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Die Freundinnen Charlotte (v. l.), Nadine und Leni (alle 14) lächeln, aber im Grunde ist ihnen nicht danach. Sie fordern an der Häger Straße einen Radweg. - © Susanne Barth
Die Freundinnen Charlotte (v. l.), Nadine und Leni (alle 14) lächeln, aber im Grunde ist ihnen nicht danach. Sie fordern an der Häger Straße einen Radweg. | © Susanne Barth

Löhne Das ist eine der gefährlichsten Radstrecken Löhnes

Die Freundinnen setzen sich zunächst dafür ein, dass an der Landesstraße Tempo 50 und ein Überholverbot eingeführt werden. Doch die Umsetzung ihrer Forderungen gestaltet sich nicht so einfach.

Susanne Barth
13.09.2019 | Stand 13.09.2019, 19:22 Uhr

Löhne. Charlotte hat einen gefährlichen Schulweg. Zumindest, wenn die 14-Jährige mit dem Rad fährt. Das macht sie regelmäßig, um zum Gymnasium und zum Training zu kommen. Dafür muss Charlotte über die Häger Straße. Auf einem Teil der Landesstraße ist Tempo 70 erlaubt, Autos überholen hier Lastwagen, einen Radweg oder Fußweg gibt es nicht. "Ich wurde hier fast Tod gefahren", sagt die Schülerin, die sich gemeinsam mit ihren Freundinnen Leni und Nadine für mehr Sicherheit für Radfahrer einsetzt. Täglich sieben Kilometer mit dem Rad zur Schule Charlotte wohnt in der Nähe der Knickstraße, ihre Freundin Nadine wenige Hundert Meter weiter direkt an der Häger Straße unweit der Lukaskirche. Charlotte steigt fast täglich aufs Rad, um die sieben Kilometer zur Schule zu fahren, das würde Nadine am liebsten auch machen. Mutter Tanja Hebrock und Opa Wilfried lassen das jedoch nicht zu: "Das ist viel zu gefährlich, hier passiert so viel." Auch zu ihrer Reitbeteiligung nicht weit von Zuhause entfernt, bringt Tanja Hebrock ihre Tochter lieber mit dem Auto. "Es ist eigentlich völlig unsinnig. Ich möchte sie zur Selbstständigkeit erziehen, doch hier lasse ich sie nur ungern mit dem Rad fahren." "Klaffende Lücke im Radwegenetz" Die Freundinnen Nadine, Charlotte und Leni sind sich einig: "Hier muss etwas passieren." Die 14-Jährigen haben an Türen geklingelt, das Thema in der Klasse publik gemacht und waren auf dem Fest der Schäferei Stücke, um Unterschriften für einen Radweg zu sammeln. 160 Menschen unterstützen den Vorstoß der Jugendlichen. "Das ist ein super Engagement, ich finde das klasse", sagt Ulrich Flachmann. Er ist beim ADFC Löhne aktiv, der sich ebenfalls für einen Radweg entlang der Häger Straße stark macht. Der Ortsverein moniert die "klaffende Lücke" im Radwegenetz. "Während die B 611 vorbildlich mit einem getrennten Radweg ausgebaut ist und jetzt die B 61 in Richtung Herford saniert wird und mit einem Radfahrweg versehen werden soll, ist Löhne-Bahnhof für Radler nur unter Lebensgefahr zu erreichen", ärgern sich die ADFC-Mitglieder. Auf genau 930 Metern Strecke fehlt seit Jahrzehnten ein Radweg. Unfallschwerpunkt der Polizei Hinzu kommt, dass die Landesstraße nicht gerade breit ist, es keinen Seitenstreifen geschweige denn einen Fußweg gibt und eine scharfe Kurve die Lage für Radler nicht besser macht. "Zudem wird hier gerast. Wir sehen hier ständig Unfälle", sagt Nadine. Erst am Donnerstag hat es hier wieder gekracht, bestätigt die Polizei. 2005 ist eine 81-Jährige beim Überqueren der Straße tödlich verunglückt. "Kurz stand hier ein Tempo-50-Schild doch das war ganz schnell wieder weg", erinnert sich Tanja Hebrock. Um die Straße zu entschärfen, schlagen Leni, Charlotte und Nadine vor, die Geschwindigkeit zu drosseln und ein Überholverbot einzuführen. Das unterstützt auch der ADFC. Unabhängig davon, dass der fehlende Radweg längst zum Stadtgespräch geworden ist, haben sich die Freundinnen engagiert. "In den Ferien hatten wir unsere sportlichen Wochen", sagt Leni, die in Tengern wohnt. Gemeinsam mit Charlotte ist sie regelmäßig auf dem Rad unterwegs gewesen. "Die Lübbecker Straße ist für Radfahrer auch nicht besser", sagt die Neuntklässlerin. Doch die Häger Straße sei schlimmer. Denn hier gebe es keine Parallelroute für Radler entlang der Seitenstraßen. Stadt ist die zuständige Entscheidungsträgerin Ein Blick in die Polizeistatistik bestätigt die subjektive Wahrnehmung der Unfallhäufigkeit. Überholmanöver sind schief gegangen, beim Linksabbiegen auf die Landesstraße hat es wiederholt gekracht, Fahrzeuge landeten im Graben. Die Polizei hat die Einmündung von der Straße Auf dem Keile auf die Häger Straße als Unfallhäufungsstelle deklariert, teilt Pressesprecher Uwe Maser auf Anfrage der NW mit. "Die Unfallkommission hat die Häger Straße im Visier", sagt er. Die Stadt Löhne hat von der Polizei jetzt alle Unfallberichte an dieser Stelle der vergangenen 20 Jahre angefordert. "Die werten wir jetzt aus und in Absprache mit Polizei und Straßen NRW überlegen wir dann, was hier gemacht werden kann", sagt Sprecherin Ursula Nolting. Schnell und unbürokratisch scheint es nicht zu sein, dort die Verkehrsregeln zu ändern. Das bestätigt Sven Johanning, Sprecher von Straßen NRW: "Wir dürfen es nicht entscheiden", sagt er auf die Anfrage. Zwar sei Straßen NRW der Straßenbaulastträger, aber die Stadt Löhne ist die zuständige Verkehrsbehörde. "Sie entscheidet über jedes Schild, jede Ampel, jede Änderung", so Johanning. Allerdings, wirft der Sprecher ein, befrage die Stadt immer die Beteiligten und bittet um Einschätzung.

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