Zuversichtlich: Hans-Jürgen Beckmann (Chirurg, v.l.), Kai Könemann (Internist), Gesa Fiedler (Gynäkologin), Bürgermeister Wolfgang Koch, Annette Hempen (MuM-Geschäftsführerin), Landrat Jürgen Müller, Minister Karl-Josef Laumann und die SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück. - © GERALD DUNKEL
Zuversichtlich: Hans-Jürgen Beckmann (Chirurg, v.l.), Kai Könemann (Internist), Gesa Fiedler (Gynäkologin), Bürgermeister Wolfgang Koch, Annette Hempen (MuM-Geschäftsführerin), Landrat Jürgen Müller, Minister Karl-Josef Laumann und die SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück. | © GERALD DUNKEL

Bünde Gesundheitsminister: "Bünder Ärztenetz steht immer oben an"

Im Einsatz gegen Hausärztemangel auf dem Land: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann holte sich in Bünde Anregungen, bekam aber auch Wünsche mit auf den Weg, um die Strukturen vor Ort weiterzuentwickeln

Gerald Dunkel

Bünde. "Wie können wir die Versorgung der Patienten sicherer machen?" Das ist für Karl-Josef Laumann (CDU) derzeit eine der treibendsten Fragen in seiner Arbeit. Nach Terminen in Berlin und Bad Oeynhausen reiste der NRW-Gesundheitsminister am Montagabend in Bünde an. Hier informierte er sich über die Fortschritte im Ärztenetz MuM und die elektronische Visite (elVi). Das Bünder Ärztenetz ist in der deutschen Gesundheitspolitik ein Begriff. "Abläufe sollen schneller und unkomplizierter werden." "Wenn wir über Patientenversorgung auf dem Land diskutieren, steht das Bünder Ärztenetz immer oben an", sagte Laumann am Montagabend nach einem Arbeitsessen mit dem MuM-Vorstand sowie Bürgermeister Wolfgang Koch, Landrat Jürgen Müller und der SPD-Landtagsabgeordneten Angela Lück. "Schneller und unkomplizierter müssen die Abläufe werden", fordert Laumann und setzt dabei besonders auf die Digitalisierung, "die weiter vorangetrieben werden muss - unabhängig davon, ob in der Stadt oder auf dem Land". Und da war der Minister in Bünde genau an der richtigen Adresse, weil hier vor Jahren die elektronische Visite "erdacht, programmiert und bis heute weiterentwickelt" wurde, heißt es in einem Arbeitspapier zur Gesprächsrunde. "Die elektronische Visite reduziert unnötige Konsultationen."  Seit 2015 findet "elVi" in 14 Arztpraxen und 14 Pflegeheimen im Bünder Land regelmäßig Anwendung. Ein System, mit dem das Ärztenetz der auch hier sinkenden Zahl an Hausärzten entgegenwirkt. Praktizierten im Bünder Land für die rund 72.000 Einwohner 2005 noch 27 Hausärzte, sind es heute nur noch 19 - ein Rückgang um 30 Prozent. Die elektronische Visite wurde Karl-Josef Laumann bereits in einer früheren Version und vor der mittlerweile standardisierten Nutzung vor vier Jahren in Bünde vorgeführt. Und "elVi" ließ ihn damals aufhorchen, denn allein damit konnten die meisten - aus späterer Sicht unnötigen - Konsultationen von Ärzten bei Patienten in Pflegeheimen reduziert werden, weil der Mediziner zuvor eine Videokonferenz mit dem Pflegepersonal und dem einzelnen Bewohner abhielt. Auf diese Weise können die Ärzte mit einem Blick auf das Live-Videobild oft schon festlegen, ob ein sofortiger Besuch nötig ist, oder ob noch Zeit bis zur nächsten routinemäßigen Visite ist. Auch Anweisungen für einfachere Tätigkeiten an das Pflegepersonal sind auf diese Weise möglich. "Praxen werden von Standardtätigkeiten verstopft." Karl-Josef Laumann sieht in der Digitalisierung aber noch weitere Entlastungsmöglichkeiten für die Praxen. "Viele Standardtätigkeiten verstopfen die Praxen, die wir durch den Einsatz digitaler Technik entlasten können", so Laumann. Er denkt dabei unter anderem an das Ausstellen von Rezepten und könnte sich eine digitale Verbindung zwischen Arztpraxen und Apotheken vorstellen. "Die Digitalisierung bietet uns mehr Chancen als Risiken", sagte der CDU-Politiker am Montagabend. Eine gutes Mittel gegen den Ärztemangel sieht Laumann auch in so genannten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Darin sind Ärzte als Angestellte oder Vertragsärzte tätig. MVZ können vor allem jungen Medizinern die Möglichkeit geben, in einer niedergelassenen Praxis Erfahrung zu sammeln, ohne eine eigene gründen zu müssen. Nach derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen darf das MuM in Eigenverantwortung aber kein MVZ gründen. "Bünder Ärztenetz will selbst Medizinische Versorgungszentren betreiben." Der MuM-Vorstand gab dem Minister mit auf den Weg, dass im Bünder Land eine "digitale Netzpraxis" und eine fachübergreifende Notfallversorgung in Planung sind. "Um Innovationen in die Versorgung zu bringen, benötigen Ärztenetze wie das MuM die erforderlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen wie beispielsweise den MVZ-Gründerstatus und eine Finanzierung innovativer Projekte", hieß es zusammenfassend in einer Unterlage zum Treffen mit dem Minister. Eine "wohnortnahe, persönliche und hochwertige Versorgung unter Nutzung moderner Technologien" soll auf diese Weise möglich werden. Karl-Josef Laumann klang hier zuversichtlich.

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