber mit den aktuellen Problemen werden wir alleine gelassen." Das momentane Waldsterben bedeute für viele Besitzer einen erheblichen finanziellen Verlust. "Es ist zu viel Holz auf dem Markt, er ist total übersättigt", erklärt Rosenland. Der Grund: Wegen des Borkenkäfers mussten viele Bäume gefällt werden. "Das Holz an sich ist aber nicht beschädigt und wird verkauft", sagt Rosenland. "Der Wald ist ein Stück Heimat" Hier am Waldstück in Schwenningdorf liegen etliche Baumstämme am Wegesrand. Manche Bäume davon wurden bereits im Mai 2018 gefällt. Ein Abnehmer hat sich aber erst jetzt gefunden, die Bäume gehen nach China. Und für einen Preis, der weit unter der Hälfte dessen liege, was noch vor fünf Jahren galt. Auch hier erhoffen sich die Waldbesitzer mehr Unterstützung vom Land NRW. "Der Klimawandel verursacht jetzt schon Kosten. Und wenn wir nichts machen, werden es noch mehr", sagt Wibke Brems. Die beiden Grünen-Politiker übergaben an die Anwesenden einen Elf-Punkte-Aktionsplan für den Waldumbau in NRW. "Der Wald ist ein Stück Aufatmen, ein Stück Heimat. Und wir müssen ihn erhalten", so Brems.

realisiert durch evolver group