Spaßbad: Das aktuelle Foto zeigt den heutigen Parkplatz des H2O, das an Stelle des "Otto" entstanden ist. - © Foto: Reddeker
Spaßbad: Das aktuelle Foto zeigt den heutigen Parkplatz des H2O, das an Stelle des "Otto" entstanden ist. | © Foto: Reddeker

Mittwochrätsel Auflösung: Sport und Vergnügen an der Wiesestraße

Der Kirmes- und Zirkusplatz der Stadt war von 1958 bis 2010 die Kiewiese. Gegenüber auf dem heutigen H2O-Gelände lag das Otto-Weddigen-Freibad

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das alte Foto vom vergangenen Mittwoch zeigte einen Blick auf die Kiewiese mit Visionskirmes und im Hintergrund das alte Otto-Weddigen-Freibad. Hans-Walter Arning hat erkannt: "Vorn im Bild ist Schneiders Musik-Express zu sehen, hier konnte man stundenlang verweilen, denn es wurden immer die neuesten Schallplatten aufgelegt, die man sich als Jugendlicher ja nicht leisten konnte. In der Bildmitte befindet sich Heitmanns Casino Royal, wo es mit viel Glück einen schönen Preis zu gewinnen gab, falls noch etwas Geld vom Besuch im schönen Otto-Weddigen-Bad übrig geblieben war." Schausteller spielten die neueste Rock- und Pop-Musik Klaus Nowitzki weiß: "Die Kiewiese war nicht nur Kirmesplatz sondern auch Festplatz für den Zirkus. An den ,Losbuden? bin ich in den 1950er Jahren manchen Groschen ,los? geworden. Im Hintergrund das "Otto". Tausende Herforder haben es inständig geliebt und denken mit Wehmut an die schönen Jugendsommer. Urlaubsfahrten waren in den 50er/60er Jahren fast unbekannt, dafür war das "Otto" als Naherholung von sagenhafter Bedeutung. In den letzten drei Jahren meiner Schulzeit waren wir fast täglich bei gutem Wetter mit der Klasse vormittags mit dem ,Alten Fritz? (Lehrer Zurmühlen, wer kennt ihn noch?) im Bad. Meistens habe ich den Nachmittag angehängt, das sparte die Eintritt-Groschen. Am letzten Badetag meiner Schulzeit habe ich Frei- und Fahrtenschwimmen (damals 45 Minuten) in einem Rutsch gemacht. (Wasser 17 Grad, Luft 12 Grad) - heute glaube ich undenkbare Temperaturen für Schulunterricht. Rita Frentrup erinnert sich: "Besonders beliebt war das Fahrgeschäft Blue Hawaii der Brüder Waldo und Manfred Parpalioni, denn die hatten immer die allerneuesten "Rock- und Pop-Scheiben" direkt aus England." Karl-Heinz Menzel berichtet: "Ursprünglich war es auch ein Sportplatz - befestigt mit schwarzer Schlacke, die nachweislich in manchen Fußballerbeinen auch heute noch, zwar längst verwachsen, deutlich zu erkennen ist. Mancher Fight von Fußballspielen wurde unter der Woche von Straßenmannschaften ausgetragen. Ich meine, dass der Verein VfB Einigkeit Herford seine Spiele vor Fertigstellung des Stadions hier austrug. Erinnerungen werden wach an das Otto-Weddigen-Bad, indem die sogenannte Badelf sich zum Fußballspielen im Sommer fast täglich traf, um auf der hinteren Rasenfläche zu kicken. Am Anfang wurde barfuß gespielt, später waren Turnschuhe erlaubt. Sportler seien hier stellvertretend genannt: Klaus Berg (Wasserballer u. Sportjournalist), Fritz Winterberg (Wasserballer), Sanni Wiegand (Fußballer-Union Herford - ehemals Westfalenauswahlspieler-), Horst Gamon (Fußballer-Union Herford, DSC Arm. Bielefeld - auch Auswahlspieler-), Kalla Ortgiese, Günter, gen." Tütten" Sasse, Axel Gravenkamp (war immer schneller als der Ball), Peter Michallk (rasender Autoverkäufer u. ehemaliger Wirt der Zirbelstube) und Walter Brunemeier (VfL Herford). Die schönen Sommerabende bei einem oder auch zwei Kaltgetränken sind unvergessen." Harry Wildon verschluckte lebende Mäuse Christel Großmann meint: "Vor einiger Zeit wurde die Kiewiese zu einem komfortablen Parkplatz umgebaut, da angeblich zu wenige Parkplätze für das gegenüberliegende H2O zur Verfügung standen. Die anliegenden Anlieger wird es sicherlich gefreut haben, dass der Kirmeslärm zu bestimmten Zeiten aufgehoben wurde. Für viele Herforder sind damit