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Trio mit Überblick: Marco Schiermeier (v. l.) ist im Regieraum des Häcker Wiehenstadions für den Ton zuständig, Marco Hofnagel kümmert sich um Soziale Netzwerke und Spielbericht, Freddy Oepping bedient die Videowand. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Trio mit Überblick: Marco Schiermeier (v. l.) ist im Regieraum des Häcker Wiehenstadions für den Ton zuständig, Marco Hofnagel kümmert sich um Soziale Netzwerke und Spielbericht, Freddy Oepping bedient die Videowand. Foto: Noah Wedel | © Noah Wedel

Bünde Wie Max Moldehn und sein Medienteam ein Spiel des SV Rödinghausen erleben

Fußball-Regionalligist SV Rödinghausen hat ein Heimspiel gegen den Bonner SC. Anstoß ist um 14 Uhr, doch für Max Moldehn und sein Medienteam beginnt der Arbeitstag schon früher. Ein Spieltag hinter den Kulissen

Noah Wedel
09.11.2019 | Stand 09.11.2019, 10:31 Uhr

Rödinghausen. Samstag, zehn Uhr. Max Moldehn fährt auf der Straße „Auf der Drift". Entlang der Felder, mit Blick auf die Natur des Wiehengebirges, wohlgemerkt auf der Sonnenseite. Und mittendrin sein Ziel und Arbeitsplatz: Das Häcker Wiehenstadion. Vier Stunden vor dem Heimspiel ist es noch ruhig. Tobias Beine, der Geschäftsstellenleiter, ist bereits seit acht Uhr vor Ort. Er kümmert sich um den letzten Feinschliff und ist Taktgeber vieler Teile der Spieltagsorganisation – vom Ticketing über Abstimmungen mit dem Sicherheitsdienst, anderen Mitarbeitern bis zur Presseakkreditierung. Es gehören neben Bier und Bratwurst eben auch viele andere Elemente dazu, die den Fußball im Allgemeinen und beim Regionalligisten SV Rödinghausen im Speziellen zum Erlebnis machen. „Das Heimspiel findet für uns im Kopf viel eher statt", meint Beine im Vorbeigehen und widmet sich weiter der Vorbereitung im Presseraum. Auch für Stadionsprecher und Medienleiter Max Moldehn beginnen die Vorbereitungen viel früher, damit das Stadionprogramm pünktlich beginnen kann. Ein Spieltag hinter den Kulissen. »Das Heimspiel findet für uns im Kopf viel eher statt« „Ich informiere mich schon Tage vorher über den Gegner und bin vier Stunden vor dem Spiel da und schaue, ob alles funktioniert", erzählt der Medienbeauftragte. Viele Statistiken studiert er genauso penibel wie einen anderen Aspekt: Die Aussprache der Spieler und Funktionäre. „Da möchte ich am liebsten alles richtig machen. Man merkt bei anderen Sprechern andere Herangehensweisen", sagt Moldehn und lacht. Gezählt habe er bei Gastspielen des SVR zu Zeiten von Ex-Trainer Alfred Nijhuis allerdings nicht, wie oft der Name des Niederländers falsch ausgesprochen wurde. In enger Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Alexander Müller werden im Vorfeld der Heimspiele Besonderheiten abgeklärt, etwaige Interviews oder Gewinnspiele des Stadioncaterings „GOP Genusswerkstatt". Moldehn schätzt im Übrigen das Vertrauen seines „Chefs", weil er dadurch „Vieles eigenständig und auf kurzem Dienstweg realisieren kann". Diese Besonderheiten im bis auf die Minute getakteten Ablaufplan werden rund eine Stunde vor dem Anpfiff mit dem siebenköpfigen Team durchgesprochen. Mit Marco Schiermeier und Freddy Oepping zum Beispiel. Schiermeier kümmert sich als Tongeber um Musik und andere Toneinspielungen, während Oepping die Videoleinwand bedient. Moldehn sitzt derweil zwischen den Trainerstühlen und ist mit der Sprecherkabine verbunden. Etwa beim Stadioneinlauf erhält er in jedem Spiel das Kommando des Schiedsrichtergespanns zur Einlaufansage. Moldehn: „Ich gebe auch schon früh Auswechslungen durch oder informiere über anderweitige Vorkommnisse, damit die Wand vorbereitet werden kann". Im Spiel fiebert der 23-Jährige dann ordentlich mit und lässt häufig bei spannenden und besonders guten Spielen seinen Emotionen freien Lauf: Ein „Auf geht’s SVR" kann er sich nach der Torschützen- und Spielstandansage selten verkneifen. Ein zeitintensiver Job „Ein Highlight war natürlich die Toransage gegen Bayern München", erinnert er sich mit wiederkehrender Gänsehaut an das 1:2 von Linus Meyer in der letztjährigen DFB-Pokalrunde, in der er dem Spiel seine Stimme gab und rund um das Spiel zahlreiche und straff getaktete Medientermine zu koordinieren hatte. „Das war eine tolle, aber auch anstrengende Zeit." In der engen schwarzen Sprecherkabine zwischen den SVR-Fans und dem Gästesitzblock sitzt außerdem Marco Hofnagel, der über die sozialen Netzwerke die daheimgebliebenen SVR-Sympathisanten informiert und nach der Begegnung einen Spielbericht für die Vereinswebseite schreibt. Bei Hochsicherheitsspielen wird die Bude noch enger, wenn die Polizei auf einem Monitor die Gästefans anhand von Videomaterial live beobachtet. „Die meisten arbeiten hier ehrenamtlich", berichtet Max Moldehn. Zum weiteren Team zählt noch Lea-Marie Steinkamp, die auf fussball.de einen Liveticker führt sowie Joel Beinke und André Vogt, die Fotoerinnerungen vom Spielfeld exklusiv für den Verein erstellen. Eine Etage darüber sorgt Lennart Kränke auf dem mit dem Banner von Radio Herford geschmückten Turm auf der Gegengerade für Videomaterial. Am nächsten Tag erscheinen seine Spielhighlights von durchschnittlich sechs Minuten auf der YouTube-Plattform des Vereins – unterlegt mit Moldehns Stimme. Früher sei ein Teil des Teams regelmäßig zu den Auswärtsspielen mitgefahren. „Jetzt fahren wir nur noch vereinzelt und filmen nicht mehr", sagt Kränke, der sich im Vorfeld der Heimspiele um sämtliche Grafiken für Anzeigetafeln und soziale Netzwerke kümmert – ein zeitintensiver Job, der bis zur Pressekonferenz andauert. Kränke schneidet währenddessen bereits ein wenig an dem Videobericht und strahlt die PK auf der Stadionleinwand aus. Für heute ist’s dann fast geschafft. Doch auch für Max Moldehn und seine Mannschaft heißt es natürlich: Nach dem Heimspiel ist vor dem Heimspiel.

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