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2.000 Menschen radeln über die Bundesstraße ?und fordern die Politik zum sofortigen Umdenken auf. - © Andreas Frücht
2.000 Menschen radeln über die Bundesstraße ?und fordern die Politik zum sofortigen Umdenken auf. | © Andreas Frücht

Gütersloh Kommentar zur B61: Wer den Ausbau befürwortet, will die neue Autobahn

Am Sonntag protestierten 2.000 Menschen gegen den geplanten Ausbau. Sie fordern die Politik zum Umdenken auf. Ein Kommentar von Jeanette Salzmann.

Jeanette Salzmann
23.09.2019 | Stand 23.09.2019, 10:27 Uhr

Es geht vorwärts" titelte die Westfälischen Neuesten Nachrichten im Februar 1933. Berichtet wurde über die „wichtige Vorbesprechung zur Förderung des Verkehrsplans". Gemeint war nichts anderes als ein Radfahrweg Gütersloh–Bielefeld–Minden. Die damaligen Bürgermeister waren sich einig, die Wirtschaft war von der Bedeutung einer solchen Verbindung überzeugt. Eine institutionelle Fahrradlobby – nicht zuletzt wegen der namhaften Radhersteller im Bielefelder Raum – forcierte das Projekt.

Dass der Radweg am Ende nicht kam, ist wohl den Nationalsozialisten mit der Priorisierung des Autobahnbaus geschuldet. Festzuhalten bleibt: der Radfahrweg Gütersloh-Bielefeld-Minden existierte schon vor 86 Jahren in den Köpfen der Politik.

Jetzt soll der große Wurf erfolgen

Auch der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 61 ist ein mächtig alter Hut. Teilnehmer der Demo berichten, dass sie als Kinder bereits mit ihren Eltern darüber gesprochen hätten – Ende der 50er Jahre. Die Politik hat den Verkehr sprichwörtlich laufen lassen. Jetzt aber soll der große Wurf erfolgen, denn wir reden von zwei Projekten, die hier zu einem Ganzen werden: 1. Der vierspurige Ausbau der B61 von der Autobahnabfahrt Rheda-Wiedenbrück bis Bielefeld (rund zwei Kilometer hinter Isselhorst). 2. Die Ortsumgehung Ummeln, die in Erweiterung des Ostwestfalendamms schließlich auf Höhe Isselhorster Straße auf die B61 stößt. Ist alles fertig, gäbe es eine Direktverbindung von der A2 in die Bielefelder Innenstadt. Es braucht nicht viel Phantasie, um zu erkennen, dass eine Parallel-Autobahn entstehen würde – eine Art A2neu, viel bequemer und ohne lästige Auffahrt an der Verler Straße.

Dass die Verkehrspolitik sich ökologisch und ökonomisch viel zu eindimensional entwickelt, spürt ein Großteil der Bevölkerung schon lange. Hier waren keine Schüler auf der Straße, hier saßen gebildete, erwachsene Menschen im Sattel. Die Politik tut gut daran, vom Besucherstuhl der IHK aufzustehen und frische Luft zu schnappen.

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