auch schöne Kindheitserinnerungen verloren gegangen!" Heike Fürhoff schreibt: "Als Kind habe ich die Kirmes oft besucht und rot glasierte Äpfel oder Zuckerwatte gegessen. Seit einigen Jahren wird die Kirmes um den Rathausplatz eingerichtet. Zum Leidwesen der Autofahrer ist der neue Standplatz mit erheblichen Verkehrseinschränkungen verbunden." Frank Doebler erinnert sich: "Ich kann mich noch gut an den Kirmesplatz erinnern, der schon durch seine Größe auf uns Kinder Eindruck machte. Einmal sahen wir auf der Kirmes Harry Wildon, der lebende Mäuse verschluckte und wieder hochwürgte (so hatte es zumindest den Anschein). Die Mäuse überstanden die Prozedur scheinbar unbeschadet. Als Jugendliche hielten wir uns immer an der Raupe auf - nicht um Karussell zu fahren, sondern wegen der tollen Rockmusik, die dort durchgehend mit den entsprechenden Ansagen spielte. Später sah ich auf dem Kirmesplatz dann einen echten Starfighter, bei dem man auch ins Cockpit sehen konnte. Dieses Erlebnis und das dabei erhaltene Informationsmaterial über die Bundeswehr brachte mich dann zu dem Entschluss nach meiner Elektrikerlehre zur Bundeswehr zu gehen - nicht zur Luftwaffe, sondern zur Marine." Ulrich Stille erinnert sich: "Wir vom Friedrichs-Gymnasium, damals noch in der Brüderstraße, hatten manchmal kurze Wege zum Schwimmen oder ins Stadion, wenn unser netter Sportlehrer Wilhelm Meyer (er ist gerade 90 Jahre geworden) uns alle in seinen Opel Kapitän packte und im Pendelverkehr zu den Sportstätten chauffierte. Dabei war sein Wagen immer voll besetzt inklusive Kofferraum. In dem war es zwar dunkel, hart und es rumpelte, aber das nahmen wir damals gern in Kauf und schwärmen noch heute davon." Michael Haupt weiß: "Auf der Kiewiese wurde von 1958 an (der bisherige Kirmesplatz am Lübberbruch wurde damals mit dem Ravensberger Gymnasium und dem Stadttheater bebaut) bis 2010 die Kirmes veranstaltet. Außerdem stand der Platz immer wieder für die in Herford gastierenden Zirkusse zur Verfügung. Im Jahr 2011 wurde der Platz als Parkplatz für das H2O umgestaltet. Seither haben wir keinen großen Platz für solche Veranstaltungen und müssen in die Nachbarstädte abwandern, um einen große Zirkus zu erleben." Gerhard Heitholt schreibt: "Das ,Otto? war nach den Kriegsjahren vor der Wirtschaftswunderzeit, bis man sich Urlaubsreisen leisten konnte, Naherholung und Sommerfrische für die Herforder schlechthin. Dazu war es Sportbad für die Schulen, die meisten Herforder Schüler werden dort zu der Zeit wohl Schwimmen gelernt haben, auch ich! Im Kofferraum des Lehrerautos zum Schwimmbad Zu lernen angefangen habe ich als Kind mit selbst genähten Schwimmkissen aus irgendeinem festen Leinenstoff von Mutters Nähresten: hielt man angefeuchtet breit vor den Mund und dann hieß es kräftig in den Stoff pusten, und tatsächlich wölbte sich der Stoff zum Kissen mit Luftinhalt, was auch eine gewisse Zeit hielt, bevor man nachpusten musste. Das war so Ende 40er/Anfang 50er Jahre. Da kostete der Eintritt ins Otto Pfennige für Schüler! Auf dem Heimweg gab?s noch manchmal an Gäsing?s Eiskarren auf dem Wall am Lübbertor ein Eis, die kleinste Kugel für 5 (fünf!) Pfennig! Dann später in den 50ern pilgerten wir Schüler vom Ravensberger Gymnasium am Münsterkirchplatz im Sommer in den Sportdoppelstunden über die lange Wiesestraße zum Schwimmen ins Otto. Daran erinnert mich heute immer noch mein Frei- und Fahrtenschwimmerzeugnis vom 7.7.1957, unterzeichnet von Studienrat Meier mit Siegel des Gymnasiums, wo es heißt: ,. . . hat unter Aufsicht 30 Minuten ununterbrochen geschwommen und einen Sprung aus 3 Meter Höhe gemacht'." Interaktive Karte Erkunden Sie das historische Herford der Mittwochrätsel mit unserem interaktiven Straßenplan. Klicken Sie dafür einfach mit der Maus auf die roten Pfeile. Der Karte wird wöchentlich aktualisiert.

realisiert durch evolver group