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In den kommenden Jahren besteht in Gütersloh ein erheblicher Bedarf an neuem Wohnraum, wie er hier aktuell an der Ahornallee geschaffen wird. - © Andreas Frücht
In den kommenden Jahren besteht in Gütersloh ein erheblicher Bedarf an neuem Wohnraum, wie er hier aktuell an der Ahornallee geschaffen wird. | © Andreas Frücht

Kaum Leerstandsreserven Bedarfsanalyse: Gütersloh braucht mindestens 5.000 neue Wohnungen

In Gütersloh gibt es derzeit so gut wie keine Leerstandsreserven. Um den Bedarf in den kommenden Jahren zu decken, muss gehandelt werden. Was neue Mehrfamilienhäuser künftig bieten sollten - ein Überblick.

Rainer Holzkamp
28.10.2022 | Stand 28.10.2022, 13:47 Uhr

Gütersloh. Auch in den kommenden Jahren besteht in Gütersloh ein erheblicher Bedarf an neuem Wohnraum. Wie aus einer Untersuchung des Forschungsinstituts empirica (Berlin, Bonn, Leipzig) hervorgeht, sollten bis 2035 rund 5.050 zusätzliche Wohneinheiten errichtet werden, außerdem 1.150 öffentlich geförderte Wohnungen bis 2031.

Pro Jahr sollten wenigstens 340 Einheiten in Ein- und Mehrfamilienhäusern hinzukommen, sagte Thomas Abraham vom Bonner empirica-Büro vor dem Ausschuss für Planung, Bauen und Immobilien (APBI). „Besser wären mehr, damit die Mieten und Kaufpreise nicht mehr so stark steigen.“

Hintergrund der Empfehlung ist, dass die jüngsten Bevölkerungsprognosen für die Kreisstadt bis 2040 weiterhin einen Wachstumspfad zeigen. Die untere Variante einer Berechnung des Kreises Gütersloh aus dem Jahr 2019 besagt, dass die Einwohnerzahl bis dahin auf über 110.000 klettert. Aktuell liegt sie bei rund 103.000 Einwohnern. Es gebe in Gütersloh derzeit so gut wie keine Leerstandsreserven mehr, verwies Abraham auf eine Quote von 1,7 Prozent, die unter dem Landesdurchschnitt liege. Dies sei ein Indikator für eine angespannte Wohnungssituation.

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Balkone oder Terrassen von hoher Bedeutung

Das Institut hatte bereits 2016 im Auftrag der Stadt eine Wohnraumbedarfsanalyse erstellt. Damals hatte empirica für den Zeitraum bis 2020 den Bau von jährlich 430 Wohneinheiten vorhergesagt. Tatsächlich realisiert wurden sogar mehr: durchschnittlich waren es 465 Einheiten. Dies habe eindeutig zum Bevölkerungswachstum beigetragen. Allerdings entstand weniger geförderter günstiger Wohnraum als geplant. Es waren im Schnitt 30 Einheiten pro Jahr.

Die Fachleute haben auch die verschiedenen Zielgruppen am Gütersloher Wohnungsmarkt identifiziert. Mit jeweils 8 Prozent stellen die „mittelalten“ Alleinlebenden und Paare ohne Kinder die größten Gruppen. Aber auch Alleinerziehende sind mit einem Anteil von 5 Prozent recht stark vertreten. All dies gelte es bei künftigen Planungen zu berücksichtigen.

Im Zusammenhang mit dem geplanten Mansergh-Quartier mit rund 1.000 Wohneinheiten und einem hohen Anteil an Geschosswohnungsbau ging Abraham der Frage nach, wie die Angebote konkret aussehen sollten, damit sie auch von Familien, die eigentlich eher zum Einfamilienhaus tendierten, akzeptiert würden. So seien Balkone/Terrassen, private Freiflächen und Gemeinschaftsgärten von hoher Bedeutung, ebenso eine gewisse Individualität. Hauseingänge mit 30 Klingelschildern seien in dieser Hinsicht schwierig. Grundsätzlich gehe es darum, Mehrfamilienhäuser möglichst mit Einfamilienhaus-Qualitäten zu errichten.

Sonder-Wohnformen erwünscht

Auch Sonderformen wie betreutes Wohnen sollten im Mansergh-Quartier berücksichtigt werden. Dazu zählen laut Abraham auch eigentumsorientierte Baugemeinschaften und mietorientiertes gemeinschaftliches Wohnen, also WGs in unterschiedlicher Form.

Aus gesamtstädtischer Sicht sei es zudem wichtig, den Generationenwechsel im recht großen Bestand an Einfamilienhäusern zu forcieren, um den frei werdenden Wohnraum für junge Familien nutzbar zu machen. Das bedeute zugleich, den ausziehenden älteren Haushalten altersgerechte, barrierefreie Angebote zu machen.

Für die SPD sagte Thomas Krümpelmann, die neue Studie bestätige die Annahme, dass Gütersloh eine wachsende Stadt bleiben werde. Die Bautätigkeit in den vergangenen fünf Jahren lasse sich mit dem Satz zusammenfassen: „Ziel erreicht.“ Es könne künftig so weitergemacht werden wie bisher. Gut wäre es, wenn die die Leerstandsquote um einen halben Prozentpunkt erhöht werden könnte.

Briten-Häuser weiter für Geflüchtete vorgesehen

Das Wachstum einer Stadt sei gleichzeitig Fluch und Segen, ergänzte Detlev Kahmen (CDU): Auf der einen Seite die kostspielige Infrastruktur mit Kitas, Schulen, Straßen, die mitwachsen müsse; auf der anderen Seite die Wirtschaft, die auf Wachstum und ausreichend Fachkräfte angewiesen sei.

Die Frage von Gabi Diekötter (Grüne), ob die demnächst zur Verfügung stehenden Britenwohnungen in die Berechnungen eingeflossen seien, verneinte der empirica-Vertreter. Nach Aussage von Stadtbaurätin Nina Herrling sei ohnehin nicht davon auszugehen, dass diese Häuser in nächster Zeit dem normalen Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen. Sie würden für die Unterbringung von Geflüchteten benötigt.

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