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Waldfriedhof in Mahnen gedeiht: 58 Bäume hat die Kirchengemeinde Gohfeld auf einer Fläche gepflanzt. Wasserbeutel schützen sie vor dem Austrocknen. - © Susanne Barth
Waldfriedhof in Mahnen gedeiht: 58 Bäume hat die Kirchengemeinde Gohfeld auf einer Fläche gepflanzt. Wasserbeutel schützen sie vor dem Austrocknen. | © Susanne Barth

Löhne Auf einem Friedhof in Löhne sind bald Bestattungen unter Bäumen möglich

Die Kirchengemeinde Gohfeld hat 58 Bäume gepflanzt. Darunter sollen Urnen begraben werden können. Damit reagiert die Gemeinde auf einen Bestattungstrend.

Susanne Barth
15.08.2019 | Stand 14.08.2019, 18:35 Uhr

Löhne. Die letzte Ruhestätte bewusst auszuwählen, ist für viele Menschen ein wichtiges Thema. Eine ganze Reihe von Anfragen bekommt Pfarrer Eckhard Teismann für ein ganz besonderes Begräbnis in Löhne. Die Kirchengemeinde Gohfeld hat eine Fläche auf dem Friedhof Mahnen mit 58 Bäumen bepflanzt. Dort sollen bald Urnen bestattet werden. "Wir stehen kurz vor der Eröffnung", sagt Teismann. Mit dem Waldfriedhof erweitert die Kirchengemeinde den Friedhof in Mahnen um eine weitere Bestattungskultur. Neben Erdbestattungen finden hier auch Bürger muslimischen Glaubens die letzte Ruhestätte. Gleichzeitig begegnen sie mit der Urnenbestattung unter Bäumen einem Trend. Denn die Nachfrage nach Urnenbeisetzungen bleibt ungebrochen. Auf dem Friedhof Mahnen hat sich diese Bestattungsform in den vergangenen fünf Jahren erheblich ausgeweitet. Teismann: „Die Hälfte der Bestattungen hier sind Urnenbestattungen." Namen können in eine alte Grabanlage eingraviert werden Vermehrt wurde bei der Kirchengemeinde Gohfeld nachgefragt, ob Urnen auch am Fuße von Bäumen beigesetzt werden können. Seit 2004 ist das im Friedwald Kalletal möglich. Das Konzept übernimmt die Löhner Gemeinde. 58 Bäume (Buchen und Eichen) sind dafür Ende 2018 gepflanzt worden. „Wir haben darauf Wert gelegt, dass die Bäume groß gewachsen sind, damit im Frühjahr schon ein Waldcharakter zu sehen ist", sagte Teismann gegenüber der NW. Idyllisch liegt die Fläche hinter dem alten Teil des Friedhofs. Ein Fluss schlängelt sich auf der einen Seite entlang, auf der anderen Seite sprießt eine farbenfrohe Blumenwiese. Dass hier ein Waldfriedhof entsteht, ist jetzt im August deutlich zu erkennbar. Das liegt auch an der Grabsteinanlage. "Drei alte Gräber haben wir hier aufgebaut", sagt Teismann. Ein Charakter wie "auf alten, verwunschenen Friedhöfen" soll dadurch entstehen. Mehr als 50.000 Euro investiert Die Grabanlage hat aber noch einen weiteren Zweck. Pfarrer Teismann: "Dort werden die Namen derer eingraviert, die hier unter den Bäumen beerdigt werden." Denn die Fläche soll natürlich bleiben. "An den Grabsteinen lassen sich dann auch Blumen, Kerzen oder Erinnerungsstücke ablegen", sagt der Pfarrer. Damit die frisch gepflanzten Bäume bei der Trockenheit nicht eingehen, müssen sie täglich gegossen werden. Dafür hat der Gärtner die Bäume mit Säcken umschnallt, so dass das Wasser kontinuierlich tröpfelt. Auch in Zeiten des Wassermangels sei das nicht anders möglich. "Sie dürfen ja nicht vertrocknen", sagt Teismann. Vorwiegend setzt die Gemeinde auf Buchen, aber auch einige Eichen sind dabei. Etwa 50.000 Euro hat die Kirchengemeinde investiert. Das Gelände für den Waldfriedhof musste nicht extra gekauft werden. Die Stadt hat es 2006 im Zuge der Friedhofserweiterung erworben. Auf einem Teil liegen bereits Rasengräber, ein weiterer Bereich steht seit Ende 2013 als Gräberfeld für Bürger mit muslimischem Glauben zur Verfügung. Der Waldfriedhof schließt sich an und erstreckt sich bis runter zum Mühlenbach. Drei-Stufen-System für die Beerdigung im Waldfriedhof Der Fluss ist auch der Grund dafür, dass unter den Bäumen nur Urnen beigesetzt werden dürfen. Das hat eine geologische Untersuchung ergeben. Der Bachlauf verläuft zu nah an der Fläche entlang und ist – anders als auf dem alten Teil des Friedhofs – nicht verrohrt. Für Erdbestattungen sei solch eine Verrohrung aber unerlässlich. So können die Flüssigkeiten eines Leichnams, die über Stunden und Tage aufgrund der fortschreitenden Austrocknung seines Organismus’ austreten, nicht in den Fluss gelangen. Laut dem Pfarrer Eckhard Teismann steht die Eröffnung und damit auch die erste Beisetzung in kurzer Zeit bevor. "Es geht jetzt nur noch um die Kalkulation, was eine Bestattung kosten soll." Die Gemeinde möchte ein Drei-Stufen-System einführen. Bei der günstigsten Variante sucht die Gemeinde den Baum und somit den Ort für die Urnenbestattung aus. Bei der nächst höheren Form kann der Ort selbst ausgesucht werden. "Auch ein Familienbaum ist möglich", sagt Teismann.

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