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Mit unglaublicher Kraft und Kreativität stellt sich das Bündnis gegen Rechts den Faschisten in Bielefeld entgegen. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Mit unglaublicher Kraft und Kreativität stellt sich das Bündnis gegen Rechts den Faschisten in Bielefeld entgegen. | © Foto: Andreas Zobe/NW

Bielefeld 14.000 Menschen gegen Rechts: Bielefeld hat null Bock auf Neonazis

Geschätzt 14.000 Menschen stellen sich am geschichtsträchtigen 9. November den Rechtsradikalen entgegen und verteidigen die Demokratie. Partei "Die Rechte" kann weniger mobilisieren als 2018

Susanne Lahr
09.11.2019 | Stand 10.11.2019, 17:55 Uhr |
Jürgen Mahncke

Bielefeld. Ignorieren oder Kante zeigen? In Bielefeld ist das keine Frage. Wieder einmal erleben die Rechtsradikalen, dass ihnen in Ostwestfalen-Lippe besonders viel Gegenwind entgegen bläst. Rund 14.000 Menschen haben sich am 9. November aufgemacht, um Flagge zu zeigen gegen ein kleines Trüppchen von maximal 250 Neonazis. Damit war die Partei „Die Rechte" mit ihrem Auftritt für die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck (91), die in Bielefeld im Gefängnis einsitzt, deutlich weniger erfolgreich als 2018. Belagerungszustand Und doch ist es wieder ein Tag im Belagerungszustand für Bielefeld. Das Stadtzentrum ist geteilt – nach Rechten und Gegendemonstranten, die sich am Tag der Reichspogromnacht gegen die faschistische Hetze stemmen und die mahnend an den Beginn des Massenmordens an den Juden erinnern wollen. Ein Durchkommen ist ab 12 Uhr kaum noch möglich, Verkehrswege sind blockiert. Zehn offizielle Gegendemonstrationen, Mahnwachen, Gedenkveranstaltungen und Menschenketten sind angemeldet. Das Bündnis gegen Rechts hat extrem mobilisieren können. Ohne nennenswerte Zwischenfälle In diesem Jahr gibt es deutlich weniger Zwischenfälle, bleibt es weitgehend friedlich. Die Polizei, die im Vorjahr von den Gegendemonstranten scharf wegen ihres „feindseligen, unkoordinierten und bedrohlichen" Vorgehens kritisiert worden war, wählt dieses Mal einen kooperativeren Weg. Sie ist etwa mit rund 1.500 Kräften aus ganz Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Zwei Wasserwerfer stehen vorsorglich an den Stellen bereit, an denen sich die Fronten näherkommen. Gebraucht werden sie nicht. Dass einer angesichts des lautstarken Protests unterm Ostwestfalendamm allerdings in Richtung Gegendemonstration ausgerichtet wird, sorgt für ein Crescendo des Pfeifkonzerts. Polizei soll Schuld eingestehen Es hagelt allerorten Unverständnis darüber, warum die Polizei nicht durch alle Gerichtsinstanzen gegangen ist, um diesen neuerlichen Aufmarsch zu verhindern. Diese Frage bewegt sehr, die Mehrheit kann nicht nachvollziehen, warum eine solche Neonazi-Demo am 9. November keine Provokation darstellen soll. Mehrfach wird mit Blick auf die Geschichte auch gefordert, dass die Bielefelder Polizei – wie 2013 die Feuerwehr – eine Organisationsverantwortung an der Reichspogromnacht und den folgenden Deportationen eingesteht. So stehen die Menschen wehrhaft einen Tag lang gegen die Faschisten, sind in ihrem Protest laut, bunt und kreativ, verteidigen die Demokratie. Die Neonazis haben keine Chance, mit ihrem Parolen durchzudringen. Oder die Menschen erinnern still an den Holocaust. Gegen 18 Uhr, als sich die Bielefelder im Rathaus zur offiziellen Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an das Judenpogrom versammeln, hat der braune Spuk die Stadt bereits wieder verlassen.

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