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Waldorfpuppen herstellen, nähen, singen, künstlerisch gestalten: Julia Wulf hat viele Talente und hat sich zudem viele Jahre lang aktiv in der Dorfgemeinschaft Stukenbrock-Senne engagiert. - © Karin Prignitz
Waldorfpuppen herstellen, nähen, singen, künstlerisch gestalten: Julia Wulf hat viele Talente und hat sich zudem viele Jahre lang aktiv in der Dorfgemeinschaft Stukenbrock-Senne engagiert. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Diese Pädagogin aus Schloß Holte-Stukenbrock will etwas bewegen

Kinder unserer Stadt (12): Die Stukenbrock-Sennerin Julia Wulf erzählt von den Herausforderungen als Pädagogin und Mutter in der Corona-Zeit und einem künftigen neuen Mitbewohner.

Karin Prignitz
23.03.2021 | Stand 23.03.2021, 10:51 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Tochter Marla ist sechs, Mathea, die Jüngere, vier Jahre alt. Beide haben eine Menge zu erzählen, viele Fragen, die sie beantwortet haben möchten und sie blicken voller Neugier auf all die Dinge und Personen, die sie noch nicht kennen. Wie so viele andere Mütter und Väter, so versucht auch Julia Wulf gerade den Spagat zwischen Arbeit, Homeschooling, Kinderbetreuung, Haushalt und Hobby hinzubekommen. Demnächst wird ein weiteres Familienmitglied hinzukommen – eines mit vier Beinen und treuem Blick.

Der Bereich, in dem der Altdeutsche Mops schon bald seine ersten tapsigen Schritte tun wird, ist im heimischen Wohnzimmer bereits ausgewählt. Langfristig kann Julia Wulf sich vorstellen, den Vierbeiner gelegentlich mit in die Schule zu nehmen. „Das wäre ein Traum", sagt die 39-Jährige, denn sie weiß, dass Tiere Konzentration, Lernfähigkeit und das Aufeinander-Achtgeben durch ihre Präsenz fördern. Die zweifache Mutter unterrichtet seit elf Jahren am Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock in den Fächern Englisch und Religion.

In Stukenbrock-Senne, wo sie heute noch lebt, ist Julia Wulf in einer Patchwork-Familie mit insgesamt sieben Geschwistern aufgewachsen. „Letztlich war das eine große Bereicherung", sagt sie. „Es war immer einer da, es war immer etwas los." Für ihre Eltern sei es stets wichtig gewesen, alle Kinder (meine, deine, unsere) gleich zu behandeln, betont Julia Wulf, die zudem von Omas, Tanten, Cousins und Cousinen berichtet, die ebenfalls in der Nähe lebten. Die These, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen, habe sich in Stukenbrock-Senne auf wunderbare Weise bestätigt.

„Als Kindergartenkind wollte ich Kellnerin werden, so, wie meine Oma", erzählt die 39-Jährige von ihren Kindheitsvorstellungen. Die andere Oma aber war sich schon früh sicher: „Du wirst mal Lehrerin." So kam es tatsächlich. Nach dem Abitur am Oerlinghauser Gymnasium absolvierte Julia Wulf ein Freiwilliges Soziales Jahr in England – an einer Schule für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche. Diese Zeit prägte.

Nach dem ersten Staatsexamen in Anglistik und Theologie absolvierte Julia Wulf ihr Referendariat am Thomas-Morus-Gymnasium Oelde, nach dem zweiten Staatsexamen kam sie 2010 an das örtliche Gymnasium. Am Wohnort zu unterrichten, das vermeidet manch ein Pädagoge. „Ich finde es gut", betont Julia Wulf. Denn so sind die Wege zwischen Arbeitsstätte und Familie kurz. Momentan ist sie Klassenlehrerin einer sechsten Klasse.

„In Coronazeiten ist es allerdings ein ganz anderer Job", erzählt Julia Wulf vom Umstand, dass sie statt vor den Schülern ohne persönlichen Kontakt zu ihnen am Computer zu Hause sitzt. „Das ist eigentlich das, was ich nie machen wollte." Aber so sei es derzeit nun einmal und es klappe gut. „Allerdings freue ich mich schon sehr drauf, die Schüler wiederzusehen."

"Toll, was wir geschafft und erreicht haben"

Seit dem Jahr 2008, lange vor der Geburt ihrer Töchter, hat Julia Wulf sich im Team der Dorfgemeinschaft „Unser Dorf Stukenbrock-Senne" engagiert. Bis 2016 war sie im Vorstand. „Das war eine tolle Zeit", sagt sie. „Toll, was wir geschafft und erreicht haben." Solch ein Engagement, sagt Julia Wulf, „macht deutlich, dass man auch als Bürger etwas erreichen kann". Erster großer Plan war seinerzeit das Dorfentwicklungskonzept. Entstanden ist aus dem Gemeinschafts-Engagement unter anderem die Ems-Erlebnisweit.

Im Jahr 2008 nahmen die Stukenbrock-Senner erstmals am Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft" teil und belegten sofort den dritten Platz. Beim Kreiswettbewerb 2011 gab es einen Sonderpreis, drei Jahre später dann konnte der Sieg gefeiert werden. Julia Wulf hat stets aktiv mitgewirkt, organisiert und moderiert. Die dörflichen Strukturen, in denen beinahe jeder jeden kennt, sind ihr von Kindesbeinen an vertraut. Schon früh war ihr wichtig, mitzugestalten und ihre Ideen einzubringen. Das liegt in ihrem Naturell. „Nichts tun, „kommt für mich nicht in Frage".

Deshalb hat sie im Jahr 2007 die Abendmalhelfer-Ausbildung übernommen und sie fünf Jahre lang geleitet. Seit 2008 ist sie, mit einer Pause zwischendurch, Presbyterin in der evangelischen Kirchengemeinde und mittlerweile auch im Fachausschuss für Bildung und Kultur der Stadt vertreten. Auf dem Tisch liegt die Chronik zum 100-jährigen Bestehen der St.-Achatius-Schützen. Gefeiert werden kann im Corona-Jahr nicht. Nicht zu ändern sei das, sagt Julia Wulf, aber es sei natürlich schade. „Das soziale Miteinander fehlt."

Also gehört die ganze Konzentration neben der Familie und den Schülern derzeit den Hobbys. Und auch davon gibt es einige. Nähen, Waldorfpuppen selbst herstellen, stricken, zeichnen und Yoga, die Aktivitäten sind breit gefächert. Dazu gehört auch das Singen. 2001 hat Julia Wulf erstmals in der Osternachts-Schola der evangelischen Kirche mitgesungen. Um 5.30 Uhr versammeln sich die Menschen dann in der Kirche, erleben am Ende den magischen Moment des Sonnenaufgangs. Am 4. April ist es diesmal soweit. Noch ist aber unklar, ob der besondere Ostergottesdienst live stattfinden kann.

Fest steht bereits jetzt, dass sich Julia Wulf, und auch wohl ihre Klasse, Ende des Jahres wieder an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton" beteiligen werden. „Das ist ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt", betont die Pädagogin, Mutter und Ehrenamtlerin. Zwei werden garantiert mithelfen. Marla und Mathea. Denn die haben ganz bestimmt viele gute Ideen, womit der Karton gefüllt werden könnte.

Information
Stukenbrock-Senne

örtliche Gymnasium

Unser Dorf Stukenbrock-Senne

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