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Heilsarmee-Major Michael Geymeier empfängt seine Gäste im Hof. - © Stefan Becker
Heilsarmee-Major Michael Geymeier empfängt seine Gäste im Hof. | © Stefan Becker

Bielefeld Corona-Krise: Heilsarmee packt Lunchpakete für Bedürftige

Als die Stadt die Ausgabe von Suppe an der "Tüte" untersagte, baut der Pastor der Heilsarmee im Hof seiner Kirche einen Laufsteg zum Essenholen - geöffnet jeden Tag von 11 bis 15 Uhr.

Stefan Becker
29.03.2020 | Stand 28.03.2020, 17:00 Uhr

Bielefeld. Fast über Nacht erhielt Pastor Michael Geymeier die Nachricht, dass er mit seinem Suppenmobil nicht länger Essen vor der "Tüte" verteilen dürfe. Da sei er erstmal verblüfft gewesen, sagt der Major der Heilsarmee, denn immerhin bestand sein Lieferservice bereits seit einer Woche und weder Polizei noch ein Amt hatten bis dahin Anstoß an der Praxis genommen. Am Dienstagabend kam dann das überraschende Ende für die gute Gabe.

Die Einfahrt zum Hof der Heilsarmee in der Siegfreidstraße 32. - © Stefan Becker
Die Einfahrt zum Hof der Heilsarmee in der Siegfreidstraße 32. | © Stefan Becker

Sozialdezernent und Krisenstabs-Chef Ingo Nürnberger begründet die späte Entscheidung folgendermaßen: "Wir haben in dieser Woche im Krisenstab über die Situation an der „Tüte" gesprochen und geklärt, wie wir – vor dem Hintergrund des neuen „Kontaktverbots" – damit umgehen müssen. Ansammlungen von Menschen sind nach dem Erlass der Landesregierung überall verboten, und auch an Imbissen darf das Essen nicht direkt am Imbiss eingenommen werden. Viele der sucht- und alkoholkranken Menschen sind gesundheitlich angeschlagen und deshalb bei einer Corona-Infizierung besonders gefährdet, schwer zu erkranken. Deshalb ist in der jetzigen Situation so wichtig und richtig, gerade an der „Tüte" und am Kesselbrink Menschenansammlungen zu verhindern."

Laufsteg zum Essenholen

Geymeier hatte seine Gäste nach Ausgabe der Mahlzeit gleich gebeten, getrennt voneinander zu essen. Auch hatten sich die Besucher der Freiluft-Suppenküche zuvor regelkonform die Hände desinfiziert - ein Restrisiko aber blieb und das sollte vermieden werden.

Gespannte Erwartung. - © Stefan Becker
Gespannte Erwartung. | © Stefan Becker

Trainiert in Nächstenliebe, nahm Geymeier die Absage sportlich und überlegte sich für sein Klientel in Windeseile eine neue Lösung. Er mobilisierte seine Kontakte in die Gastro-Szene sowie zum Handel und schon am Mittwoch wechselte das Team vom Suppe kochen auf Lunchpakete packen. Geymeier baute aus Kleiderständern und Folie einen Laufsteg zur Essensausgabe mit separatem Abgang, versehen mit Abstands-Markierungen und Desinfektionsmittel-Spendern.

Die Lunchpakete in der Kühltheke. - © Stefan Becker
Die Lunchpakete in der Kühltheke. | © Stefan Becker

Das Konzept deckt sich diesmal mit den Ideen des Krisenstabes: "Sinnvoll ist aktuell, so die Expertenmeinung, die bedürftigen Menschen mit Lebensmittelpaketen auszustatten. Diese Hilfe ist angelaufen, wir werden uns gemeinsam mit den ehrenamtlichen Initiativen um einen Ausbau dieser Hilfe bemühen", teilte Nürnberger mit. Und die Wohnunsglosen? Die Streetwork von Bethel sei unterwegs und suche die Wohnungslosen auf, so der Sozialdezernent, und auch in den Einrichtungen werde sich um die Betroffenen gekümmert.

Frische Tomaten. - © Stefan Becker
Frische Tomaten. | © Stefan Becker

Der Hirte der Heilsarmee begrüßt die geleistete Sozialarbeit in Krisenzeiten, doch will er es sich nicht nehmen lassen, seine Schäfchen nach dem Schluss der Lunchpaket-Ausgabe um 15 Uhr selbst aufzusuchen. Das lasse er sich von der Stadt nicht verbieten.

Abschied nehmen bis zum nächsten Tag. - © Stefan Becker
Abschied nehmen bis zum nächsten Tag. | © Stefan Becker
Der Lunchpaket-Parcours im Hof. - © Stefan Becker
Der Lunchpaket-Parcours im Hof. | © Stefan Becker

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