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Vorfahrt für Fahrradfahrer: Viele Radler hoffen auf die Ausweisung weiterer Fahrradstraßen wie am Postdamm. Foto: Andreas Frücht
Vorfahrt für Fahrradfahrer: Viele Radler hoffen auf die Ausweisung weiterer Fahrradstraßen wie am Postdamm. Foto: Andreas Frücht

Gütersloh Alternativen sollen Autos in Gütersloh zurückdrängen

Gütersloher Bürger diskutieren über die Mobilität der Zukunft in der Dalkestadt. Insbesondere die Radfahrer wollen sich künftig mehr Gehör verschaffen.

Rolf Birkholz
10.10.2019 | Stand 10.10.2019, 15:19 Uhr

Gütersloh. Die Bus-Tarife sind zu kompliziert, die über den ZOB laufende Linienführung ist zeitaufwendig, der Halbstundentakt zu hoch. Das bemängelte die Arbeitsgruppe zum ÖPNV bei der SPD-Veranstaltung „Verkehrswende – ein Gespenst geht um in Gütersloh?" in der Reihe „Zukunftsgespräche". Zwei weitere Gruppen des für alle offenen Workshops widmeten sich im Bürgerhaus „Der Bahnhof" den Themen Mobilität und Fahrradverkehr. „Wir haben den Bus vor der Tür, daran scheitert es nicht, es scheitert an den Zeiten", sagte eine Teilnehmerin unter den gut 30 Interessierten, darunter auch Vertreter von Umwelt- und Radfahrer-Verbänden. „Es ist alles unglaublich kompliziert", kritisierte eine andere das Tarifangebot. Und verlangte „eine einfache Lösung für alle". Ein „vernünftiges Netz und ein günstiger Preis" seien nötig. Vorgeschlagen wurden das Ein-Euro-Tagesticket oder die 365-Euro-Jahreskarte. Es müsse sich für den Anbieter allerdings auch rechnen, wurde zu bedenken gegeben. „Was ist es uns wert?", sei die Frage. Ein anderer hielt eine grundsätzliche Umkehr der Entwicklung zum Auto-Individualverkehr für geboten. Mobilität sei eine Art Daseinsgrundlage, sie dem Bürger zu ermöglichen mithin eine „Hoheitsaufgabe". „Einfach mutiger werden" Die Politik müsse „einfach mutiger werden", meinte eine Frau. Konkret vorgeschlagen wurden neben niedrigen Fahrpreisen auch Werbung für vorhandene Leistungen, etwa, dass ein Ticket zwei Stunden gültig sei. Eigene Busspuren und generell Vorrang für Busse wurden gewünscht und als Vision: den „Autoverkehr deutlich reduzieren". Das traf sich, wie in anderen Punkten, mit Vorstellungen der Gruppe Mobilität. Den „Verkehrsraum frei machen für Alternativen zum Auto", hieß deren Grund-Idee. Es gehe darum, Autos zurückzudrängen, Parkplätze zu verringern, Geschwindigkeit zu senken. Man solle Experimente wagen, auch wenn sie nicht gleich Erfolg zeitigten, etwa Autos an bestimmten Tagen von einzelnen Straßen fernhalten. Die Radler plädierten für ein Anhörungsrecht ihres Verbandes in den Ausschüssen des Rates sowie eine Anpassung des Radverkehrs an die Ampelschaltungen. Die Ausweisung von Radfahrstraßen laufe gut an, so der Sprecher dieser Gruppe, solle aber mit Konzept weiter ausgebaut werden. Das Tempo vor Signalanlagen zu reduzieren und das Radwegnetz zu erweitern, lauteten weitere Forderungen. Und: Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit möge die Probleme der Radler bewusster machen helfen. Insgesamt aber gehe es um ein „Mit- und kein Gegeneinander" im Straßenverkehr. Um die Vorschläge umzusetzen, komme es auch auf die „gesellschaftliche Bewegung dahinter" an, auf eine „gesellschaftliche Mehrheit", erklärte abschließend der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Volker Tappe, der den Abend moderierte. „Wir müssen das Thema Mobilität neu denken, anders denken." Fraktionsvorsitzender Thomas Ostermann ermunterte dazu, sich bei Problemlagen oder mit Ideen an die Fraktion zu wenden. „Sagen Sie Bescheid, wir kommen."

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